LOURDES - SOMPORTPASS - CAMINO ARAGONES

Puerto de Somport. Col du Somport, 1.640 Meter hoch. Von hier geht`s weiter in Richtung Jaca über Canfranc Estacion (Bahnhof), Villanua, Castiello de Jaca.

Einstimmung                                                         Der mittelalterlichen Epoche nachspüren                    

Der mittelalterliche Pilger hat seinen Weg zum Grab des Apostels nicht unterbrochen. Er ging in einem Rutsch, war Monate lang unterwegs. Von zu Hause in Deutschland, England, Frankreich, Italien, der Schweiz. Nicht selten ein mühsamer Weg von mehr als 3.000 Kilometern. Das schaffen heute nur wenige Pilger wie Studenten, Rentner, Pensionäre. Viele unterteilen ihren Weg oder gehen nur das letzte Teilstück; vgl. dazu den Hauptmenüpunkt CAMINO FRANCES.

 

Die Intention bleibt - für uns - die gleiche, wie in den Jahren zuvor: Pilgern auf den Spuren vergangener Zeitzeugen. Der mittelalterlichen Epoche nachspüren. Pilgern im Mittelalter bedeutete: das Kreuz tragen, wie die Ritter. Von Lourdes via Somportpass, von dort auf den Camino Aragones bis nach Puente la Reina, dem Knotenpunkt des Aragonesischen und Navarrischen Wegs von Saint-Jean-Pied-de-Port kommend.

Der Weg von Lourdes aus

Lourdes. Marienwallfahrtsort in den Pyrenäen.

 

In 2010 sind die Protagonisten das erste Mal im Marienwallfahrtsort gewesen, in Erinnerung an die Lourdes-Pilgerreise der Mutter vom Herbst 1961.

Und da konnte doch gar nichts mehr schiefgehen. Über fünfzig Jahre später mit der Fürsprache der Gottesmutter Maria Unserer Lieben Frau von Lourdes im Gepäck sich auf dem Weg machen: zunächst über Betharram und Oloron-Ste-Marie zum Col du Somport; weiter entlang dem Aragonesischen Weg. 

 

Unabhängig davon, wie man zu den Ereignissen des Jahres 1858 steht, in jenem Jahr soll dem jungen Mädchen Berndadette Soubirous an der Grotte von Massabielle in Lourdes die Gottesmutter erschienen sein, die dort erlebte Hilfsbereitschaft Hunderter von sog. Hospitalitern (HelferInnen) ist unbeschreibbar. Ich vermute: das ist weltweit einzigartig. Bitte weiterlesen unter dem Menüpunkt Marienwallfahrtsorte am Camino; anzuklicken oben links.

 

Die beiden Pilger übernachteten folgerichtig im Haus der Nonnen der Communaute Saint-Joseph in der Avenue de Vizens. Soer (Schwester) Marie Marc. spricht deutsch. Die abendliche Marien-Prozession mit dem Rosenkranzgebet, gesprochen in mehreren Sprachen, unter anderem in Deutsch, ist beeindruckend. Es sind nicht nur ältere Semester vertreten. Mitnichten: junge Menschen zuhauf.

Bis zum Puerto de Somport sind es rund 130 Kilometer, gut in fünf Pilgeretappen zu schaffen. 

Fotos

Reihen 1-3: Lourdes, Grotte von Massabielle; Marienstatue;

Beginn der abendlichen Marien-Prozession

Reihe 4: Kreuzweg von Betharram; Kirche

Reihen 5+6: Oloron Ste-Marie; Pyrenäen

Camino Aragones                                               Kultur - Geschichte - Christentum pur

Puente la Reina. Zusammentreffen der beiden Wege: Navarrischer und Aragonesischer Weg.

 

Der nun folgende Abschnitt des Camino de Santiago, der Camino Aragonés, ist so reich an Kulturellem, Religiösem, Geschichtlichem, dass es ein Sakrileg gewesen wäre, ihn nicht zu begangen zu haben. Der Camino Aragonés beginnt hoch oben in den Pyrenäen, auf dem Puerto de Somport, 1.640 m. Er führt weiter über Candanchu, Canfranc-Estación, Jaca, Puente la Reina de Jaca, Ruesta, Sangüesa, Rocaforte, Monreal, Eunate, bis eben nach Puente la Reina; und, wie wir sehen werden, er schließt einen Abstecher nach San Juan de la Pena, dem Sanctuarium Javier und in die Schlucht Foz de Lumbier nicht aus. 

 

Warum aber nur bis Puente la Reina? Die sogenannte Hauptstrecke von St.-Jean-Pied-de-Port, einem kleinen Städtchen in den französischen Pyrenäen, über Roncesvalles, Pamplona bis Puente la Reina und weiter nach Santiago de Compostela hatten sie schon längst zuvor hinter sich gebracht; vgl. REISEBERICHT WESTWÄRTS, Etappe 1 - Chigong in den Pyrenäen. Diese Strecke sollte korrekterweise als Navarrischer Weg bezeichnet werden.

