REISEBERICHT CAMINHO PORTUGUES 2011

Irgendwo auf dem Caminho Portugues zwischen Ponte de Lima und Sao Roque.

AUF NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA

Santiago, Sonntag, 15. Mai, kurz der nach beeindruckenden 12 Uhr Pilgermesse so gegen ein Uhr. Tatort Pilgerhospiz San Martin, direkt gegenüber dem Nordeingang der Kathedrale. Rund zwanzig Pilger sind es doch noch geworden, die dem Aufruf des Ehepaars Koch von der Pilgerseelsorge der Diözese Rottenburg-Stuttgart gefolgt sind. Wir alle wollen Meinungen austauschen – frei nach dem von den Ehrenamtlichen gewählten Motto „Ankommen – erwartet werden.“ An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für diese Initiative. Die Kosten werden vom Katholischen Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz getragen. Elke und ich fühlen uns bestätigt: Von dem jugendlich auftretenden weit über 70 jährigen Herrn aus Oberbayern, der schon knappe 10.000 Fuß-Pilgerkilometer hinter sich hat und immer noch weiter machen will, aber auch von denjenigen, die mehr vom Spaß berichten, den sie auf ihrem Wanderweg hatten, denn von Freude oder Dankbarkeit dem Auferstandenen gegenüber. Auf Pater Fidelis, einem Ladiner, der alles so wunderbar am Schluss zusammenfasste, werde ich noch zurückkommen.

 

Elf Pilgerwandertage liegen hinter uns, Samstag, 14. Mai, 12:30 Uhr, Praza de Obradoiro. Elke liegt in meinen Armen, wir sind erschöpft, aber glücklich, rund 230 km sind es geworden, streben nachdenklich zum Eingang der wunderschönen Kathedrale, die 12 Uhr Messe ist noch nicht beendet. Freundliche Mitpilger bieten sich an, uns auf der Treppe zu fotografieren. Elke möchte unbedingt die Büste des Heiligen Jakobus umarmen, ihm danken.

 

Es waren schöne Tage, heiße Tage, nasse Stunden nur ganz wenige darunter, anstrengende Tage, wir haben geflucht, der Herrgott möge es verzeihen, wir meditierten, lachten miteinander, wir bewunderten die portugiesische und spanische Kinderliebe, wir haben schöne Orte/Plätze, beeindruckende Kirchen betreten dürfen, viele religiöse Symbole an den Wohnhäusern registriert, die sprachliche Inkompetenz der meisten Hotelrezeptionisten beklagt, sie alle leben vom Pilgertourismus, (fast) keiner spricht Englisch.

 

Wir haben - nolens volens - Menschen kennengelernt, interessante, nette, freundliche darunter, unter anderem einen SPD-Ortsbürgermeister aus der Nähe Wolfsburgs, eine Seniorchefin einer Großbäckerei aus Schleswig-Holstein, zwei junge sympathische Burschen aus Andorra, eine Buspilgertruppe gesehen, eine fünfköpfige Familie aus der Eifel gesprochen, eine zehnköpfige Gruppe einer evangelischen Bruderschaft war darunter, die sich zumeist abschottete, und last but not least mit Harold (er schenkte mir seine Zweitmütze, weil ich die meinige irgendwo liegengelassen hatte, und es war doch so heiß) und Irene, einem kanadischen Ehepaar aus Alberta, viele Gedanken ausgetauscht, aber eben auch Wanderer kennengelernt , die die Infrastruktur des Caminhos wie selbstverständlich für sich reklamierten, viele Herbergsplätze kosten ja nicht mehr als 5 oder 6 Euro; mit der Kirche, dem Pilgern allerdings nichts am Hut haben. Ich denke, wir müssen gegensteuern, der Camino de Santiago darf nicht vollends zum profanen Wanderweg mutieren. Die örtlichen Kirchen am Jakobsweg sollten tagsüber geöffnet sein, Messen angeboten werden. Die Pilgerseelsorge der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist ein guter Anfang.

Etappe 1 von Porto/Giao nach Los Arcos                 15 Kilometer

1. Etappe, Mittwoch, 4. Mai, 11:30 Uhr. Wofür Wanderstöcke doch gut sein können.

Wir entsteigen dem Taxi, froh, endlich starten zu können. Die religiöse Einstimmung von Fatima sollte uns gut getan haben. Elke, eine überzeugte Lutheranerin, hatte erst ein wenig geschluckt, als sie die vielen auf den Knien rutschenden Pilger sah.

Das war ihr beim letztjährigen Lourdesbesuch so nicht begegnet.

Heute geht’s nur bis Arcos, knappe 15 km, von mir ganz bewusst so geplant als Einstieg. Die zuvor ausgewählte Unterkunft wird uns vollends zufrieden stellen: Quinta San Miguel, empfehlenswert, sogar mit einem Pool ausgestattet. Der Inhaber wird uns später vom Todesfall seines Vaters berichten, so können wir die ansonsten geschlossene Kirche betreten, im Seitenschiff wird der Tote betrauert. Der Wirt wird uns ein frühes Frühstück organisieren, sodass Christa, Elke und ich die Quinta rechtzeitig am Donnerstag verlassen können, wer weiß denn, wie heiß es morgen wird.

 

Soweit ist es aber noch nicht. Die Autos rasen an uns vorbei, unverantwortlich nah. Wir gehen zumeist auf Straßen, Fußgängerwege gibt es nicht durchgängig. Plötzlich erinnere ich mich an den Autor des Outdoors-Reisebegleiters, zücke meine Wanderstöcke, halte sie quer vor dem Körper, so circa 20-30 cm rechts von mir, und schon ändert sich die Situation, meistens jedenfalls. Die rasenden Autofahrer, übrigens, sehr häufig Frauen, machen fortan einen Bogen um uns, fahren langsamer. Konsequent halte ich diese Methode durch. In Vilarinho legen wir die erste Rast ein. Wie gesagt, ich hatte Elke versprochen, viele Pausen einzulegen. Ob ich es wohl durchgehalten habe? Wir werden sehen. Jetzt jedenfalls scheint sie lang genug gewesen zu sein für zwei Mineralwasser mit Kuchen. Außer den beiden Damen gesetzteren Alters, die ebenso wie wir die Gelegenheit der Örtlichkeit nutzen, wir werden sie später „überholen“, sind wir mutterseelenallein auf der Strecke.

 

Arcos ist ein Dorf, nichts los, gut also, dass es am Swimming Pool mehrere Liegen gibt. Wir sind um 14:30 Uhr die ersten, es dauert nicht lange, bis sich weitere vier Deutsche einfinden. An dieser Stelle sollte ich einflechten: Harold aus Calgary war doch „tatsächlich überzeugt“, dass mindestens die Hälfte der deutschen Bevölkerung diesen Weg gehen müsse, überwiegend Ältere wie wir, nur wenige Junge darunter. Später in Santiago werden wir allerdings feststellen, dass die Stadt eine große Anziehungskraft auf junge PilgerInnen (und Studenten) ausüben muss. Sie gingen offensichtlich den Camino Frances - die offizielle Pilgerstatistik bekräftigend. Auf Hajo aus der Nähe Wolfsburgs, Christa aus Büsum, Irene und Harold aus Calgary werde ich in den Folgetagen zurückkommen. 

