ABSEITS DES CAMINO ARAGONES

Javier. Navarra. Basilika und Burg.

Einstimmung

So wie sich der Pilger - von Puente la Reina de Jaca kommend - spätestens in Artieda entscheidet, ob er den nördlichen Weg geht, oberhalb des Stausees Embalse de Yesa zum Kloster/Monasterio de Leire und weiter östlich nach Foz Lumbier in die imposante Schlucht, so wird er sich gleichermaßen auf dem südlichen Abschnitt, dem eigentlichen Camino, in Sangüesa Gedanken machen müssen. Ist er geschichtlich und/oder religiös interessiert, wird er den kleinen Umweg nach Javier klaglos auf sich nehmen, zum Sanctuarium des heiligen Franz Xaver, einem der Mitbegründer des Jesuitenordens. 

Sanctuarium Franz Xaver

Javier. Der heilige Franz Xaver.

 

Spätestens seit der Wahl Papst Franziskus`im Jahr 2013 sind die Jesuiten wieder in aller Munde. Der vormalige Erzbischof Jorge Kardinal Bergoglio war lange Chef der argentinischen Jesuiten, gleichermaßen Professor an der dortigen Jesuitenhochschule.

 

Nur wenige Kilometer vom heutigen Jakobsweg entfernt, nordöstlich von Sangüesa resp. südwestlich des Yesastausees, liegt der Geburtsort des heiligen Francisco de Xavier; neben Ignatius von Loyola einer der Mitbegründer des Jesuitenordens, der Gesellschaft Jesu im 16. Jahrhundert; vgl. ANDERE PILGERWEGE, Camino Ignaciano. 

 

IM MITTELALTER DIREKT AM CAMINO

Im Mittelalter passierten alle Pilger den Geburtsort des Heiligen. Erst der Stausee ließ die alte Wegführung ändern.

Frieden kehrte im Lande ein. Wir sprechen von den Early Middle Ages. Die Jakobspilger aus aller Herren Länder brachten ihre Riten und ihr Wissen mit. Javier prosperierte - in der Landwirtschaft, im Hausbau und auch was die Ausgestaltung der Kunst anging.  Zur Geburt des Heiligen formuliert die englischsprachige Broschüre in etwa wie folgt: "The Castle of Javier is a reliquary of stone and history. On April th, 1506 its walls saw the birth of Saint Francis Xavier, Patron Saint of Navarre and of the missions. Admiring the merloned silhoutee of the fortress means starting a dialogue with the Middle Ages. Walking through its rooms is like feeling the hearbeat of its time."

 

Also: Franz Xaver wurde dort am 7. April 1506 geboren. Der obige Text erklärt, dass die Burg eine Reliquie aus Stein und der damaligen Geschichte sei. Franz Xaver war ein großer Missionar, wurde von seinem "Chef" Ignatius von Loyola nach China geschickt. Franz Xaver ist folgerichtig nicht nur der Patron von Navarra sondern eben auch der Missionare und des spanischen Tourismus. Wie Ignatius wurde er in eine alte, vornehme und begüterte Familie hineingeboren. 

 

Im westlichen Turm der Burg aus dem 8. Jahrhundert, erweitert im 10. und 13. Jahrhundert, 1516 von Kardinal Cisneros abgerissen, rekonstruiert im 19. Jahrhundert,  befindet sich die Christuskapelle mit dem lächelnden Christus am Kreuz aus dem 13. Jahrhundert. Am Todestag des Heiligen, er starb am 3. Dezember 1552 auf der Insel Shangchuan nahe der chinesischen Stadt Kanton, soll die Christusfigur aus den Wunden geblutet haben. Christus ist umrahmt von Wandmalereien, die überraschenderweise eindeutig dem Totentanz zuzuschreiben sind; sie waren bis vor kurzem den Spaniern unbekannt. Die Päpste Pius XII. und Johannes Paul II. sind zwei der berühmtesten Besucher der Kapelle.

 

VITA DES JESUITEN

Franz Xaver studiert ab 1525 in Paris an der Sorbonne, lernt Ignatius von Loyola kennen und gründet zusammen mit ihm, Peter Faber und wenigen weiteren den Jesuitenorden. 1539 hilft er Ignatius bei der Ausarbeitung der jesuitischen Ordenssatzung. Als der portugiesische König Johann III. 1539 Papst Paul III. um Missionare für die portugiesischen Besitzungen in Ostindien bittet, folgt er zwei Jahre später dessen Ruf. Zuvor zum apostolischen Nuntius für das ganze Asien ernannt, schifft Franz Xaver sich von Lissabon nach Indien ein, landet 1542 in Goa, wirkt dort einige Jahre, um dann später sowohl in Japan wie in China zu missionieren - letztlich nicht sehr erfolgreich.

 

Seine Briefe wecken gleichwohl bei vielen Gläubigen eine neue Begeistung für die Mission. Franz Xaver gilt als der Vorreiter zeitgemäßer katholischer Mission: für die Inkulturation, für das Kennenlernen und Verstehen des Volkes, für das Respektieren seiner Sprache, der Religionen und Riten. Franz war von der Vision des Propheten Jesaja beseelt, mitzuhelfen, die göttliche Ordnung, die der Mensch durch den Sündenfall verdorben hatte, durch die Verkündigung des Evangeliums wiederherzustellen. Alles weitere kann der interessierte Leser dem Internet entnehmen.

Fotos

Reihe 1: Hinweisschilder zum Areal.

Reihe 2: Papst Johannes Paul II.

Reihen 3+4: Eingangsbereich der Basilika.

Reihe 4+5: Basilika.

Reihe 6: Burg.

Reihe 7: Kapelle mit dem lächelnden Christus (15. Jh.) und den berühmten        Wandmalereien des Totentanzes; bis vor kurzem in Spanien unbekannt.

Reihen 8+9: Impressionen der Ausstellung.

 

Foz de Lumbier

Zwischen Sangüesa und Monreal, nördlich der Wegstrecke des Camino Aragonés, befindet sich die Schlucht Foz de Lumbier, jenseits vom Rio Aragón und Rio Irati.

 

Diejenigen PilgerInnen sind sehr gut zu verstehen, die gerne den Umweg von einigen Kilometern auf sich nehmen. Mit viel Glück sieht man nämlich Raubvögel, ganze Geierkolonien, aus der Nähe. Die Tiere weisen teils eine Spannbreite bis zu 2,80 m auf. An diesem Tag mochten sie nicht zu uns herunterkommen. Sie flogen hoch oben über gigantische Schluchten. Auch bei über 30° Hitze ein Muss für jeden Interessierten. Die Bilder mögen es ein wenig verdeutlichen.

Fotos:

Alle von der Schlucht. Auf den Fotos 2 und 7 sind die großen Greifvögel zu sehen.