SCHUTZPATRONE DER PILGER

Burgos. Kathedrale Santa Maria. Vierungsturm mit Haube. Erbaut von Juan de Vallejo 1539 - 1568. König Philipp II. sprach von einem Engelswerk. Der Blick nach oben offenbart die beeindruckende Schönheit des Sterngewölbes, das als Symbol für das Himmlische Jerusalem steht. 1

Einstimmung

Neben dem heiligen Jakobus sind eine Reihe weiterer Heiliger zu nennen, die als Schutzpatrone der Pilger verehrt werden/wurden, vorzugsweise im Mittelalter. Zum Beispiel: die Heiligen Alexius, Birgitta von Schweden, Christopherus, Gertrud von Nivelles, Jodokus, Koleman, Nikolaus, Sebaldus, und last but not least die Weisen aus dem Morgenland, besser als die Heiligen Drei Könige bekannt.

 

Damit wird deutlich, dass es schon vor dem 9. Jahrhundert, also vor der Entdeckung des Jakobus-Grabes, eine rege Pilgerschaft katholischer Christen gab. Man besuchte nicht nur die vielen heimischen Wallfahrtsorte, nein, man nahm schon damals alle Zeit und Mühen auf sich und strebte nach Rom zu den Gräbern der Apostelfürsten Petrus und Paulus und zum Heiligen Grab resp. zur Auferstehungskirche Jesu Christi nach Jerusalem.  

 

Hl. Jakobus

hebräisch-lateinisch: der Nachgeborene oder Gott schützt. Jakobus` Evangelisierungsversuche auf spanischem Boden sind offensichtlich nicht sehr erfolgreich gewesen. So kehrte er rasch nach Jerusalem zurück. Als erster Apostel erlitt er um 43 nach Christus das Martyrium. Herodes Agrippa I. ließ ihn enthaupten, vgl. Apg 12,1-2. Jakobus zählte zusammen mit seinem Bruder Johannes und Simon Petrus zu den erstberufenen Lieblingsjüngern Jesu. Jesus nannte die beiden Zebedäussöhne wegen ihres ungestümen Charakters Boanerges, Donnersöhne (Mk 3, 17). Ihre Mutter trug den schönen Namen Salome. Jakobus war Zeuge der Verklärung Jesu und auch dessen Gebets am Ölberg im Garten Getsemani (Mk 14,33).

Obwohl sein enthaupteter Leib nicht begraben werden durfte, konnte der Legende zufolge sein Leichnam gerettet werden. Engel führten ihn zurück übers Meer nach Spanien ins römisch-galizische Iria Flavia, heute Padron, bis er schließlich seinen letzten Weg in einem Ochsenkarren zum Ort des heutigen Santiago nahm.

 

Sein Grab—Friedhof—Compostum—Compostela—geriet dann jahrhundertelang in Vergessenheit, bis Pelagius, ein Eremit der Halbinsel, man vermutet zwischen 818 bis 834 Bischof Theodemir von seiner Lichterscheinung erzählte. König Alfons II. (791-842) ließ sogleich dort eine Kirche erbauen. Immer wenn der 25. Juli auf einen Sonntag fällt, wird das Heilige Compostelanische Jahr ausgerufen und das Heilige Tor für einige Monate geöffnet.

Hl. Nikolaus von Myra, 3./4. Jh.

griechisch: der Sieger über das / aus dem Volk. Patron der Pilger. Geboren um 280 in Patara (Türkei), gestorben zwischen A. D. 345 und 351 in Myra (ebenfalls Türkei). Gedenktag: 6. Dezember. Mit 19 Jahren bereits von seinem Onkel und Bischof zum Priester geweiht. Verteilte nach dem Tod seiner Eltern (Pest) das Vermögen an Arme, bewahrte somit junge Frauen vor dem Zwang zur Prostitution. Pilgerte nach dem Tod seines Onkels ins Heilige Land. Nach seiner Rückkehr wurde er in Myra zum Bischof gewählt. Nahm A. D. 325 an 1. Konzil von Nicäa teil. Bekämpfte den Arianismus (Arius bestritt Christi Wesensgleichheit mit Gottvater).

Hl. Alexius von Edessa, 5. Jh.

griechisch: der Wehrmann; lateinische Form von Alexander. Einsiedler, Patron der Pilger und Vagabunden. Gestorben um 430 in Edessa. Gedenktag: 17. Juli. Lebte 17 Jahre als Bettler vor einer Kirche. Floh nach Rom, wo sein Vater (ein römischer Senator) den als Pilger Bettelnden nicht erkannte. Seine Verehrung erlangte ihren Höhepunkt im Spätmittelalter und Barock. Eine im 17. Jh. komponierte Oper über den hl. Alexius wurde 1977 bei den Salzburger Festspielen wieder aufgeführt

 

Hl. Jodokus, 7. Jh.

keltisch: der Kämpfer. Gedenktag: 13. Dezember. Geboren um 600 in der Bretagne, gestorben 669 als Einsiedler beim heutigen St-Josse-sur-Mer. Wallfahrte um 665 n. Chr. nach Rom. Jodokus galt im Mittelalter neben Jakobus als der Patron der Pilger schlechthin. Zusammen mit Jakobus wurde er in zahlreichen Wallfahrtsorten verehrt. Viele Kirchen und Kapellen entlang der Pilgerwege tragen seinen Namen.  Er wird häufig mit Stab, Rosenkranz und Muschel dargestellt. 