                                                                                                                      

Die beiden unterschiedlichen Freundinnen, die jüngere plantschte ausgiebig im Pool, die ältere hatte wahnsinnige Angst vorm Wasser, werden wir später nicht mehr wiedersehen. Es sind Diplomatenwitwen, puristisch argumentierend, was den unbedingten Besuch der Herbergen angeht, Hotelaufenthalte widerspiegelten nicht den wahren Sinn des Jakobswegs, Esoterikerinnen zudem. Na ja, was den eenen Uhl is den anderen sien Nachtigall.

Mit Christa kommen wir schnell zusammen, sitzen am Abendtisch, konsumieren eine Flasche Wein, verabreden uns, am nächsten Tag gemeinsam zu frühstücken. Wir wollen nicht bis 8:30 Uhr warten.

 

Fotos

Reihe 1: Am rio Ave. Noch 80 Minuten bis Los Arcos.

             Überall am Wegesrand zu sehen. Die Erscheinung Mariens.

Reihe 2: Das Ziel Los Arcos vor Augen. Mittlerweile sehr heiß geworden.   

             Kirche von Los Arcos.

Reihe 3: Die Kirche war nur deshalb geöffnet, weil im Nebenschiff der Tod

             des Senior-Chefs unseres Hostals betrauert wurde.

             Die Südländer sind sehr Marien-zentriert.  

Reihe 4: Seitenaltäre.

Reihe 5: Friedhof, so ganz anders.       

             Pilgerwegzeichen. Nicht westwärts wie auf dem Camino Frances, nein:

             nordwärts.            

Etappe 2 von Los Arcos nach Barcelos                  19 Kilometer

Donnerstag, 5. Mai. Wir lernen von John Brierley`s Reiseführer, dass Aufstiege/Berge/Pässe von je 100 m Höhe die eigentliche Tagesetappe um zusätzliche 0,5 km anpassen. So werden beispielsweise aus 18 km der heutigen Etappe Arcos – Barcelos aufgrund der Anstiege von insgesamt 210 m weitere 1000 m, sodass mit Fug und Recht gesagt werden kann, man sei tatsächlich 19 km gegangen. Macht irgendwie Sinn, oder?

 

Übrigens, die Geschichte vom Hahn und dem armen Pilger, der nicht so wollte wie die liebestolle Herbergstochter, der also zunächst wegen des untergeschobenen Diebstahls gehängt, dann aber aufgrund eines Wunders gerettet wurde, ja diese    

diese Geschichte kann nicht nur Santo Domingo de la Calzada oder das französische Toulouse für sich beanspruchen, nein, auch Barcelos tut es.

 

Das scheint die Portugiesen auf dem großen Platz vor der Kathedrale beim Bier überhaupt nicht zu interessieren. Mit einem komme ich schnell ins Gespräch. Er „schafft“, so sein Ausdruck, bei Daimler in Sindelfingen, geht bald in den vorzeitigen Ruhestand. Nur wegen des Wochenmarktes ist er nach Barcelos gekommen.

                                                                                         

Mittlerweile findet sich Christa ein, sie hatte sich die Reise von einem Reisebüro ausarbeiten lassen, alle Unterkünfte sind vorgebucht. Wir erinnern uns: Siebenuhrvierzig weg, 13:20h in Barcelos angekommen – ganz schön viel Zeit für 19 km. Nun gut, es war heiß, der Laufrhythmus muss sich erst finden. Die Pause in Pedra Furada tat gut. Die sehr gut Englisch sprechende Wirtin der Snackbar ist eine Wucht. Sie kümmert sich, gibt Tipps für mögliche Übernachtungen, stempelt die Pilgerpässe.

 

Das abendliche Dinner, wir sitzen zusammen mit Hajo, Christa und einem Ehepaar aus Münster, er das erste Mal auf dem Camino, sie Expertin, ist ausgesprochen günstig. Für zweimal Fisch, drei Bier, Brot (das kostet immer extra) und Tipp zusammen nur 16 Euro. Wir verabreden uns mit Christa für acht Uhr, wollen wieder gemeinsam gehen.  

Fotos

Reihe 1: Rates. Wenige Kilometer nach Los Arcos.

             Igreja de Sao Pedro.

Reihe 2: Blick auf den Altar.

             Gabelung Rates.

Reihe 3: Holprige Wege.

             Eine agile Wirtin in Pedra Furada.

Reihe 4: Verfallenes Haus mit Heiligenfiguren.

             Das Wahrzeichen von Barcelos. Vgl. auch die Legende von                          Santo Domingo de la Calzada. 

Reihe 5: Kirche Temple do Bom Jesus.

             Blumengeschmückter Altar.

Reihe 6: Wandfliesengemälde.

             Markt von Barcelos.

Etappe 3 von Barcelos nach Ponte de Lima        38,8 Kilometer

3. Etappe, Freitag 6. Mai. Zum Schluss werden es vierunddreißig Kilometer sein.

John Brierley’s Reiseführer gibt an sich die Vorgabe. Er schlägt vor, von Barcelos direkt bis Ponte de Lima durchzugehen, 33,6 km resp. wegen der Steigungen 38,8 km. Ich überlasse Elke die Entscheidung. Sie ist wirklich gut drauf, obwohl: ich kenne sie, weiß, dass es zum Schluss kritisch werden kann. Und genauso ist es denn auch. Die letzten Kilometer bis zum Hotel nehmen kein Ende. Gott sei es gedankt kann ich gerade noch ein Doppelzimmer ergattern, direkt an der Allee am Rio Lima. Die Buspilger, wir sahen sie am Ponte das Tabuas, übernachten im selben Hotel: fast alles ältere Damen mit Hut und Pseudorucksack; gemein von mir dieser Schlenker, nicht wahr? Muss aber sein. Also, wie gesagt, bei der Ponte das Tabuas, kurz vor Balugaes, Christas Etappenziel, verlassen wir Christa, sie will kürzere Etappen gehen.

 

Schnell schreiten wir weiter, die Busdamen nehmen die Brücke und den Strand in Beschlag, es ist laut. Unser gestern vorsorglich gebuchtes Zimmer bei Fernanda storniere ich per SMS, Elke will nämlich weiter. Immer wieder begegnen uns zwei Holländer, die als Start Lissabon angeben, und zwei junge Frauen, mal vor, mal hinter uns. Zum Schluss, auf der letzten Gerade in Ponte de Lima, hebt die eine doch tatsächlich den Daumen und will damit signalisieren, dass sie unsere Leistung toll findet. „Was denkt die junge Frau sich eigentlich? Wir sind (halbe) Profis“, schießt es mir in den Kopf.

Der ältere Holländer, er spricht gut Deutsch, hatte mir übrigens zu meinem Portemonnaie verholfen, es war mir in der Bar aus der Hosentasche gerutscht. Ich bin ihm heute noch dankbar. In der Kathedrale in Santiago, am Sonntag, werden wir ihn und seinen Freund wieder sehen.

 

Heute ist das Tempo so richtig nach meinem Geschmack: Acht Stunden vierzig für gefühlte 39 km, kein schlechter Schnitt. Wir werden es nicht noch `mal machen. Es passt nicht, zum Camino nicht, zu Elke nicht. Wir müssen mehr Pausen einlegen, obwohl: gerade zum Schluss einer Etappe, wenn man also müde geworden ist, gibt’s zumeist keine Snackbars mehr.  

 

Fotos

Reihe 1: Auf einem beschwerlichen Untergrund.

             Trinkwasser?

