LourdesDie Grotte von Massabielle. Januar 2010, Herbst 2014, Mai 2018.

Neben dem mexikanischen Guadeloupe (seit 1531) und Fatima (1917) ist Lourdes (seit 1858) der bekannteste Marien-Wallfahrtsort weltweit.

LOURDES

Einstimmung                                                          Die Geschichte der Bernadette von Lourdes

Marienstatue vor der Kathedrale.

 

Am 11. Februar 1858 geht die 14jährige Bernadette Soubirous mit ihrer Schwester und einer Freundin zum Holzsammeln, die Familie ist ausgesprochen arm, in das Innere einer Grotte des Felsen Massabielle, wo der Mühlbach in den Gave de Pau mündet. Während sie den dort liegenden Haufen dürres Holz bergen will, nimmt sie einen Windstoß wahr und sieht eine „weiß gekleidete Dame." Sie greift zu ihrem Rosenkranz. Die Erscheinung, die weiß gekleidete Dame, bekreuzigt sich. Tage später bittet die Dame Bernadette im heimischen Dialekt: „Hättet Ihr die Güte, zwei Wochen lang hierher zu kommen (… ) Ich verspreche Euch das Glück, nicht in dieser, sondern in der anderen Welt.“

Die Dame von Lourdes - Die Gottesmutter

Opferkerzen am Rande der Grotte.

 

Am 23. Februar 1858 sagt die Dame zu Bernadette: „Buße, Buße, Buße (…) Betet zu Gott für die Bekehrung der Sünder.“

 

Die Öffentlichkeit hat mittlerweile Wind davon bekommen. Bernadette wird u.a. seitens des Polizeikommissars einem strengen Verhör unterzogen: Man will nicht glauben, was in einem laizistisch geprägten, aufgeklärten Frankreich nicht sein darf. So muss sie auch vor einer bischöflichen Untersuchungskommission Rede und Antwort stehen.

 

Insgesamt 18 Erscheinungen hat Bernadette. Bis zu 8.000 Menschen folgen ihr beim vorletzten Mal. Die öffentliche Ordnung scheint gefährdet. Abt Peyramale, der örtliche Pfarrer, fordert Beweise, den Namen der Frau, die Bernadette übrigens nie explizit als Jungfrau Maria bezeichnet hat.  

 

Am 25. März 1858 endlich gibt sich die Dame zu erkennen: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis!“ Wie kann dieses ungebildete junge Mädchen von dem vier Jahre zuvor von Papst Pius IX. verkündeten Dogma wissen? Der Pfarrer informiert den Bischof in Tarbes. So nimmt alles seinen Lauf. Die von der Dame am 2. März erbetene Kapelle wird gebaut, die Prozessionen nehmen zu.

 

Am 7. April 1858 erscheint ihr die Jungfrau, die Gottesmutter zum 17. Mal. Bernadette bemerkt nicht, dass ihr während der Erscheinung die Flamme ihrer Kerze fast zehn Minuten lang an ihren Fingern emporzüngelt. Der ebenfalls anwesende Arzt Dozous, ungläubig, stellt keinerlei Brandwunden fest. Er gehört zu den Ersten, die in Lourdes bekehrt wurden.  

 

Die Botschaft der Heiligen Jungfrau:

"Armut, Gebet und Buße sind die Schlüssel, die das Reich Gottes öffnen." 

Wundersame Heilungen

Basilika Heiliger Pius X. Glasfenster.

 

Wundersame Heilungen von Lourdes.

Durch die Berührung des von der Bernadette in den Tagen zuvor aufgewühlten Loches mit sprudelndem Quellwasser wurden drei Bewohner des Ortes plötzlich von ihren Krankheiten geheilt. Am 16. Juli hatte sie dann ihre letzte Begegnung mit der Jungfrau Maria.

 

Um sie vor den Neugierigen zu schützen, betrieb der Abt ihre Aufnahme in ein Kloster, wo sie allerdings zunächst nicht sehr pfleglich behandelt wurde. Die "Bernadette-Filme" gehen hierauf im Detail ein. Im Jahre 1933 wird Bernadette von Papst Pius XI. heiliggesprochen, nachdem bei drei Exhumierungen die äußere wie innere Unversehrtheit ihres Leichnams festgestellt worden war. Sie starb am 16. April 1879 im Kloster von Nevers.