 

In Puente la Reina trifft der hier beschriebene Camino Aragonés auf eben diesen Navarrischen Weg. Ab hier wird der Camino de Santiago dann zum berühmten Camino Francés, zum Weg der Franken. Korrekterweise sollte hinzugefügt werden, dass beide Wege eigentlich im wenige Kilometer vorgelagerten Städtchen Obanos zueinander finden. Aber, und das ist Fakt, das betreffende Pilgerdenkmal steht nun einmal am Ortseingang von Puente la Reina; vgl. auch Hauptmenüpunkt REISEBERICHT WESTWÄRTS, Etappe 5 - Puente la Reina. Matsch. Wind. Klimascheide.

Jaca trotzt den Mauren - 760 nach Christus

Jaca. Kathedrale San Pedro. Chrismon oberhalb der Eingangstür.

 

Die Pilger gehen weiter. Überall am Wegesrand sehen sie schöne wie schreckliche Figuren an den Kirchen, das Chrismon oberhalb der Eingangstüren, fast immer Christus als Pantokrator (Weltenherrscher) zeigend und die Madonna. In späteren Jahrhunderten wird der Gekreuzigte, der leidende Christus im Vordergrund stehen. Wie auch immer, beide, Jesus Christus wie die Gottesmutter, vermitteln Trost und Sicherheit. Denn: Wer nach Compostela geht, weiß nicht, ob er unterwegs stirbt und wo er begraben wird. Nahe Santa Maria de Eunate, kurz vor Puente la Reina, sind Gräber gefunden worden - mit Jakobsmuscheln. Wer zeichnet für den achteckigen Kirchenbau verantwortlich? Die Templer, die Johanniter oder doch nur eine reiche Frau? Vermutungen.

 

DAS CHRISMON VON JACA

Das Chrismon - Omega und Alpha - war das Erkennungszeichen der frühen Christen. Die gekreuzten griechischen Buchstaben Chi und Rho XP stehen für den Anfang des Namens Christus. Es lädt den gläubigen Christen ein, einzutreten in das Gotteshaus, der Liturgie beizuwohnen oder einfach nur einen Moment zu verweilen, zu meditieren, zu beten.

 

Das Pilgerehepaar hat es eilig, strebt zur Kathedrale San Pedro von Jaca, Anno Domini 1063 geweiht; schaut andächtig in der westlichen Vorhalle auf das Tympanon des Eingangsportals. Im Zentrum des Chrismon ist  zu lesen (übersetzt): "Leser, auf dieser Skulptur erkenne mit Sorgfalt, dass das P der Vater, das A der Sohn und der Doppelte (O=Omega) der Heilige Geist ist. Alle drei sind in Wahrheit der eine und gleiche Herr." Links und rechts ist Christus als Löwe zu sehen, als Beschützer und Bezwinger. Am unteren Rand steht: "Der Löwe weiß den Flehenden zu verschonen, wie Christus den Bittenden - der starke Löwe zertritt das Reich des Todes (...) Wenn du, gehalten vom Gesetz des Todes, verlangst zu leben, komm hierher zu flehen, giftigen Speisen absagend. Reinige das Herz von Lastern, damit du nicht des zweiten Todes stirbst." Das Stufenportal zeigt Daniel und die Löwengrube.    

 

JACA: VON DEN MAUREN VERSCHONT GEBLIEBEN

Jaca ist eine der ältesten beurkundeten Städte der spanischen Geschichte. Nach der römischen und westgotischen Herrschaft wurde die Grafschaft Aragon Königreich mit Jaca als Hauptstadt. König Ramiro I. verlieh 1063 der Stadt Sonderrechte, vorbildhaft für Estella, Sangüesa oder Puente la Reina. Jaca bestand aus mehreren Marktflecken, zum Beispiel San Nicolas, wo die Kathedrale San Pedro steht. Sancho Ramirez (1063-1094), König von Navarra-Aragonien, erhob Jaca im Jahre 1076 zur Bischofsstadt. Folgerichtig wurde sofort mit dem Bau der Kathedrale begonnen. Das Gotteshaus, von Kennern als eines der hervorragendsten und repräsentativsten Beispiele der spanischen Romanik bezeichnet, übte aufgrund seiner frühen Entstehung maßgeblichen Einfluss auf die anderen großen romanischen Bauwerke am Jakobsweg aus.  San Pedro ist eine der vier ältesten romanischen Kirchen am Camino de Santiago neben San Martin in Fromista, San Isidoro in Leon und der Kathedrale von Santiago de Compostela. Etwa zeitgleich hielten die Bischöfe hier ein Konzil ab.

 

Mit Jaca ist die heilige Eurosia verbunden: 714 nach Christus von den Mauren gefoltert und getötet. Sie war an sich einem noblen Mauren versprochen, lehnte als Christin die Heirat ab, versteckte sich in einer Höhle nach Jaca, wurde gefunden... Mehr darüber im Heiligenlexikon.de. Jaca wehrte sich erfolgreich nicht nur gegen die Mauren, sie war als einzige Stadt angeblich nie von den Mauren besetzt worden. Maurische Autoren erwähnten die Stadt Dyaka als eine der wichtigsten der Provinz.