Reihe 2: Auch damit muß man rechnen. Auf dem Camino Frances war uns

             weiland eine Herde Kühe entgegengekommen, ein brenzlige Situation

             für uns. 

             Bei Facha.

Reihe 3: Bildstock bei Facha.

             Bildstock.

Reihe 4: Mittelalterliche Brücke.

             Ponte de Lima. Gefängnisturm. Torre S. Paulo.

Reihe 5: Ponte de Lima, römischen Ursprungs.

             Igreja Matriz.

Reihe 6: Madonna.

             Jesus trägt das Kreuz.

 

Etappe 4 von Ponte de Lima nach Sao Roque    16,8 km

Samstag, 7. Mai, 4. Etappe mit einem Aufstieg zum Portela Grande, der es in sich hat.

Wenn Elke das gewusst hätte! Ja, was wäre geschehen? Wir hätten den Radweg nehmen sollen. Solch eine Strecke war auch mir noch nicht begegnet. Die Fotos der nächsten Seite geben überhaupt nicht die Wirklichkeit wieder.  Beide Reiseführer euphemisieren zu sehr nach meinem Geschmack. Nun gut, auch das ist Geschichte von gestern. Dazu ein Wissenschaftler in einer aktuellen Zeitungsausgabe: Intelligenz (rasches Erfassen der Situation), Motivation und Wille müssen den Dreiklang bilden.

 

Ungelogen, selbst ich muss mich teils mit allen Vieren abstützen, um weiterzukommen, das Gewicht des Rucksacks zieht nach hinten. Wenn ich dann hinfalle, oder gar Elke, nicht auszumalen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Elke, sie ist hochgradig verstimmt, sich nicht knipsen lassen will, wo doch das Cruz de Francesco, auch Cruz dos Mortos (Tod) genannt, geradezu einlädt. Es erinnert an Napoleons Besetzung der iberischen Halbinsel 1808 bis 1814. Just an dieser Stelle geriet er damals in einen Hinterhalt. Wie weiland Karl der Große im 8. Jahrhundert nahe Roncesvalles in den Pyrenäen. Kenner des spanischen Camino Frances werden spätestens jetzt aufgemerkt haben. Steht nicht zwischen Rabanal del Camino und Molinaseca das weltbekannte Cruz de Ferro? Man spricht ein Gebet, legt ein mitgebrachtes Steinchen ab, alle Mühsal hinter sich lassend.

 

Beim abendlichen Dinner mit Harold und Irene ist alles wieder vergessen. Die Wirtin hat einen Fahrdienst zum Restaurant organisiert und schon bilden sich drei Gruppierungen: Die fünfköpfige Familie aus der Eifel, die christliche Gruppe, fast alle tragen ein großes Kreuz sichtbar um den Hals, beim abendlichen und morgendlichen Gebet wollen sie allerdings unter sich sein, und das ausgesprochen nette Ehepaar aus Kanada mit uns zusammen am Tisch. Er ist emeritierter Professor, knapp 80 Jahre alt, ursprünglich aus England kommend, ist schon zig Caminos gegangen; sie über 20 Jahre jünger, in leitender Position in der Altenpflege. Tage später wird Harold mir völlig uneigennützig aushelfen.


Es stürmt, es regnet, es ist kalt, Elke friert; das Zimmer in der Pensao tut ein Übriges dazu, irgendwie unwirtlich, die Dusche spuckt nur kaltes Wasser aus. Ach ja, ich sollte hinzufügen. Wir sind heute bis Sao Roque, kurz vor der spanischen Grenze, nur lächerliche 16,8 km gegangen, mit den Steigungen hochgerechnete 19 km.

 

Die ersten Stunden forderten viel Flexibilität. Kaum betraten wir die historische, weil mittelalterliche Brücke von Ponte de Lima, schon begann es zu regnen. Also, Regencape aus dem Rucksack gezerrt, schnell übergeworfen. Resultat: es hört auf zu regnen, es wird schwül. Dieses Spielchen erlebten Elke und ich so vier, fünfmal. Die beiden jungen Frauen von gestern waren dagegen abgebrüht, sie ignorierten den Regen oder stellten sich unter. O-Ton: „Wir sind zu faul, die Capes herauszuholen. Wir warten ab, wird schon schiefgehen.“

 

                                                                                                                                 

Fotos

Reihe 1: Natürlich hat`s auch geregnet.

             Nur noch felsiger Boden. "Man muss es mögen."

Reihe 2: Und es wird noch arger: Cruz dos Franceses.

             Nur noch Geröll.

Reihe 3: Geschafft. Kurz vor dem Pass. Auf diesem Abschnitt waren wir

             ganz allein. Die anderen waren den bequemeren Weg auf der

             Straße gegangen.

Reihe 4: Pass Portala Grande.

             San Roque. Die Tortur ist endlich vorbei.  

Etappe 5 von Sao Roque nach Tui (Spanien)     21,6 km 

Harold von Calgary. Kanada.

 

Sonntag, 8. Mai, 07:30 Uhr in Sao Roque: Instantkaffee plus heißes Wasser plus Milch, zugeteilte Marmelade, zugeteilte Brötchen.

In O Porrino trifft es uns noch ärger. Dort wird uns die Hotelwirtin am Vorabend ein Blatt Papier geben, auf dem wir vermerken sollen, ob wir nun zum Frühstück ein Toastbrot mit einem Stück Butter und Marmelade oder beispielsweise ein Croissant mit Marmelade wünschen. Kaffee wie Milch wird seitens der Bedienung eingeschenkt. Der Frühstückstisch der Familie aus der Eifel sieht hingegen gut aus – alles reichlich vorhanden. Merke, wie unterschiedlich kann doch portugiesisches Frühstück in einem Ein- und/oder Zweisternehotel ausfallen. Wir haben es überlebt.                                                                                                        

 

Der Regen hat sich verzogen. Der Tag mit seinen 21 Fußkilometern ist schnell erzählt. Bereits um 14:00 Uhr sind wir im spanischen Tui, Doppelstadt mit dem portugiesischen Valenca. Wir müssen die Uhr vorstellen, es ist tatsächlich bereits drei Uhr nachmittags. Die Internationale Brücke über den Rio Mino ist atemberaubend. Mir wird ein wenig schwindelig. Wir gönnen uns jetzt erst `mal ein Zimmer im Paradores, zu einem erschwinglichen Preis. Das muss einfach sein, wir haben es verdient.

 

Leider sind wieder fast alle Kirchen geschlossen. In Deutschland ist es zumeist so geregelt, dass die katholischen Gotteshäuser geöffnet sind, die evangelischen hingegen nicht. Die von Raimund Joost in seinem Outdoor-Führer vorgeschlagene Besichtigung der Prozessionsfiguren können wir uns abschminken. Sie sind eingemottet.

 

So verbleibt mir genügend Zeit, die Wäsche zu machen. Das 4-Sterne Hotel mutiert zu einer Wäschekammer. Wenn das der Geschäftsführer sähe, wie würde er wohl reagieren? Ja, an dieser Stelle sollte ich das Thema Pause anschneiden. Durchgängig werden es wohl je Etappe mindestens zwei gewesen sein. Elke reklamiert jetzt plötzlich, sie hätte immer davon gesprochen, sich alle zwei Stunden mindestens eine halbe Stunde ausruhen zu wollen - die Füße hochlegen.

                                                                               

 

Fotos

Reihe 1: Zum Einstieg wie gehabt alles ein wenig wacklig.