   

GRACIA PATRIZIA UND DAS WUNDER VON LOURDES 

Die Zeitschrift "FATIMA RUFT", Ausgabe Nr. 228 - 01.2015 berichtet auf Seite 3 vom Lourdes-Erlebnis der Fürstin von Monaco aus dem Jahre 1961, besser bekannt unter den Namen Grace Kelly resp.  Gracia Patricia. Anna Spainani, eine 18-jährige junge Frau, verunglückte im Sommer 1960. Während ihr Bräutigam den Unfall nicht überlebte, wird sie abseits der Hüften gelähmt. Sie lernt die Fürstin bei einem Gottesdienst in Monte Carlo kennen. Gracia Patricia bezahlt ihr in Folge die Reise nach Lourdes. Nur wenige Tage nach der Ankunft im Wallfahrtsort lernt die junge Frau am 2. Juli 1961 wieder gehen, ganz allein. 

 

DAS WASSER VON MASSABIELLE

Ich gehe einmal davon aus, dass auch die junge Italienerin im Wasser von Massabielle gebadet hat, d.h. eingetaucht worden ist. Wasser, das keinerlei besondere Qualität aufweist, das keinerlei Heilwirkung aufweist: schlichtweg normales Trinkwasser. Es scheint so, dass nur der pure Glaube hilft. Bischof Ambroisus von Mailand (340-397) drückte es quasi im Vorgriff wie folgt aus; er bezog sich weiland auf eine Perikope des Alten Testaments (2. Buch der Könige 5,1-15a), in welchem der Feldherr Naamann am Wort des Propheten Elischas gezweifelt hatte, sich sieben Mal im Jordan zu waschen.

 

Ambrosisus: "(..)Wasser nur sehe ich, wie ich es alle Tage gesehen: das soll mich reinigen? So oft stieg ich hinein und nie ward ich rein? Lerne daraus, dass das Wasser ohne den Geist nicht reinigt! Eben darum hast du gelesen, dass die drei Zeugen bei der Taufe eins sind: Wasser, Blut und Geist (1 Joh 5,8); denn wenn du sie auf einen derselben einschränkst, besteht das Sakrament der Taufe nicht zu recht. Was ist denn das Wasser ohne das Kreuz Christi? Ein gewöhnliches Element ohne irgendwelche sakramentale Wirkung. Und umgekehrt: ohne Wasser kein Geheimnis der Wiedergeburt; denn „wer nicht wiedergeboren ist aus dem Wasser und dem Geiste, kann in das Reich Gottes nicht eingehen“ (Joh 3,5). (...)

 

ANERKENNUNGSVERFAHREN DER WUNDER

Insgesamt hat die Kirche bis heute (Stand: 2017) lediglich 69 (neunundsechzig)Heilungen als Wunder anerkannt - innerhalb eines Zeitraums von 150 Jahren. Wunder würden Gewissheiten erschüttern und diejenigen bestätigen, die bereits glauben - Bischof Nicolas Brouwet von Tarbes und Lourdesin dem Interview mit der "Tagespost" (Ausgabe 01.02.18).

 

Das Anerkennungsverfahren ist ausgesprochen langwierig und obliegt nicht nur der Kirche. Zunächst wird neben dem Ortsbischof der Leiter des Ärztebüros (2.700 Ärzte haben sich in 2017 registriert) involviert, sodann die Mediziner der Internationalen Ärztevereinigung von Lourdes eingeschaltet; ebenso externe Ärzte sowie Gutachten des Internationen Ärztekomitees von Lourdes berücksichtigt. Bevor die Kirche das Wunder dann (endlich) anerkennt, wird noch einmal das diözesane Ärztekomitee und eine Diözesankommission vorgeschaltet.

Außenstehende Mediziner betrachten dieses Verfahren gleichwohl als pseudowissenschaftlich; ausführlich dokumentierte Untersuchungen interessieren sie nicht.

Lourdes - Hauptstadt des Gebets                       Zeugen unentgeltlicher Liebe

Heute wird Lourdes nicht von ungefähr als die Hauptstadt des Gebets bezeichnet. Um die fünf Millionen pilgern jährlich zum Ort des Geschehens, zur Grotte Massabielle. Jedes Jahr baden an die 400.000 Pilger im Wasser von Massabielle. Über 7000 unerklärliche Heilungen wurden gezählt, davon aber nur knapp 70 von den Kirchenbehörden als Wunderheilungen anerkannt. Papst Johannes Paul II. pilgerte zweimal nach Lourdes, 1983 und 2004. Benedikt XVI. einige Jahre später. Elke und ich besuchten Lourdes das erste Mal im Januar 2010, meiner Mutter des Jahres 1961 folgend. Kein Massenandrang, alles überschaubar. Unter den Gläubigen einige junge Familien mit Kerzen auf dem Weg zum Sanctuarium, den heiligen Stätten.