Es hieß damals: „Wem Sant Jago (Santiago de Compostela) zu weit ist, der geht nach Saint Josse.“ 

Hl. Gertrud von Nivelles, 7. Jh.

althochdeutsch: die Speerstarke. Patronin der Pilger und der Handwerks-burschen. Geboren um 625, gest. 17.03. 659 in Nivelles in Belgien. Tochter von Pippin dem Älteren (Hausmeier unter drei Merowinger-Königen, durch seine Tochter Begga Vorfahre der Karolinger).

Gertrud wurde Äbtissin des Klosters von Nivelles, das zuvor von ihrer Mutter Iduberga gestiftet worden war. Sie gilkt als excellente Kennerin der Heiligen Schrift (Bibel), und: man beachte, sie bemühte sich um die Bildung der weiblichen Jugend. Überdies unterstützte sie Notleidende, Witwen, Pilger und Gefangene und insbesondere Kranke. Nicht umsonst wurden viele Hospitäler nach ihr benannt. Gegen sich selbst war sie sehr streng; starb infolgedessen bereits mit 33 Jahren. Im 14./15. Jh. war sie in Norddeutschland und Skandinavien eine der beliebtesten Heiligen.

Hl. Koloman, 11. Jh.

keltisch: schlanker Stein. Geboren in Irland, gestorben am 17. Juli 1012 als Märtyrer in Stockerau bei Wien. Pilgerte Anno Domini 1012 ins Heilige Land. Seine Attribute: Pilgerflasche, Strick, Spießspitze, Zange, Rute.

Hl. Sebaldus von Nürnberg, 11 Jh.

althochdeutsch: der kühne Sieger. Gestorben am 19. August 1072. Studierte in Paris die s. Zt. üblichen Wissenschaften, pilgerte barfuß nach Rom, bevorzugte später das Leben als Einsiedler.

 

Hl. Birgitta von Schweden, 14. Jh.

keltisch: die Erhabene. Ordensstifterin, Mystikern, Schutzpatronin Europas und der Pilger. Geboren um 1303 bei Uppsala in Schweden, gestorben am 23. Juli 1373 in Rom im Anschluss an ihrer Pilgerreise nach Jerusalem. Nachdem ihr Mann auf der Wallfahrt nach Santiago de Compostela erkrankt und 1344 gestorben war, gründete sie 1349 den Erlöserorden. Im selben Jahr übersiedelte sie mit ihrer Tochter, der heiligen Katharina von Schweden, Birgitta selbst schenkte acht Kindern das Leben, nach Rom. Die Kirche unter Papst Urban V. erkannte erst 1370 den Orden an.

Birgittas Visionen hatten politische Bedeutung und wirkten gegen den kirchlichen Verfall jener Zeit. Ihre Gebete 'Fünfzehn Gebete der hl. Birgitta' und die 'Sieben Vaterunser' werden bis heute von vielen Gläubigen geschätzt.

Gleich der Kirchenlehrerin Katharina von Siena hatte sie großen Einfluss auf die Päpste ihrer Zeit. Sie bedeutet für Schweden so viel wie Jeanne d`Arc für Frankreich.  

Hl. Benedikt Joseph Labre, 18. Jh.

PATRON DER PILGER - GOTTES VAGABUND

Er lebte nur 35 Jahre. Er starb in der Karwoche am 16. April 1783 in Rom. Über 30.000 Straßenkilometer soll er gewandert, gepilgert sein: in Italien, in der Schweiz, nach Deutschland, Frankreich und Spanien, in der Schweiz. Überall besuchte er die wichtigsten Stätten des Christentums. Ob Benedikt Joseph Labre in Santiago de Compostela war?  

Sein Kloster war die Straße, als Bettler. Mehr über diesen bemerkenswerten Heiligen via www.heiligenlexikon.de - oder LÓsservatore Romano vom 26.08.2016.

1) Das Himmlische Jerusalem, das Neue Jerusalem: Beeindruckend beschrieben vom Evangelisten Johannes in der Apokalypse - Offenbarung 21,1. Alle Menschen werden ihre vergeistigten Leiber zurückerhalten. Paulus wie Jesaja gehen in ihren Verheißungen darauf ein; vgl. dazu Website von kathpedia.com: www.kathpedia.com/index.php?title=Himmlisches_Jerusalem.

 

ZU DEN SYMBOLEN

Der katholische Autor Peter Seewald, er hat einen besonderen Draht zu Joseph Kardinal Ratzinger resp. Papst Benedikt XVI., geht in seiner Jesus Christus-Biografie, erschienen 2009 im Pattloch Verlag München, besonders auf die Zahlenmystik dieses letzten Abschnitts der Bibel ein und verweist darauf, dass die 12 die Zahl der Vollkommenheit (zwölf Söhne des Erzvaters Jakobs, zwölf Stämme Israels, zwölf Apostel : „(…) beim großen Finale den Endzweck der Mission Christi: den Einzug in die himmlische Stadt. Denn dieses neue Jerusalem ist folgerichtig auf zwölf Fundamenten gebaut, von zwölf Toren umgeben, die auf zwölf Edelsteinen ruhen, aus zwölf Perlen bestehen und von zwölf Engeln bewacht werden.“

 

Der mittelalterliche Pilger verstand die Symbolik des Sternengewölbes dieser beeindruckend schönen Kathedrale von Burgos richtig zu lesen. Verstehen wir sie heute auch?