             Geöffnete Kirche; jedoch fast keiner der Pilger zu sehen. Sie picknickten

             auf dem Gelände. 

Reihe 2: Blick auf den Altar.

             Aus das ist anzutreffen.

Reihe 3: Gespendet von der Dt. Jakobusgesellschaft.            

             Pilgerwegzeichen.

Reihe 4: Kurz vor Tui, der Landesgrenze nach Spanien.

             Brücke über den rio Mino.

Reihe 5: So kann ein Hotelzimmer auch aussehen.

             Kathedrale von Tui.

Reihe 6: Eingangsbereich der Kathedrale.

             Bibelfiguren.

Reihe 7: Eingang Kathededrale.

             Museum.

Reihe 8: Museum.

             Kirche im Ort.

Reihe 9: Impressionen Tui.      

 

Etappe 6 von Tui (Spanien) nach O Porrino       16,5 Kilometer

6. Etappe, Montag, 9. Mai: Tui – O Porrino 16,5 km.

O Porrino ist – leider ist es nun mal so – nichtssagend. Wir verbinden mit dieser Stadt und dem Weg zu ihr hin einen kilometerlangen Marsch durch hässliche Industrievororte, ein Rathaus, von dessen Fassade man nicht weiß, welchem Baustil es zu geordnet werden soll, ein mäßiges Zimmer, ein noch mäßigeres Frühstück, ich erzählte es bereits, aber: und das gehört auch zur Wahrheit. Wir erleben einen Wirt, dessen Menükarte zwar schauderhaft formuliert ist, der sich aber umso mehr engagiert. Wie ein Wiesel eilt er von Tisch zu Tisch, in die Küche, zum Tresen und zurück, wild gestikulierend. Es macht sich bezahlt. Das Essen schmeckt, ebenso der Wein, und teuer ist auch nicht. Wir treffen die vertrauten Mit-Wanderer, beobachten Fritz in Begleitung „seiner“ Damen. In Santiago wird er uns dann erzählen, mit den beiden hätte er später läuferisch nicht mehr mithalten können.

 

Apropos Fritz. Diesmal also in Ponte de Lima. Wir sitzen im Restaurant Gaio, empfohlen vom Reiseführer, wollen ein günstiges Pilgermenü genießen: Neun Euro. Nix da, gilt nur, wenn der Pilgerausweis gezeigt werden kann. Der Wirt ist unerbittlich. So verlassen wir unverrichteter Dinge das Lokal. Fritz und die Damen waren offensichtlich vorbereitet.

                                                                                                                                 

O Porrino rasch vergessend widme ich mich jetzt umso mehr Redondela, einer Stadt, die am Ria de Vigo liegt. Elke und ich werden begeistert sein. Aber bis dahin werden noch viele Worte des Unmuts geäußert sein. Sie: „Wir sind hier falsch, das ist ein Umweg, warum machst du das mit mir!?“ Ich gebe zu, mangelnde Kommunikation. Zu meiner Ehrenrettung darf ich hinzufügen, es war extrem heiß.

 

 

Fotos

Reihe 1: Tui. Igrexia de San Bartolomeu.

Reihe 2: Erinnerungsstätte San Telmo.

Reihe 3: Industrievorort von O Porrino. Nicht sehr prickelnd

Reihe 4: Cafe und Snackbar.

             Und Elvis schaute zu.

Reihe 5: Impressionen O Porrino.

Reihe 6: Das abendliche Pilgermenü.

             Pilger auf Sightseeing.  

Etappe 7 von O Porrino nach Redondela/Cesantes   19,5 Kilometer

Cesantes. Vorort von Redondela.

 

Dienstag, 10. Mai. Eine Bedienung, die nur spanisch versteht.

Elkes Unmut ist verflogen. Im Gegenteil, sie ist geradezu begeistert von der Umgebung, dem See, der Promenade, vom heißen Wind. Wir genießen die Stunden. Zurück zur Etappe. Elke ist gut drauf, den steilen Auf- wie Abstieg hat sie gut verkraftet, sie will sogar weiterlaufen bis Arcade. Ich hab`s nicht verstanden, warum? Macht keinen Sinn.

Gemütlich sitzen wir auf der Hotel-Terrasse. Das Bier zischt, der Körper warm und kalt abgeduscht, der Salat schmeckt vorzüglich. Taxis kommen, es entsteigen PilgerInnen, die keine Lust verspürt hatten, von Redondela nach Cesantes durchzulaufen. So heißt der Vorort. Wer es mag.

 

Mittlerweile ist es viertel nach acht Uhr abends geworden. Zeit für Dinner. Fast kein weiterer Gast da. Den drei Damen ist es wohl zu teuer, sie speisen in einer Snackbar, nicht aber die drei Deutschen, zwei Männer und eine Frau. Einer davon wird auf dem Rückflug neben uns sitzen, wieder nicht den Mund aufkriegen, noch nicht einmal zum Gruß. So auch heute. Er brilliert mit ausgezeichnetem Spanisch, so scheint es; das Paar, das hinzustößt, grüßt ebenfalls nicht, wie immer, wenn wir sie sehen. Ob sie wohl Berührungsängste haben? Geld jedenfalls scheint keine Rolle zu spielen.

                                                                                                                  

Es wird fürstlich gespeist. Wir hingegen bescheiden uns, die Bedienung ist unfreundlich, zeigt kein Engagement, spricht kein Englisch. Das zeigt Auswirkungen. Nächsten Morgen erhalte ich von der Chefin die an sich zu bezahlende Flasche Wasser umsonst: „For your inconvenience“, oder so ähnlich.

Gleichwohl, ich verstehe es nicht. Diese Hotels leben mittlerweile ausgesprochen gut von den Pilgern, überwiegend Deutsche oder Englischsprachige. Zumindest eine gut lesbare Menükarte sollte doch drin sein. Tage später treffen wir zwei sehr junge Frauen, die uns nach der Herberge in Santiago befragen. „Habt Ihr denn nicht einen Reiseführer“, frage ich. „Nö, warum denn. Wir können doch englisch.“ Und weiter: „Das hat uns allerdings überhaupt nicht geholfen. Keiner spricht auch nur ansatzweise ein bisschen englisch.“ Wir sind also nicht die einzigen, die diesen Umstand reklamieren.

 

Ich zu Elke: „Sind das da nicht vorne die Kanadier?„Ja, ja“, sagt sie. „Gleich werden wir sie erreichen.“ Und das ist auch gut so. Denn: Harold wird mir helfen. Gleich dazu mehr.

 

Fotos

Reihe 1: Hajo, Harold und Irene aus Kanada vor uns.

             Redondela.

Reihe 2: Herberge von Redondela um halb eins noch geschlossen.

Reihe 3: Hostal von Cesantes, nahe der/des Ria de Vigo.

Reihe 4: Überdachte Marienstatue am See.

             Pilgerwegzeichen Richtung Pontevedra.

 

Etappe 8 von Cesantes nach Pontevedra                  23,4 Kilometer

Ria de Vigo. Kurz hinter Redondela.

 

Mittwoch, 11. Mai. Ein freundlicher Postbote spricht uns Mut zu.

