WEG DES HERMANN KÜNIG VON VACH, 1495      "Die walfahrt und Straß zu sant Jakob" 

Villar de Mazarife. Zwischen Leon und Hospital de Orbigo gelegen. 

Einstimmung

Hermann Künig von Vach (geboren um 1450) war offensichtlich Mitglied des Servitenordens in Vacha an der Werra, nahe Fulda. Er nennt sich dort Terminierer, was Almosensammler bedeutet. Um 1495 verfasst er eine detaillierte Beschreibung des Pilgerwegs nach Compostella.

 

"Ich Hermannus Künig von Vach,

Mit gottes Hulff wil mach

Eyn kleynes Buchelyn

Das sal Sant Jacobs Straß genannt syn."

 

Mit diesen Worten leitet Hermann Künig von Vach sein, wie er es nennt, kleines Büchlein ein. Er beginnt seine Wegaufzeichnungen mit dem schweizerischen Einsiedeln, sodass man vermuten darf, dass er den Weg selbst gegangen ist. Künig von Vach geht auch auf das Hühnermirakel von Santo Domingo de la Calzada ein; vgl. auch Etappe 10 des Reiseberichts.

 

Nach Ingrid Schindler, Brühl gibt es mehrere Frühdruckausgaben des gut 650 Verse langen Reimpaartextes „Die walfahrt und Straß zu sant Jakob.“ Konrad Häbler hat diesen Text erstmalig in 1899 veröffentlicht. Später sind vor allem Prof. Klaus Herbers und Dr. Robert Plötz (1996/2004) zu nennen, die sich an die deutsche Übersetzung heranwagten, ihren Pilgerführer DIE STRASS ZU SANKT JAKOB nannten (Thorbecke Verlag, Ostfildern).

 

Es gibt zudem eine undatierte Straßburger Ausgabe mit dem Titel „Die straß vnd meilen zu sant Jacob vß vnd yn in warheit gantz erfaren findstu in isem buechlin“, sowie eine Druckausgabe mit dem Titel „Die straß zu sant Jacob: in warheyt gantz erfaren“, die 1520 in der Nürnberger Druckerei von Jobst Gutknecht erschienen sein soll.

 

Darüber hinaus ist der verschollen geglaubte Leipziger Druck von 1521 wieder aufgetaucht (Universität Rostock). Er trägt den Titel: Die strasz vnd meylen tzu sant Jacob auß vnd ein in warheyt gantz erfarn findestu in dysem buchleyn.

Reiseweg des Ordensmannes

"Wer nach Santiago geht und nicht zum hl. Erlöser (Salvatorkirche in Oviedo), besucht den Knecht und lässt den Herrn beiseite."

Schlossmuseum Oldenburg. Jacobus als Pilger.

 

Weg des Pilgers. Von Vacha an der Werra nach Einsiedeln (Schweiz). Hier beginnt die sog. "Oberstrasse" des Hermann Künig. Die "Niederstrasse" beschreibt seinen Rückweg; unten mehr.

Ab Einsiedeln schließt sich eine detaillierte Wegbeschreibung an, die unter anderem die Orte Lausanne und Genf, weiterlaufend in Frankreich Chambery, Nimes, Narbonne, Toulouse bis nach Sant Johans erfasst, heute bekannt als St.-Jean-Pied-de-Port.

 

CAMINO FRANCES

Prinzipiell steuerte Hermann Künig von Vach die gleichen spanischen Jakobswegorte an, die wir auch heute noch vom Camino Frances kennen. Interessant ist, dass er von Villafranca del Bierzo einen Schlenker über Lugo gemacht hat, zuvor in Leon den weiten Umweg nach Oviedo empfiehlt; vgl. Überschrift.

  • Rontzefall (Roncesvalles)

  • Pepelonia (Pamplona)

  • Nafern (Navarra)

  • Ponte regina (Puente la Reina)

  • Arcus (Los Arcos)

  • Vianna (Viana)

  • Grüningen (Logrono)

  • Nazareto (Navarete) 

  • Nazera (Najera)

  • Dominicus (Santo Domingo de la Calzada)

  • Graneon (Granon), Redihile (Redecilla del Camino)

  • Dolorosa (Belorado)  
  • Vylfrancken (Villafranca de Montes de Oca)
  • Burgeß (Burgos)

  • Sant Thonges-Kirche (Klosterruine San Anton)

  • Fritz (Castrojeriz) 

  • Garrion (Carrion de los Condes) 

  • Saguna (Sahagun)

  • Mansilo (Mansilla de las Mulas)

  • Leoeyn (Leon); in Leon empfiehlt der Protagonist das Spital Sant Thonges (Sankt Antonius), wo der Weg nach Santiago sich teile:

  • rechts nach Sant Saluator (zur Kathedrale Sankt Salvator *) in Oviedo, Ausgang des heutigen Camino Primitivo)

  • oder Richtung Storgeß (Astorga) über drei Brücken

  • Rabanel (Rabanal del Camino)

  • Bonforat (Ponferrada)

  • Kakafeloß (Cacabelos)

  • Willefrancken (Villafranca del Bierzo)

  • Lucas (Lugo)

  • Compostell - Santiago de Compostela.

