BEDEUTENDE THEOLOGEN UND HEILIGE DES MITTELALTERS

Leon. Kathedrale.

Einstimmung

Man kann den Fakt nicht genuz berücksichtigen: Christentum und Staat waren bis zur beginnenden Neuzeit stark mit einander verflochten. Dem Papsttum kam dabei eine besondere Bedeutung zu. Nur ein Bespiel: Auf Geheiß Papst Gregors XIII. wurde der Julianische Kalender zu Gunsten des neuen Gregorianischen Kalenders, der heute noch gilt, reformiert. Mit einem Federstrich wurden im Jahre 1582 zehn Tage gestrichen.

 

Die Heiligenverehrung nahm gleichermaßen einen hohen Stellenwert ein. Die Pilger strömten zu den Wallfahrtsorten. An anderer Stelle habe ich darüber berichtet. Manche zogen sich in die Einsamkeit zurück, meditierten, andere nahmen großen Einfluss auf die Herrschenden und die Päpste, regulierten, reformierten im Sinne, dass das Wahre des Christentums wieder durchscheinen konnte, der Glaube an den Auferstandenen; vgl. die Vita von Bernhard von Clairvaux, Franz von Asissi und Katharina von Siena.

Ohne die Theologen, zumeist auch Philosophen, ist die spätere Neuzeit nicht denkbar. Sie schufen die Basis.

Remigus von Reims                                       Wegbereiter des europäischen Christentums

Remigus von Reims. Bischof 5./6. Jahrhundert. Wegbereiter des Christentums in Europa. Apostel der Franken. Taufe des Merowinger Königs Chlodwigs 497; Phatasiedarstellung aus dem 15. Jarhundert. Freigegebenes Foto.

 

Remigus, geboren um 436, entstammte einer wohlhabenden Familie, wurde schon mit 22 Jahren zum Bischof berufen. Nach der Eroberung seiner Heimat durch die Franken bemühte er sich erfolgreich um deren Christianisierung, weshalb er den Titel „Apostel der Franken“ trägt. Viele Kirchen und Klöster aus dem 6. bis 11. Jahrhundert tragen seinen Namen.

 

Berühmt wurde er durch die Taufe des Merowingerkönigs Chlodwigs am Weihnachtsfest 497, die dieser von ihm erbeten hatte nach der letztlich erfolgreich geschlagenen Schlacht von Zülpich im Jahre 496.  Bei der Taufe soll Remigus  gesprochen haben: „Beuge nun, stolzer Sicamber (alte Bezeichnung für die Franken), dein Haupt und unterwirf es dem sanften Joch Christi! Bete an, was du bisher verbrannt hast, und verbrenne, was du bisher angebetet hast!“

Notre Dame, Taufstein im Mittelgang der Kathedrale von Reims. 

 

Zusammen mit König Chlodwig und dessen Frau Chlothilde gilt Remigus als Wegbereiter des Christentums in Europa. Er starb am 13. Januar 533 in Reims und ruht dort in der Abteikirche St. Remi. Gedenktag am 13. Januar (Todestag) resp. am 1. Oktober (Übertragung der Gebeine). In alten Urkunden wird als Stichtag für die alljährlich zu erbringenden Abgaben und Leistungen (Pacht, Renten) der auf den 1. Oktober fallende St.-Remigus-Tag genannt. So lautet die Bauernregel: Regen an Sankt Remigus bringt den ganzen Monat Verdruss. Quellen: Volksmissale Priesterbruderschaft St. Petrus und Wikipedia.

Hrabanus Maurus                                                   Ein Theologe von Format

Der junge Rabanus Maurus (links), unterstützt von seinem Lehrer Alkuin, dem Abt des Stifts St. Martin zu Tours (Mitte), überreicht dem Heiligen Martin, Erzbischof von Tours, sein Werk De laudibus sanctaes crucis.

Darstellung in einem Manuskript aus Fulda um 830/40 (Wien, ÖNB cod. 652, fol. 2v; freigegebenes Foto).