Das Frühstück nimmt außer uns beiden fast keiner der Wanderer ein. Sie alle streben gen Pontevedra, rund 20 km entfernt. Eine tolle Stadt, mit einem wunderschönen alten Stadtviertel, mit vielen elegant gekleideten Damen, älteren wie jüngeren, kinderlieb dazu. John Brierley beschreibt die Etappe wie folgt: Angenehm, variantenreich entlang der schmalen Küstenbucht, mit einer kurzen, aber gefährlichen Strecke die N-550 bergauf nach Arcade; darunter alte Steinpfade: „O Gott, nicht schon wieder“, denke ich. Und weiter schreibt er: "Planen Sie Zeit für die Erforschung des alten Viertels ein." Recht hat er.

 

Und jetzt kommen die Herren aus Andorra ins Spiel. Sie ermutigen uns, das kalte Brunnenwasser zu trinken, es sei sehr genießbar. Immer wenn wir uns sehen, gibt’s ein Hallo, am letzten Tag verabschieden wir uns mit Handschlag, sie sprechen nur wenig Englisch. Sie sind freundlich, nicht so stur wie viele Deutsche. Das Ehepaar, das heißt die Ehefrau, wir treffen sie an der Muschelwand, erzählt uns, dass sie von Valencia gestartet sind, dem Camino Levante. 800 km werden es dann in Santiago sein.

 

Es wird immer heißer, knappe 30°, kein Schutz, teils keine Bäume, ich ohne Hut. Die Aufstiege werden steiler, entweder Felsen oder wenig befahrene Straßen. „Es macht kein Spaß mehr“, so Elke. „Freude auch nicht“, sage ich.  „Ich kann ja auch nichts dafür.“  Es gibt nur wenige Möglichkeiten einzukehren.

                                                                                                      

Jetzt aber zu Harold und Irene. Gedanklich zurück, kurz vor Arcade. Alle freuen sich, erzählen einander kurz die letzten Erlebnisse, soweit es mein Englisch zulässt. „I lost my cap”, höre ich mich sagen. Harold: “Oh my goodness, that`s bad, I have a cap for you, I don’t need it anymore, it`s my second? Please, wait, let`s go to the next snackbar and then you`ll get the cap.” Wahnsinn, er gibt mir sein zweites Käppi, ein Geschenk aus Brasilien, und dann steckt er mir noch einen Sticker daran von Jasper/Columbia, Canada, wo er einmal jenseits von Calgary gearbeitet hatte (und wir in 1997 urlaubten). Wie soll man das bloß bezeichnen?

 

Wir machen einen Fehler. Wollen schlauer sein als der Führer. Gemäß Führer soll unser Hotel Virgen del Camino direkt am Pilgerweg liegen, in der City Pontevedras. Wir  hätten also bloß den Pfeilen folgen brauchen. Und was machen wir, wir fragen, und schon geht`s in die Hose, bemerken schließlich Hinweisschilder fürs Hotel, berücksichtigen aber nicht, dass diese ja für die Autofahrer gedacht sind. Und so laufen wir ein wenig um und dumm, wie Elke zu sagen pflegt. Sie ist down, hat Blasen, die Hitze macht zu schaffen. Eine direkt neben dem Hotel wohnende Deutsche erbarmt sich unser, weist den richtigen Weg.                                                                                                       

 

Jetzt fehlt noch die Story des Postboten. Einige Kilometer zurück. Wir sitzen direkt vor der Capela Sta. Marta, einige Kilometer vom Centrum entfernt, es ist 12:15 Uhr, also heiß, trinken Wasser, ruhen aus. Ein Postbote hält. Fragt spontan, mit Händen und so, ob er uns fotografieren solle. Na, klar doch. Dann bedeutet er uns, dass es doch nur noch drei Kilometer sind, normalerweise ein Klacks. Er will Trost spenden. In der Kapelle stempel` ich die Ausweise, es liegt alles parat dafür, gehen sodann, fast schon ein wenig beschwingt, weiter, was aber, wie gesagt, nicht lange anhält. Draußen in der Natur läuft es sich halt schöner als auf Straßenpflaster.

 

Zwanzig Kilometer sind geschafft. Im Hotel angekommen wird als erstes die Wäsche gemacht, ich bin wieder dran; ruhen uns aus, leider ist das Fenster nicht zu öffnen, Elke mag die Klimaanlage nicht.

 

Es ist 17:00 Uhr. Zielstrebig wenden wir uns der Altstadt zu, nur wenige Meter zu gehen. Ich kann`s nur noch `mal sagen, eine tolle Stadt, wunderschöne Kirchen, vor allem die Marienkirche. Wir treffen sie alle, die Kanadier, die aus der Eifel, die Evangelischen, und, und, und. Von unserem Sitzplatz draußen vor der Bar überblicken wir den großen Praza mit vielen spielenden Kindern, die ihre Bälle gegen die Schaufenster schießen, keiner schimpft; links Burger King, vis a vis Cafes, Restaurants. Polizeiwagen queren den Platz, keiner kümmert sich darum. Ich komme ins Sinnieren, erinnere mich an den Deutschschweizer aus Karlsruhe, seit 40 Jahren in Basel lebend, der die spanischen Wanderrouten wie folgt beschreibt. Danach gibt es nicht ein „normales“ Wanderwegenetz wie in Deutschland, der Schweiz oder Österreich. Alles ist hier auf die Jakobswege abgestimmt, die dann folgerichtig nicht mehr Camino de Santiago (Weg zum heiligen Jakob) genannt werden, sondern Camino Frances, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Mozarabe, Camino Finisterre oder eben Camino Portugues.

 

Das schlägt sich durch auf die Motivation des durchschnittlichen Wanderers. Er oder sie pilgern eben nicht mehr zum Grab des Sant` iago. Gar mancher weiß überhaupt nicht um diesen großen Heiligen. Er/sie geht deshalb auch nicht zur Pilgermesse, die ja nicht nur in Santiago angeboten wird. Man will Spaß haben, sein Bier trinken, ist des öfteren lärmend, nimmt manchmal wenig Rücksicht auf die PilgerInnen.

 

Dennoch übt der Jakobsweg für viele eine Faszination aus, Hape Kerkeling lässt grüßen. „Ich will auch mal für mich sein, nicht nur für die Familie“, so eine Wandersfrau, die der Santiagoer Kathedrale überhaupt nichts abgewinnen kann; für Kenner das Gotteshaus par excellence. „Ich will mit meinen Problemen ins Reine kommen!“ „Habe ich noch Lust, mich für andere aufzureiben?“ „Meine Ehe ist am Nullpunkt angelangt,“ so andere. „Ich will Menschen fremder Kulturen kennenlernen.“ „Ich suche die sportliche Herausforderung.„Nein, die Institution Kirche lehne ich ab, will eigentlich austreten“ sagen weitere. Wenn Elke und ich dann frank und frei zum Ausdruck bringen, dass wir nicht nur gläubig, sondern religiös sind, Bewunderer von Papst Benedikt XVI. zudem, gar uns im weltbekannten Marienwallfahrtsort Fatima wohlfühlten, unsere Reise ist nicht nur auf den Jakobsweg  ausgerichtet, ja, dann bleibt einem nicht verborgen, wie es geradezu im Gehirn des  Gegenüber rattert.