 

Das war aber, wie wir heute wissen, nicht das wirkliche Lourdes. Das wirkliche Lourdes muss man in der Saison von Mai bis Oktober erlebt haben, wie wir in 2014 und 2018. Ein Ort der Hilfsbereitschaft: einzigartig, unerreicht. Jedes Jahr opfern rund 70.000 Menschen ihren Urlaub für den Dienst an den Kranken. Ohne diese "Zeugen unentgeltlicher Liebe", wie Johannes Paul II. sie nannte, würde Lourdes sein wahres Gesicht verlieren. Die in den Diözesanhelferschaften organisierten HelferInnen kümmern sich um die Kranken von ihrer Ankunft bis zu ihrer Abreise: Hilfe beimEin- und Aussteigen, Transport zu den heiligen Stätten, bei ihrem Gang zu den Bädern (hier werden die Kranken und Glaubenden im Wasser von Massabielle eingetaucht); kurzum: Pflege, Betreuung...

 

Dazu der einladende Kreuzweg, inne zu halten an fünfzehn Stationen, zu beten und zu meditieren und abends um 21.00h die beeindruckende Marienprozession vieler Tausend Gläubiger aller Nationen, die gemeinsam den Rosenkranz beten,  auch in Deutsch, Holländisch und Englisch. In 2018 konnten wir gleichermaßen  nachmittags an der Eucharistischen Prozession nur für die Kranken und Behinderten teilnehmen. Text dazu unten. 

Lourdes im Mai 2018. Malteser.

Eucharistische Prozession für die Kranken.

Hunderte ehrenamtliche Malteser im Einsatz - nur für und mit den Behinderten und Kranken; begleitet von zig Diakonen, Priestern, Mönchen, Bischöfen und Kardinälen (einige von ihnen selbst im Rollstuhl). Eindrucksvoller kann katholisch geprägte Caritas nicht sein. Beeindruckend, wenn man neben sich auf der Treppe zur Basilika eine Mutter mittleren Alters stehen sieht, wie sie lachend mit dem Taschentuch ihrem behinderten Kind zuwinkt, das sie irgendwie irgendwo unten im Pulk der Prozessionsteilnehmer ausfindig gemacht hat.

Zum Schluss der Prozession trägt ein Geistlicher die eucharistische Monstranz - überdacht vom Baldachin. Die Monstranz zeigt uns den Leib des Herrn in der Gestalt einer Hostie. Stichworte Realpräsenz und Transubstantiation (bitte scrollen). Immer wieder (von 16.-17:30h) wird begleitend unter anderem das Ave Maria gesungen, zumeist in Latein, Französisch, Italienisch und Englisch - ein Chor gab den Takt und die Melodie vor.

Mirat - Namensgeber von Lourdes

Verschachteles Lourdes. Auf dem Weg zu einem der Gedenkstätten. 

  

Lourdes liegt am Fuße der Pyrenäen.  Von hier starten heute zumeist katholische Jakobswegpilger den Camino de Santiago. Entweder via Oloron-Ste-Marie zum 140 km entfernt gelegenen Somport-Pass oder Richtung Saint-Jean-Pied-de-Port.

 

Die Namensgebung der Stadt hingegen geht auf einen Moslem zurück. Auf Mirat, dem Anführer der muslimischen Sarazenen. Er ließ sich Anno Domini 778 im Zuge der Schlacht mit Karl dem Großen auf den Namen Lorus taufen. Mirat hatte sich in der dortigen Festung verschanzt. Seine List, König Karl genügend Lebensmittelvorräte vorzugaukeln, war an sich schon aufgegangen, sodass dieser die Belagerung schon aufheben wollte. Einer Eingebung des Bischofs zufolge sollte sich Mirat dann aber nicht mehr dem Kaiser sondern der Königin des Himmelreichs ergeben. Dieser Vorschlag gefiel dem Sarazenen, und es kam zu besagter Taufe.