DEUTSCHSPRACHIGE PILGER IM MITTELALTER

Pilgerwegzeichen irgendwo am Caminho Portugues. 

Einführung

Dass an dieser Stelle prinzipiell nur Adlige, Kleriker, Ärzte und Kaufleute genannt sind, bedeutet nicht, dass nicht auch andere Bevölkerungskreise, also, wie wir heute sagen würden, Otto Normalbürger nach Compostela gepilgert sind. Jedoch spricht einiges für die These, dass zumindest anfangs vor allem die Begüterten die Reise wagten; wie man annehmen darf, zumeist mit dem Pferd. Auf heute bezogen: mit dem Auto, mit dem Fahrrad.

 

Interessant ist, dass es schon im 11. Jahrhundert (emanzipierte) Frauen gab, die sich mit Gefolge auf den Jakobusweg begaben.

Gerd der Mutige pilgert im 15. Jh. nach Santiago. Jacobusbruderschaft in Oldenburg.

Oldenburg. Schlossmuseum. Heiliger Jakobus d. Ä. auf einer Muschel, 1. Hälfte 16. Jhd.

 

Das Landesmuseum "Schloss" in Oldenburg (nordwestlich Bremens) nimmt sich des Themas Pilgern wie folgt an. So heißt es dort: "(...) Für ihr Seelenheil stifteten sie an die Kirche, aber auch an Arme und Kranke oder unternahmen Wallfahrten und Pilgerreisen. Innerhalb der Grafschaft übten die Wallfahrtskirchen in Schönemoor, Wardenburg und St. Joost starke Anziehungskraft aus. Von größere Bedeutung waren freilich die Pilgerstätten in Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela. Chroniken belegen, dass auch Oldenburger Christen diese gefährlichen und kräftezehrenden Wallfahrten auf sich nahmen. So pilgerte Gerd der Mutige (1430 - 1500) am Ende seines Lebens zum Grab des Heiligen Jacobus nach Santiago de Compostela.

 

Der um 1500 in Oldenburg gegründeten Jacobusbruderschaft gehörten u.a. diejenigen an, die glücklich aus dem fernen Galicien zurückgekehrt waren. Als Beweis für ihre erfolgreiche Pilgerfahrt brachten sie die sogenannte Jacobsmuschel mit in den Norden."

Eine Auswahl deutschsprachiger Pilger 

Mittelalterlicher Pilger. Gemeinfreies Foto.

 

Die nachfolgend genannten deutschsprachigen Pilger habe ich den Büchern entnommen: Deutsche Jakobspilger und ihre Berichte; Hrsg. Klaus Herbers, 1988, Gunter Narr Verlag, Tübigen und Die große Wallfahrt des Mittelalters von Vera und Hellmut Hell, mit der Einführung von Prof. Hermann J. Hüffer, 1964/3. Auflage 1979.

  • Die ersten deutschen Pilger aus Friesland reisten bereits Anno Domini 850 nach Compostell, wie die Stadt damals hieß.

  • Abt Werinhar war der erste fränkische Pilger. Er weihte in seiner Amtszeit (968-982) in Großburschla an der Werra die Kirchedie ecclesia sancti Jacobi.

  • Gräfin Richardis von Sponheim, offenbar eine bedeutende Frau, führte ihre Reisegruppe im 11. Jahrhundert nach Galicien an

  • Graf Eberhard V. von Nellenburg, Stifter des Allerheiligstenklosters in Schaffhausen (gest. 1080), folgte ihr zusammen mit seiner Ehefrau Ita in den Siebzigern des gleichen Jahrhunderts;

  • Siegfried von Eppstein, Erzbischof von Mainz, früherer Abt von Fulda von 1058-1060, weilte in 1072 in Compostela. 

  • Graf Balduin VII. von Flandern mit kleinem Hofstaat, kurz darauf.

  • Abt Ruthard von Fulda in 1076/77. Er ließ sich und seine Klostergemeinschaft in die Gebetsbruderschaft des Domkapitels zu Compostela aufnehmen.

  • Der heilige Wilhelm von Vercelli. Ein Italiener, geb. um 1085, gestorben am 25. Juni 1142. Sofort nach dem Tod seiner Eltern pilgerte er nach Santiago. Von seinem Vorhaben, auch ins Heilige Land zu pilgern, riet man ihm ab. Er folgte Johannes von Matera und wurde Anno Domini 1114 Einsiedler auf dem Monte Vergine bei Avellino.  

  • Der heilige Theobald Provins;

  • die selige Paulina von Thüringen– beide im 11. Jahrhundert.

  • Graf Friedrich von Pfirt, der nach seiner Rückkehr 1144 das Frauenkloster Feldbach gründete und die Kirche dem St. Jakob weihen ließ.

  • Deutsche Kreuzritter, 1147 von Köln aus über Santiago nach Lissabon.

  • 1162 Graf Eberhard von Altena.

  • Der berühmte Erzbischof Konrad von Mainz und Graf von Wittelsbach in den Jahren 1164/65.

  • Bischof Anno von Minden – 1174/75.

  • Herzog Heinrich der Löwe, Gründer Münchens und Lübecks, nach seiner Absetzung durch Friedrich Barbaross - 1182.

  • Heinrich vom Cromberg, Abt von Fulda – 1190.

  • 1197 ein weiterer Abt aus Fulda mit Namen Heinrich von Kronberg. Auf dem Weg nach Compostell ließ er sich im burgundischen Cluny (Frankreich) in die Bruderschaft des Klosters aufnehmen.

  • Gräfin Sofia von Holland - 12. Jahrhundert.

  • Ein Pilgerzug aus dem Rheingau - 1203.

  • Wilhelm von Englisberg/Schweiz – 1250.

  • H. Walliseller aus Zürich – 1279.

  • Lübecker Bürger in den Jahren 1305 bis 1363 (23 Fahrten).

  • 1369 gelobte der Magistrat von Bremen in schwerer Zeit, jährlich einen Pilger zum heiligen Jakob zu entsenden.

  • Von Hamburg aus lief im gleichen Zeitraum Jahr für Jahr im März ein Pilgerschiff nach Compostela mit bis zu 200 Personen aus.

  • 1402 unternahm der Hamburger Ratsherr Klaus Schocke auf Kosten seiner Stadt eine Dankwallfahrt. Unter seiner Führung war der Seeräuber Klaus Störtebecker zuvor besiegt worden.

  • Nicolaus Rummel aus Nürnberg – 1408/1409.

  • Peter Rieter, Patrizier aus Nürnberg mit Gefolge auf dem Pferd – 1428.

  • Sebald Rieter (Sohn von Peter Rieter) und Schwager Axel von Lichtenstein – Anno Domini 1462.

  • Wilhelm von Reval (Baltikum) – 1429.

  • Herzog Johann von Kleve – 1438.

  • Georg von Ehingen, Schwaben – 15. Jahrhundert.

  • Sebastinan Ilsung, Augsburg – 1446. Er verfasste einen Reisebericht.

  • Leo von Rozmithal, böhmischer Edelmann – 1465–1467.

  • Hiernonymus Münzer mit Freunden, Arzt aus Nürnberg – 1495-1496.

  • Gerd der Mutige aus Oldenburg (1430-1500) pilgerte am Ende seines Lebens zum Grab des Heiligen Jacobus;

  • und viele weitere folgten.