                                                                                        

Mittlerweile ist mir der Pastoralbrief des Erzbischofs von Santiago, Julian Barrio Barrio, zum Heiligen Compostelanischen Jahr 2010 ans Herz gewachsen: Pilger des Glaubens und Zeugen des auferstandenen Christus: so ist der Weg nach Santiago für den, der im Geist und in der Wahrheit pilgert, ein geeigneter Ort, um mit Gott ins Gespräch zu kommen; er ist ein Zeichen, das ihm hilft, sich von Gott geschaffen und durch Christus befreit zu fühlen, und er ist eine Erfahrung, in der der Pilger lernt, zu geben und zu empfangen. Ich gestehe, mich rührt dieser Text an, ich gehe den Camino, um zu danken, nicht um Probleme auf andere abzuwälzen, ich danke meinem Herrgott, der mir bis dato ein gutes Leben geschenkt hat; diskutiere aber auch mit ihm. Die damit verbundenen körperlichen Anstrengungen nehme ich gerne in Kauf - also Körper und Seele in Gleichklang bringen.

So, dass musste `mal gesagt werden. Zurück zum Geschehen. Wir sitzen wie gesagt in Pontevedra - draußen vor dem Café.

 

Die Marienkirche und die Basilika Maria la Mayor (16. Jh.) sind ausgesprochen schön. Klar, dass in ihr viele Marienstatuen zu sehen sind, besonders jene, die der seligen Gottesmutter von Fatima gewidmet sind. Die Klosterkirche San Francisco aus dem 14. Jahrhundert besticht durch phantastisch schöne Glasfenster.

 

Es hilft alles nichts, ich habe Hunger, Zeit für Dinner. Vergebens suchen wir nach einem Restaurant, alle öffnen erst ab 20./20:30 Uhr. Zu spät, das Essen soll uns über Nacht nicht im Magen liegen. Mir nichts dir nichts landen wir im Hotel-Restaurant Virgen del Camino. Es gibt zwar auch hier kein ausgewachsenes Menü, dafür Sandwiches und ähnliches. Hajo hatte wohl ebenso empfunden, strahlend nimmt er uns in Empfang, trinken einige Biere zusammen. Morgen wird er mir dann acht Euro zurückgeben, hatte doch die Bedienung einen Teil seiner Biere auf meine Rechnung geschrieben.

 

Noch ein Wort zur Kinderliebe der Spanier. Sie muss nicht nur wegen der vielen spielenden Kinder, die offensichtlich niemanden stören, groß sein, es gibt so unendlich viele Geschäfte für Braut- und Kinderbekleidung.

 

In Santiago sagt uns ein Mitpilger: „Wäre ich doch bloß zwei Tage in Pontevedra (der Ort ist seit 1141 belegbar) geblieben. Jetzt muss ich, weil falsch geplant, vier Tage in Santiago rumhängen.“ Recht hat er.

 

Der Endspurt ist eingeläutet. Nur noch drei Etappen bis nach Santiago. Elke freut sich, nicht wegen der bald nicht mehr auftretenden Strapazen, nein, wir beide freuen uns auf die Ankunft auf dem Praza do Obradoiro, auf die Westfassade der Kathedrale, auf die Umarmung. Soweit ist es noch nicht. Mindestens fünfundsechzig Fußkilometer fehlen, müssen bewältigt sein.

 

Fotos

Reihe 1: Camino hoch oben am See entlang.

             Zig verschiedene Jakobsmuscheln.

Reihe 2: Ein Brunnen am Weg. Genießbar?

             Dieser junge Pilger musste sich ausruhen; eine Knöchelverletzung

             ließ nichts anderes zu.

Reihe 3: Eine Zumutung, dieser Felsenuntergrund.

             Capella da Santa Marta, kurz von Pontevedra.

Reihe 4: Abstempeln der Pilgerpässe on your own. 

             Ein hilfsbereiter Postbote erklärt uns den Weg.

Reihe 5: Kurzifix gegenüber der Capella.

             Sanktuarium Virxe Peregrina. Pontevedra.

Reihe 6: Klosterkirche San Francisco. Kreuzweg.

             Das pulsierende Leben.

Reihe 7: Pontevedra.

Reihe 8: Basilika Sta. Maria.

             Marienfigur.

Reihe 9: Jakobus mit Stab und Hund.

             Außenfigur.

 

Etappe 9 von Pontevedra nach Caldas de Reis         23,4 Kilometer

Brücke von Pontevedra.

 

Donnerstag, 12. Mai. Heiße Quellen in Caldas de Reis.

Die vor uns liegende Strecke, 23 km, sollte uns an sich nicht allzu anstrengen, es wird keine nennenswerten Steigungen geben. Dafür wird es wieder zu heiß, für mich jedenfalls.

Elke schmerzen die Fußballen. Sie schleppt sich zum Hotel.                                                                                                    

Es liegt kurz hinter der römischen Brücke. Caldas de Reis ist berühmt für seine heißen Thermalquellen (nichts anderes bedeutet der Ortsname) - angeblich schon von den Neandertalern, auf jeden Fall von den Kelten genutzt und von den Römern ausgebaut. Unser Hotel Davila, der aufmerksame Leser wird mittlerweile gemerkt haben, dass wir bis dato kein einziges Mal in einer Herberge übernachteten, und das wird auch so bleiben; also, das Hotel Davila verfügt über eine dieser Quellen. Eigentlich hätten Elke und ich ein heißes Bad nehmen sollen. Eigentlich!

 

Bei unserer ersten Jakobswegtour  haben wir das Für und Wider der Herbergsübernachtungen zu genüge kennengelernt. Diesmal gönnen wir uns nur Hotels, wollen uns bewusst nicht die Enge und teils mangelhafte Sanitäranlagen antun. Ich denke, nächstes Jahr wird es wieder anders sein. Es wird Orte geben, wo es nur Herbergen gibt - keine Hotels oder Pensionen.

Warum zeige ich dieses Foto? Es symbolisiert in etwa die gegenwärtige Malaise Spaniens. Der Bauboom ist geplatzt, viele verwaiste Rohbauten beweisen dies eindrücklich.

 

Das Zimmer ist, so empfinde ich es, eine Zumutung. Viel zu heiß, es gibt keine Klimaanlage, das Fenster war geöffnet, der Raum aufgeheizt. Elke ist das egal. Sie liegt auf dem Bett, das sie, es ist erst viertel vor zwei Uhr, bis 20 Uhr auch nicht verlassen wird. So muss ich einkaufen, den Supermercado suchen. Als Belohnung gönne ich mir ein kaltes Bier. Denn: einer mir von Elke auferlegten Strafe muss ich ja noch nachkommen, ich hatte ihr zu wenig Pausen zugestanden:

                                                                                                                                  

Wäsche waschen und fürs Trocknen sorgen. Den Tag über gab es wenig Ordentliches zu essen. Das Frühstück im Hotel war auch nicht gerade üppig: Ein Croissant, eine Tasse Kaffee (con leche), ein Glas O-Saft, etwas Marmelade und Butter. Diese Variante kennen wir doch, nicht wahr. Und das in diesem guten Hotel? Strange! Hajo, Harold und Irene erging es nicht anders. Sie betteten ihr Haupt gleichermaßen im Virgen. „Which coincidence,“ I said to Harold.

 

Das Pilgermenü im Restaurant Lotus, direkt gegenüber dem gleichnamigen Hotel, ist zufriedenstellend. Nach und nach finden sich viele Wanderer ein. Die drei Deutschen aus Cesantes werden ihrem Ruf gerecht, sie grüßen nicht.

 

Fotos

Reihe 1: Pilgerwegzeichen.

             Auf dem Weg.

Reihe 2: Unsere lieben Mitpilger vor uns.

             Rast Meson Don Pulpo. Man muss schon genau hinsehen, seinen

             eigenen Rucksack wieder zu finden.