*) Hermann Künig von Vach: "Wer nach Santiago geht und nicht zum heiligen Erlöser (Hinweis: Kathedrale Sankt Salvador in Oviedo), besucht den Knecht und lässt den Herrn beiseite."

Zurück führte Hermann Künigs Weg, wir sprechen von der sog. "Niederstrasse", über Burgos, gen Norden Richtung Vitoria, Tolosa, Bayonne, Bordeaux,  Poitiers, Tours, Orleans, Paris, Amiens, Arras, Brüssel nach Aachen.  Quelle: Klaus Herbers und Robert Plötz, Pilgerführer DIE STRASS ZU SANKT JAKOB, 1996/2004, Thorbecke Verlag, Ostfildern.

Zum Pilgerführer

Jakobusfigur in einer deutschen Kirche. 

Hermann Künig von Vach wählte die direkte Ansprache, das "Du sollst". Er richtete seinen Führer besonders an die einfachen, nicht adligen, Pilger. Die Resonanz muss groß gewesen sein, man vermutet bis zu 800 Ex. der einzelnen Drucke. Er beschreibt Wegegabelungen, Berge, Brücken, Fähren, Schlösser, geht vor allem auf Herbergen ein, die dem Pilger helfen, sich mit Proviant zu versorgen, warnt vor habgierigen Wirten, gibt Empfehlungen, wo man am besten Geld umtauschen kann. Sein Schwergewicht legte von Vach auf die Erwähnung der Antonitermönche (sant tonges); vgl. dazu unsere 16. Etappe von Hornillos del Camino nach Castrojeriz, wo wir in San Anton auf die Hilfsbereitschaft der französischen Mönche eingegangen sind. Sie hatten sich damals (12. Jh.) besonders um jene Pilger gekümmert, die am Antoniusfeuer litten. 

Das Versorgungsnetz wird im 15. Jahrhundert gut gewesen sein, will man dem Protagonisten folgen. Nachfolgend einige Beispiele seiner Beschreibungen mit den heutigen Ortsnamen: In Roncesvalles geht er auf das Kloster, in Pamplona auf mehrere Spitäler ein, die den Pilgern wohlgesonnen seien; Los Arcos benennt er als Judenstadt, ab Logrono solle sich der Pilger auf eine neue Währung einstellen, in Najera gäbe man gern Almosen um Gottes Willen, ausgenommen aber im Spital des hl. Jakobus, da tue die Spitalfrau den Pilgern viele Gemeinheiten an. Das Hühnerwunder von Santo Domingo de la Calzada ist ihm sehr präsent und erachtet es als glaubwürdig. Auch so kleine Ortschaften wie Granon, Redecilla del Camino und Cacabelos werden erwähnt, spricht von einer ansehnlichen Brücke in Carrion de los Condes. Gute Betten und Almosen sind ihm offenbar das wichtigste. Interessant auch, dass er in Burgos die Säule erwähnt, an der gemäß dem mittelalterlichen Lied "Wer das elent bawen wel"1 ein Spitalmeister erschossen worden sei, weil selbiger 350 Brüder vergiftet habe. Während Sahagun schlechtes Wasser habe, spricht er positiv von Mansilla de las Mulas. Um Astorga zu erreichen, müssten drei Brücken überquert werden, um dann ein großes, steinernes Kreuz zu sehen (ich meine, er spricht vom Cruzero de San Toribo hinter Hospital de Orbigo; unsere 24. Etappe). Dann wieder warnt Hermann vor dem Genuß einer sprudelnden Quelle in Villafranca del Bierzo, erwähnt zuvor die stattliche Burg von Ponferrada.  Von der Besteigung des O Cebreiro-Passes rät er ab, empfiehlt einen Umweg. Nach Lugo, einem Schlenker abseits des Camino, geht Hermann noch einmal auf ein Spital ein, das nichts wert sei, um dann endlich nach Santiago zu gelangen. Zuvor beschreibt er noch den damals schon geübten Brauch, am Cruz de Ferro zustehen, auf dem ein Haufen Stein läge. Offensichtlich war ihm bewusst, dass nicht alle Pilger es damals geschafft haben, Santiago zu erreichen. Er beschreibt es in etwa so: Nach neun Meilen kommst du dann zu Sankt Jakob, wenn es dir vergönnt ist. Darauf freuen sich viele Reisegefährten. Im Gegensatz zum Codex Calixtinus geht der Verfasser offensichtlich nicht speziell auf Stadt und Kathedrale von Santiago de Compostella ein. Bereits wenige Verse später beschreibt er den Rückweg über Burgos. Quelle: Klaus Herbers und Robert Plötz, Pilgerführer DIE STRASS ZU SANKT JAKOB, 1996/2004, Thorbecke Verlag, Ostfildern.

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1Wer das elent bawen wel, 13. Jh., Strophe 14: Es war dem spitalmeister nit eben fierd halbhundert bruedern hat er vergeben (vergiftet), Got lass nit ungerochen! Zu Burges (Burgos) wart er an eyn kreutz geheft, mit scharfen pfeilen durchstochen.