 

Theologisch ragte im frühen Mittelalter Hrabanus Maurus (780-856) heraus. Abt Alkuin, der wichtigste und berühmteste Berater Kaiser Karls des Großen, war sein Lehrer. Selbiger gab ihm auch den Namen Maurus (übersetzt der Seher). Hrabanus Maurus war ein Mann universaler Bildung, ein großer Förderer des Bildungswesens, daher sein Ehrenname „Lehrer Germaniens“ (Praeceptor Germaniae). 822 zum Abt des Klosters in Fulda ernannt, im hohen Alter von 67 Jahren, 847 n. Chr., als Erzbischof auf den damals wichtigsten Bischofsstuhl nach Mainz berufen.

 

SEINE MÖNCHE STUDIEREN ARITHEMETIK

In Fulda hatte er seine Mönche aufgefordert, Arithmetik zu studieren, um unter anderem die Zusammenhänge der mystischen Zahlen der Bibel begreifen zu können. Von ihm, dem gelehrten Theologen und Schriftsteller, sind wichtige Schriften erhalten, zum Beispiel der Figurengedichtzyklus "De laudibus sanctae crucis" (Vom Leib des Heiligen Kreuzes), dessen wichtigste Abschrift sich in der Vatikanischen Bibliothek befindet. Der Zyklus ist in der Form des Opus geminium verfasst worden, also sowohl in Versform wie in Prosaform; ebenso der Pfingsthymnus „Veni, Creator Spiritus“ (Komm, Schöpfer Geist); Text https://de.wikipedia.org/wiki/Veni_creator_spiritus

 

Von Hrabanus Maurus stammt der Satz: „Wer den Gipfel der Weisheit erreichen will, muss zum Gipfel der Liebe gelangen. Denn niemand ist vollkommen im Wissen, der nicht vollkommen ist in der Liebe.“

 

Die katholische Kirche gedenkt dieses Heiliggesprochenen am 4. Februar jeden Jahres. 

Bernhard von Clairvaux                                         Die Lichtgestalt des mittelalterlichen Katholizismus 

Der heilige Bernhard von Clairvaux. Lorenzo di Bicci um 1435. 1373 - Florenz - 1452. Kunsthalle Bremen.

Kein anderer Zeitgenosse hat mehr Einfluss auf Kirche und Politik genommen als dieser große Heilige des Mittelalters.

 

Bernhard lebte von 1090 bis zum 20. August 1153 in Clairvaux, Gründer des Klosters Clairvaux, das sich zur bedeutendsten Zistenzienserabtei entwickelte. Ihm wird auch Einfluss auf die Gründung des Templerordens zugeschrieben.

Noch Martin Luther nannte ihn den größten der Kirchenväter. Bereits 1174 von Papst Alexander III. heilig gesprochen und - erst - 1830 von Papst Pius VIII. zum Kirchenlehrer Doctor mellifluss erhoben.

 

Stellvertretend für seine vielen Schriften erwähne ich hier seinen erst im Todesjahr vollendeten Traktat "De consideratione ad Eugenium Papam"; also Papst Eugen III. gewidmet. Eugen hatte ihn gedrängt, sie kannten sich aus früheren Zeiten, ihm ein Schreiben für seine Gewissenserforschung zu widmen.

 

Das tat Bernhard in den Jahren 1149 und 1152/53 mit den fünf Büchern über die "Erwägung". Hier beschreibt er die vier Kardinalstugenden (Klugheit/Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung) und empfiehlt dem Papst, im Trubel der Geschäfte sich Zeit zu nehmen für Abstand, Übersicht und von ihr her Entschlußfähigkeit: gegenüber dem allgemeinen Zerfall der Kirche und den schlimmsten Mißbräuchen, die den Papstthron umgeben: Ehrsucht, Geldgier, Wahrheitsfälschung.

Im zweiten Buch fragt Bernhard den Papst: Was bist Du? Bloßer, armseliger Mensch. Wer bist Du? Wozu bist Du? etc. Im dritten Buch empfiehlt er dem Papst, u.a. die Gier der Orden zu beschneiden und den ganzen Klerus zu reformieren.