Reihe 3: Meson Don Pulpo.

             Ins Stocken geratener Bauboom.

Reihe 4: Zwei Tage noch. Für uns Pilger sind es mehr als 40 km.

             Caldas de Reis. Pfarrkirche de Sto. Tomas.

Reihe 5: Caldas de Reis.

             Auch um 17:30h noch viel zu heiß.

Etappe 10 von Caldas de Reis nach Padron              19,9 Kilometer

Jakobuskirche Padron. Pedron. An diesem Stein, er stand ursprünglich am nahe gelegenen Flussufer von Ulla und Sar, machte der Legende nach das Boot mit dem Leichnam des Hl. Jakobus fest.

 

10. Etappe: Caldas de Reis – Padron. Was hat das Jaköbchen vom Berge mit dem Camino de Santiago zu tun? Nach rund 20 km wissen wir mehr. „Nun halt doch mal deine Finger unter  Wasser“, so Elke zu mir. Ich bin folgsam. Es ist wirklich angenehm heiß, an sich gut für meinen Rücken, für meinen Nacken, der gelegentlich so schmerzt. Ach, egal.   Gelobt sei das, was hart macht.                                                     

 

Wir müssen weiter, schreiben Freitag, den 13. Mai, 8 Uhr. Das Frühstück nehmen wir gemeinsam mit Irene und Harold ein. Ungläubig schauen die in weiße Badetücher gehüllten Kur-Damen zu. Wir sind ihnen zu laut. Warum? Harolds spanischer Freund telefoniert für uns, er ordert bereits heute das Zimmer für Santiago. Man kann ja nicht wissen, ob die dritt-teuerste Stadt Spaniens nicht am Wochenende ausgebucht ist. Heute geht es sich – eigentlich - gut. Waldwege, ruhige Landstraßen, ein kleiner Aufstieg nach Cortinas, ein etwas steiler Abstieg in das Valga-Tal. Auf den weiteren Verlauf, also auf die letzten Kilometer, werde ich später zurückkommen. Schlussendlich werden wir nicht mehr als knapp 20 km gehen. Zeit, kurz die Pausenproblematik zu thematisieren.                        

                                                                                                                            

Die erste Pause gibt es bereits nach einer Stunde. Dort treffen wir die Kanadier und den Spanier. So, und jetzt mache ich einen Fehler, wie immer. Ich animiere Elke zu früh zum Aufbruch. Die anderen bleiben noch sitzen. Ich muss weiter. Warum eigentlich? Ich glaube, ich hab`s schon mal erklärt.


Die zweite Pause legen wir um 11 Uhr ein, ergattern einen Stempel beim Wirt, nicken freundlich den beiden jungen Frauen zu, sie verschmausen doch tatsächlich ein supergroßes Sandwich. Zweiter Fehler: Ich werde ungeduldig, frage Elke: „Biste fertig, wolln wir gehen?“ Und das Ende vom Lied? Ankunft Padron - 13:43h. Viel zu früh. 200 Meter vom Hotel entfernt: Elke insistiert erfolgreich. Das Foto beweist es.

 

Jetzt ist es an der Zeit, die letzten Kilometer zu beschreiben, ich zitiere Raimund Joos` Outdoor: Nach 90 m trifft die Straße dann am Ortsrand von Pontecesures auf eine breite zweispurige Straße…Sie gehen 290 m,… dann 90 m weiter, … hier gehen Sie halblinks und kommen so nach 170 m auf eine Kopfsteinpflasterung,…. stoßen nach 500 m auf eine kleine Teerstraße, die neben dem Fluss Sar verläuft, gehen nach rechts, nach 460 m unterqueren Sie die N 550, und erreichen nach weiteren 480 m schließlich einen großen Platz. Auch hier geht es geradeaus, wo Sie dann nach weiteren 250 m, vorbei an der Cafeteria weitere 250 m gehen…. So, und genau hier pausieren wir, schlürfen eine Cola, für das wir ca. zwanzig Minuten benötigen. Und just während dieser Zeit telefoniert ein Halbwüchsiger - im Beisein seiner Freundin und eines Freundes - die ganze Zeit über. Gut, dass ich nicht des Spanischen mächtig bin. Zurück zur Beschreibung und dem Empfinden, wenn du glaubst, es dauert nicht mehr lange bis zum Ziel. Wer nachgerechnet hat, wird auf über 2,3 km kommen. In brütender Hitze auf einsamen Straßen/Wegen, ohne Baum und Strauch, fast schon eine Zumutung, oder?

 

Ich bewundere Elkes Geduld. Sie hat`s nicht leicht mit mir. Ich verspreche es noch einmal. Nächstes Jahr werde ich konsequent alle zwei Stunden eine Pause einlegen, deren Dauer Elke bestimmen kann.

                                                                                                                                

Die Wallfahrt zum Santiaguino do Monte (Jaköbchen vom Berge) geht über 500 Meter und führt zu der Stelle, wo der der Legende nach der Apostel Jakobus seine erste Predigt auf spanischem Boden gehalten hat. Das Foto zeigt die kleine Jakobsstatue mit Steinkreuz. Wenn man dann noch alle 114 Stufen ohne Pause absolviert, ja, dann kommt man später in den Genuss der Gnade. Unnötig zu erwähnen, dass wir die einzigen Wallfahrer sind, die anderen sitzen in der Allee, wo auch immer, und trinken Bier.


Das wertvollste Stück der Jakobustradition stellt der Pedron dar. Er stand ursprünglich am nahen Flussufer von Ulla und Sar, wo der Legende nach das Boot mit dem Leichnam des Hl. Jakobus festmachte, bevor dieser mit einem Ochsenkarren dann seinen letzten Weg nach Santiago nahm. Dieser Stein befindet sich in der Jakobuskirche (15. Jh.) am Ende der Allee.

 

Wie nicht anders zu erwarten, wir treffen auf viele bekannte Gesichter, kommen mit einer 6er Gruppe Senioren ins Gespräch. Sie wollen weiter, rund 5 km bis zu einem Hotel, um morgen nicht mehr so viel laufen zu müssen. Harold gibt uns einen guten Tipp. Pepes Bar öffnet morgens bereits um sechs. Das ist eine gute Nachricht. Wir alle wollen nämlich früh starten. Immerhin sind es fast 26 Fußkilometer bis Santiago mit mehreren nicht zu verachtenden Steigungen, und die wollen erst einmal überwunden sein.

 

Von einem Frühstück kann man zwar nicht sprechen, gleichwohl, ein heißer Kaffee und ein Stück Kuchen tun es auch. Pepe ist ein Unikum. Seine Bücher sind voll von Pilger- Notizen, die sich lobend über ihn äußern.

 

 

Fotos

Reihe 1: Eine nette vielsprachige Begrüßung.

             Hinweis auf die Geheimnisse von Fatima.

Reihe 2. Friedhof am Weg.

             Nur noch wenige Meter bis zum Ziel; dennoch: die Rast war unbedingt

             nötig. Die Kraftreservieren total ausgeschöpft.

Reihe 3: Kirche von Padron. Der Stein Pedron, an dem der hl. Jakobus anlegte.

             Er hatte Zeit für uns; die anderen Pilger saßen ja alle draußen an der

             Allee.

Reihe 4: Kirche. Translation der Gebeine des hl. Jakobus.

             Die Madonna von Fatima.

Reihe 5: Vor der Kirche.