 

Die Kathedrale, in Form eines lateinischen Kreuzes errichtet, weist drei Schiffe auf. Die Gläubigen verehren heute drei Schreine unter dem Hauptaltar: den besagter Eurosia und links und rechts die Reliquien des heiligen Indalecio sowie der Brüder Voto und Felix. Indalecio soll ein Schüler des Apostels Jakobus gewesen sein, zudem erster Bischof von Urci (in Almeria) und von Auca (Villafranca Montes de Oca. Voto und Felix werden mit San Juan de la Pena in Verbindung gebracht.

Alle Fotos. Catedral San Pedro von Jaca.

Mythos San Juan de la Pena                             Santa Maria in Santa Cruz de la Serós

San Juan de la Pena.

 

Der Pilger nächstes Ziel liegt hoch in den Bergen. San Juan de la Pena, das in den Felsen gehauene Kloster. Seinen Ursprung vermutet man im 8. Jahrhundert, nach der Legende gegründet von den Heiligen Felix und Voto; unten mehr. König Sancho dem Älteren von Navarra wird der Bau des heutigen Klosters zugeschrieben - 1025 nach Christus. Neunundsechzig Jahre später (1094) wurde mit dem Bau des oberen Teils des Komplexes begonnen. Fortan, also ab dem 11. Jahrhundert, fungierte das Kloster als das religiöse Zentrum des Königreiches Aragón schlechthin und als Pantheon der Herrscher des Königreiches. Erhalten geblieben sind in der unteren Ebene die mozarabische Kirche aus dem 10. Jahrhundert, der Konzilssaal (Sala de los Concilios) aus dem 11. Jahrhundert; in der oberen Ebene der Pantheon der Adligen (Panteo de los Nobles), die Königsgruft der Könige Navarras und Aragoniens und die romanische Kirche. Der bemerkenswerte Kreuzgang im Freien und die eindrucksvollen Kapitelle zeugen von der außergewöhnlichen Baukunst. Eines davon zeigt Jesu Einzug in Jerusalem. Wird es auf uns den gleichen Eindruck machen wie auf die vormaligen Peregrinos? Sie sahen sich auf ihrem Weg bestätigt, erkannten sich in der Szene wieder.

 

Mit dem berühmtesten Kloster Aragóns verbunden ist die Legende, wonach dort bis zum 14. Jahrhundert der Abendmahlskelch Jesu / der Heilige Gral aufbewahrt gewesen sein soll. Inspiration für Richard Wagners Parsifal.

Leider ist es den Pilgern nicht vergönnt, die Stätten des lange verlassenen Klosters von innen zu besichtigen. Es hätte bis zur Öffnung zu lange gedauert. Schade, die Capilla de los Santos Voto y Felix wäre es eigentlich wert gewesen zu warten. Die Legende dieser beiden Brüder und Heiligen Voto und Felix kann man nachlesen in Andreas Drouves Buch "Geheimnis und Mythos Jakobsweg": Aus Dankbarkeit ihres Überlebens im Kampf gegen die überlegene maurische Feindesmacht beschließen sie, den Grundstein für ein neues christliches Reich zu legen und gründen im Schutze des Felsgewölbes das Kloster San Juan de la Pena. Es ist Johannes dem Täufer geweiht.

 

SANTA CRUZ DE LA SEROS

Die nahe gelegene Kathedrale Santa Maria von Santa Cruz de la Serós entschädigt. Der Pilger bekommt wider Erwarten die Genehmigung, den wunderschönen Altar fotografieren zu dürfen. Ein herzliches Dankeschön noch einmal dem aufsichtsführenden Herrn.

Wieder ist ein eindrucksvolles Chrismon zu bestaunen - Daniel in der Löwengrube. Inschrift (übersetzt): "Ich bin die Tür für den leichten Eintritt, geht durch mich hindurch, ihr Getreuen. Ich bin die Quelle des Lebens: Dürstet mehr nach mir als nach Wein, alle ihr, die ihr eintretet in diesen gesegneten Tempel der Jungfrau." Darunter: "Richtet euch, bevor ihr zu Christus betet." 

Die Pfarrkirche entstammt dem 11. Jahrhundert. Angegliedert war ein Benediktinerkloster, das bis 1555 bestand. 1931 wurde die Kirche zu einem Baudenkmal erklärt.

Das Kloster entwickelte sich weiland zum angesehensten Frauenkonvent Aragoniens, in das Mitglieder der königlichen Familie und viele adelige Damen eintraten. So erklärt sich auch der vormalige Name Santa Cruz de las Sorores - Kloster Heilig Kreuz zu den Schwestern.

 

Die Pilger halten inne, meditieren, sinnieren, erinnern sich, wie sie vor kurzem noch von Lourdes über Oloron Ste. Marie aufgebrochen sind auf den beschwerlichen Weg hoch zum Somportpass. Erinnern sich an das alte Pilgerlied. Aber, lesen Sie mehr auf der nächsten Seite. 

 

Fotos

Reihe 1+2:  Kloster San Juan de la Pena

Reihen 3 -5:  Iglesia Santa Maria von Santa Cruz de la Seros

Bildergalerie. Zwecks Vergrößerung mit der linken Maustaste anklicken.