EUNATE - EIN KLEINOD

Santa Maria de Eunate. Ermita de Nuestra Senora de Eunate.

Einführung

Das kleine Gotteshaus Santa Maria de Eunate, nur wenige Kilometer vom Knotenpunkt Puente la Reina entfernt, kann mit Fug und Recht als eines der Highlights des Camino de Santiago bezeichnet werden, des Camino Aragones sowieso. Was macht Eunate so interessant? Es gibt mehrere Antworten. Jede Theorie ist für sich plausibel.

Grabeskapelle oder Templerkirche?

Santa Maria de Eunate.

 

Wie so viele Gotteshäuser am Camino de Santiago ist die Wallfahrtskirche im 12. Jahrhundert erbaut worden, zur Ehre Gottes und Jesu Mutter, der seligen Maria. Sie ist achteckig im Grundriss und hat außen eine fünfeckige und innen eine halbrunde Apsis. Die zwei Portale des Oktogon (Achteck) sind wie die kleinen Fenster aus Alabaster und die Kapitelle reich verziert mit menschlichen und tierischen Zügen, Fabelwesen und Pflanzenmotiven. Die Arkaden tragen zum außergewöhnlichen Erscheinungsbild romanischer Baukunst bei. Offensichtlich war nie geplant gewesen, die Arkaden zu überdachen.

 

Das Kleinod steht auf freier Fläche, es ist von keiner Siedlung umgeben. Es gibt mehrere Theorien zum Entstehen. Die eine bezieht sich auf die Bauweise, auf das Oktogon und verweist auf die Jerusalemer Grabeskirche und ordnet sie so den Tempelrittern zu. Andere behaupten, sie diente einer reichen Dame als Grabkapelle. Fakt ist, bei Ausgrabungen hat man Gräber mit Muscheln als Grabbeilagen gefunden. Die Vermutung ist also nicht von der Hand zu weisen, dass die Kirche als Friedhofs- und/oder Hospizkirche für Pilger diente. Der Name Eunate könnte dem Baskischen entnommen sein, entweder herkommend von 100 Türen oder von eu nato = wohl geboren. Alle Deutungen machten Sinn. Auch wird sie in Verbindung gebracht mit der nahe gelegenen Heiliggrabkirche in Torres del Rio.

 

JOSEPH KARDINAL RATZINGER

Joseph Kardinal Ratzinger / Papst Benedikt XVI. stützt indirekt die Idee mit der Jerusalemer Grabeskirche. In seinem im Jahre 2000 herausgegeben Buch "Der Geist der Liturgie" schreibt er: "(...) Die Väter verbanden damit die Idee, dass die Weltgeschichte als Ganze gleichsam als eine große Sieben-Tage-Woche (...) anzusehen sei. Der achte Tag bedeutet so die neue Zeit, die mit der Auferstehung angebrochen ist.  (...) Von diesem Symbolismus des achten Tages her hat man die Baptisterien - die Taufkirchen - gern als Oktogone, achteckig, gebaut, Taufe als Geburt in den achten Tag hinein, in die Auferstehung Christi und in die damit eröffnete neue Zeit hinein auszulegen."

Fazit: Es könnte sich tatsächlich um eine Taufkirche gehandelt haben.

 

Im Inneren ist eine Marienfigur zu bestaunen, eine Nachbildung des verschollenen romanischen Originals. 1943 wurde Eunate restauriert, also lange vor den einsetzenden Jakobspilgerströmen.

 

LEGENDE

Interessant ist die mit Eunate verbundene Legende. Es geht um ein fliegendes Portal, um einen alten Bildhauermeister, der, bevor seine Arbeiten am Kirchlein beendet waren, das Land verließ, die Mönche (Tempelritter?) kurzerhand einen lokalen Steinmetz mit der Fertigung des Portals beauftragten. Der alte Steinmetz kehrte zurück, schäumte vor Wut und so nahm die Geschichte, die Legende einen wundersamen Verlauf. Wer sie zu Ende lesen möchte, der bediene sich des Buches von Andreas Drouve ‚Geheimnis und Mythos Jakobsweg‘ (marixverlag). Soviel sei verraten, die Kirche von Olcoz weist das gleiche Portal auf wie das von Eunate, vom selben Steinbildhauer gestaltet. 

Heute ist Eunate alljährlich Ziel mehrerer Wallfahrten und gibt Hochzeiten und Konzerten einen außergewöhnlichen Rahmen. 

 

Für den Pilger nur noch wenige Kilometer           bis Puente la Reina

Nur schwer trennen sich die Pilger von diesem Kleinod. Eine Stunde Fußweg, viereinhalb Kilometer sind es noch bis zum Ziel der Pilgerreise. Sie freut sich auf Puente la Reina: rund 290 Kilometer sind dann, gerechnet von Lourdes, endlich geschafft, die restlichen 707 Kilometer bis Santiago den Compostela kennen beide von ihrer ersten Pilgertour Jahre zuvor.

Fotos:

Reihen 1-3: Impressionen der Ermita.

Reihen 3/4: Der Altar mit der Gottesmutter im Fokus.

                  Das Deckengewölbe mit 8 Verstrebungen.

Reihe 5: Blick auf den Altarbereich mit der hineinscheinenden Sonne.

             Barfüßiger Pilger, wie weiland in den Pyrenäen.

Reihe 6: Hinweistafel zum Gebiet.

Reihe 7: Pilgerweg Richtung Puente la Reina.

             Im Nachbarhaus befestigte Jakobsmuschel.

 

Abschluss in Puente la Reina (Gares)

Ab Puente la Reina beginnt die Pilgerautobahn. An dieser Aussage führt nichts vorbei. Damals, bei unserer ersten Pilgertour, störten keine lärmenden und fordernden WandererInnen. Unser Hotel Jakue hat sich mehr denn je auf die JakobspilgerInnen eingestellt. Das abendliche Pilgermenü ist completo. Es schmeckt, ist ausreichend und günstig.  Die anderen Herbergen sind ebenfalls gut besucht, die Kirchen weniger. Halt, stopp: Just als wir die Iglesia Maria de la Vega y del Crucifio verlassen wollen, treten zwei Pilgerinnen ein und singen mit hellen Stimmen einen Choral. Wir bleiben. Wunderschön. Ist das nicht ein krönender Abschluss der Pilgertour? Ja.

 

Beim abendlichen Bier an der Bar des Hotels lassen wir die ereignisreichen Tage Revue passieren. Werden wir noch einmal auf Pilgertour gehen, noch einmal von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela - trotz der Pilgermassen? Achthundert Kilometer. Vieles spricht dagegen. Jedoch. Ich bin fasziniert. Ich werde es noch einmal wagen. Es gibt immer Tage, an denen es ruhig sein wird,  an denen sich mein Pilgergefühl einstellen wird.

 

ERZBISCHOF JUAN BARRIO BARRIO

Der Erzbischof von Santiago, Juan Barrio Barrio, begreift den Camino wie folgt: „So ist der Weg nach Santiago für den, der im Geist und in der Wahrheit pilgert, ein geeigneter Ort, um mit Gott ins Gespräch zu kommen; er ist ein Zeichen, das ihm hilft, sich von Gott geschaffen durch Christus befreit zu fühlen, und er ist eine Erfahrung, in der der Pilger lernt, zu geben und zu empfangen.“ 

 

Pilgern im Geist und in der Wahrheit. Mehr dazu im Prolog des REISEBERICHTs WESTWÄRTS.