             Madonnenaltar auf dem Weg zum Santiaguino.

Reihe 6: Zig Treppenstufen zum Heiligtum, der Stelle, wo der Apostel

             seine erste Predigt auf spanischem Boden gehalten haben soll.

             Das Heiligtum Santiaguino.

Reihe 7: Padron. Eine Reminiszenz ans frühere Leben.

Schlussetappe von Patron nach Santiago de Compostala: 25,6 Kilometer

Santiago de Compostela. Pilgergottesdienst. Botafomeiro.

 

Samstag, 14. Mai 2011. Wir treffen auf Peter aus dem Saarland, einem wahren Pilger. Der Countdown beginnt um 6:15 Uhr. Wie (fast) immer mache ich zu Beginn der Tagesetappe ein Foto von Elke - vor dem Hotel. Gerade als wir um 6:40 Uhr Pepes Bar verlassen, gibt’s ein lautes Hallo mit Harold und Irene. Es wird – leider – das letzte sein. Wir werden sie nicht mehr treffen. Schade. Es ist noch dunkel. Die Markierungen sind teils schwierig zu erkennen, einmal müssen wir einen unbeschrankten Bahnübergang queren.

 

John Brierley schreibt: Eine abwechslungsreiche Tageswanderung mit verschiedenen Teilabschnitten auf der N-550, die zunehmend verkehrsreicher wird. Doch finden wir noch immer natürliche Wanderwege durch Eichen-, Pinien- und Eukalyptuswälder. Es gibt noch immer überraschend wenige Cafés oder Geschäfte auf der Strecke. Nur wenige Kilometer sind es durch die Vororte. Elke: „Weißt du eigentlich, wo wir hier rauskommen? (…) Bei unserem „alten“ Hotel von 2006.“ Genauso ist es. Wir sehen plötzlich klarer, alles kommt uns so vertraut vor.

 

Exakt halb eins: Elke und ich stehen vor dem Portal. Fast unwillkürlich kullern die Tränen, wir sind nicht einzigen, denen dieses widerfährt, stumm nimmt Elke mich in den Arm, alles fällt von ihr ab, sie denkt nicht mehr an die Strapazen, an die Unbilden mit mir und meinen Pausen. Ich bin überzeugt, sie ist glücklich – ich auch. Ein unbeschreibliches Gefühl der Freude, der Dankbarkeit, des Gefühls, etwas nicht Alltägliches geleistet zu haben.

 

Elke will unbedingt sofort in die Kathedrale, zum Grab und zur Büste des Apostels. Ihn umarmen. Wir sehen, sprechen mit den Holländern, sie kamen gestern an, ebenso freuen wir uns über die Blicke der beiden Pilger aus Andorra. Ich setze mich durch und so gehen wir zum Pilgerbüro. Ich möchte unbedingt die Compostela haben, die Bescheinigung des gegangenen Weges. Oh, eine lange Schlange ist abzuwarten. Ich vertreibe mir die Zeit und spreche Peter aus dem Saarland an, so stellt er sich vor. Er wird uns gleich motivieren, unsere Reservation zu canceln und stattdessen „seine“ Hospederia San Martin zu wählen. Es soll dort ein phantastisches Frühstück geben – es ist ein ehemaliges Priesterseminar. Er hat Recht. Und überhaupt, seine Geschichten vom Weg, vom Camino Frances, über 800 km, sind phantastisch glaubwürdig, voller wundersamer Begegnungen

 

Ein Bischof aus Benin leitet den sonntäglichen Haupt-Gottesdienst. Es ist gerammelt voll, schon um viertel vor elf für die 12 Uhr Messe, während die 10 Uhr Messe                                                                                                                     

zelebriert wird. Völlig undamenhaft drängeln sich spanische Frauen in die Bänke, junge PilgerInnen nehmen hingegen auf dem kalten Boden Platz oder setzen sich auf ihre Rucksäcke. Klar, dass viel fotografiert wird. Kaum auszumalen, wenn jeder der hier Anwesenden auch daheim in den sonntäglichen Gottesdienst ginge, wie weiland in den 50zigern.                                                                                                                  

 

Nach der spanisch gehaltenen Predigt, wie immer werden dabei die vielen Ländernamen benannt, deren PilgerInnen sich haben registrieren lassen, ergreift der afrikanische Bischof das Wort. Völlig überraschend wendet er sich diesmal in deutscher Sprache an uns. In kurzen, aber eindrücklichen Sätzen geht er auf Jesu-Worte des aktuellen Evangeliums vom 4. Sonntag der Osterzeit ein – Joh 10,1-10: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden. Ergreifend. Das habe es noch nie gegeben, so Herr Koch von der Pilgerbetreuung der Diözese Rottenburg-Stuttgart                             

 

Das Schwenken des Botafumeiros bildet den würdigen Abschluss. Wir erleben es zum zweiten Mal: Imposant.

 

Das anschließende Pilgertreffen hat uns gut getan. Es bestätigt uns in der Annahme, weiter zu machen. Dazu der Erzbischof in seinem Pastoralbrief: Die Jakobuspilgerschaft unternimmt man nicht um einer besonderen Erfahrung willen, sondern um sich auf eine unverhoffte Weise verändern zu lassen, und so mit neuen Einstellungen ins gewohnte Leben zurückzukehren.

                                                                                                                                

Absoluter Höhepunkt ist die Hl. Messe Montagmorgen um halb neun - direkt am Jakobusgrab, extra gelesen für 14 deutschsprachige Pilger von Pater Fidelis Pezzei, einem Ladiner, der in der Oberpfalz wirkt. Ein sehr einfühlsamer Geistlicher. Alles organisiert von der Pilgerseelsorge, ebenso die Pilgerführung vom Vorabend rund um die Kathedrale. Man merkte es Herrn Koch an: er ist von dem, was er uns zur Bedeutung vieler Reliefs oder der Kathedralportale sagte, nicht nur überzeugt, geradezu begeistert.

 

Heil`ger Jakobus, wir rufen heut` an deinen Namen: Sieh her auf alle, die zu diesem Heiligtum kamen. Tritt für uns ein – Gott möge gnädig uns sein. Führ` uns den guten Weg. Amen.“ Text: Wolfgang Schneller, 1987

 

Buen Camino.

E Ultreia! E sus eia! Deus aia nos y Sant`iago.

Weiter! Auf geht`s! Gott steh uns bei und Sankt Jakobus. 

 

Fotos

Reihe 1: 6Uhr37. Morgendliches Frühstück in Pepes Bar, Padron.

             Kirche Santa Maria de Adina und Friedhof in Iria Flavia.

Reihe 2: Geschlossene Kirche.

             Einsam durch die Dörfer.

Reihe 3: 8Uhr53. Der erste richtige Stopp.

             Pilgerwegzeichen.

Reihe 4: 12Uhr40. Vor der Kathedrale in Santiago de Compostela.

             Auch Nonnen pilgern den Camino. 

Reihe 5: Heilige Pilgermesse mit einem afrikanischen Bischof.

             Das Botafumeiro.

Reihe 6: Erfolgreich den Schwung genommen.

             Hochzeitsfeier abends in der Nachbargemeinde.

Reihe 7: Spanisches Brauchtum.

             San Martino.

Reihe 8: Impressionen Hostal.

Reihe 9: Pilger Peter aus dem Saarland.

             Pilgertreffen.

Reihe10:Abschied von Santiago de Compostela.