Im letzten Buch geht er zur "contemplatio" der göttlichen Dinge über, u.a. das philosophische Nachsinnen über Gott, etc. Was ist Gott selbst? Gott ist in seiner vollkommenen Einfachheit dreieinig, Christus ist Mitte zwischen der Trinität (Drei Personen in einem Wesen) und dem Menschen.

Diese seine Schrift ist jahrhundertelang eine aktuelle Lektüre der Päpste geblieben.

Katharina von Siena                            Kirchenlehrerin und Beraterin des Papstes

Katharina von Siena. Andrea Vanni, der zu Katharinas Freundes- und Schülerkreis gehörte. Fresko in der Basilika S. Domenico in Siena um 1375, also noch zu Lebzeiten der Heiligen. Sie gilt in Italien als die größte Frau der Kirchengeschichte, vergleichbar in Spanien mit der hl. Teresa von Avila. Freigegebenes Foto.

 

Katharina (die Reine), 1347 am 25. März als 25. Kind des frommen Färbers Giacomo Benincasa und seiner Frau Lapa geboren; gestorben am 29. April in Rom. Mit sechs Jahren hatte Katharina bereits ihre erste Vision. Mit 13 Jahren schloss sie sich den Mantellaten, dem Dritten Orden der Dominikaner an. Mit 19 Jahren vollzog sie in einem mystischen Erlebnis die geistliche Vermählung mit Christus; vergleichbar in etwa mit der heiligen Katharina von Alexandrien aus dem 4. Jahrhundert. Am 29. Juni 1461 durch Papst Pius II. heilig gesprochen, zur Schutzpatronin Italiens in 1939 von Papst Pius XII. ernannt, zur Kirchenlehrerin in 1970 durch Papst Paul VI. und letztlich 1999 von Papst Johannes Paul II. zusammen mit Birgitta von Schweden und Edith Stein zur Schutzheiligen Europas erklärt. 

 

Sie lebte wie die hl. Birgitta von Schweden in einer Zeit des kirchlichen Niedergangs. Seit 1309 residierte der päpstliche Hof in Avignon, gesteuert vom französischen König.

Katharina klagte die Mißstände an, sprach von Ärgernissen, Pfründenjägerei und Simonie, von Prälaten, die nur nach Essen, schönen Palästen und großen Pferden trachteten.

Über 375 Briefe sind von ihrer Korrespondenz an die Päpste, die Könige von Frankreich und Ungarn, etc. erhalten. Sie diktierte, da sie selbst nicht des Lateins mächtig war, mehreren Sekretären. Ihr Beichtvater Raimund von Capua half ihr dabei. 1376 reiste sie nach Avignon. Der Papst kehrte noch im selben Jahr nach Rom zurück. Sie ermunterte den Papst zur Reform, zur Rückkehr zur Reinheit und Armut der Ursprünge; sprach sich gegen die Korruption in der Hierarchie aus, Kardinäle und Klerus sollten sich mehr um die Seelsorge kümmern. Die letzten Jahre ihres Lebens musste sie allerdings das Scheitern ihrer in Papst Urban gesetzten Hoffnung auf Kirchenreform erleben.

Die Blutmystik Katharinas fand zu ihrer Zeit Parallelen zum Beispiel im deutschen Mystiker Johannes Tauler.

Teresa von Avila                                   Faszinierende Gestalt der europäischen Geschichte

Die heilige Teresa von Avila. Peter Paul Rubens, 1615. Freigegebenes Foto von David Monniaux, 2005.

 

Eine der faszinierendsten Frauengestalten der europäischen Geschichte. Neben Ignatius von Loyola die bedeutendste Gestalt der katholischen Gegenreformation. Auf der Rückseite der deutschen Diogenes-Ausgabe ihres berühmten Buches Die innere Burg steht geschrieben: An Teresa darf nicht das Normalmaß gelegt werden. Sie ist ein Phänomen, wie es nicht in jedem Jahrhundert vorkommt. Ein wahres Wunder an Tapferkeit und Opfermut, als Schriftstellerin unter den Meistern spanischer Sprache.

 

Gedenktag: 15. Oktober. Geboren am 28. März 1515 in Avila als Teresa Sanchez de Cepeda y Ahumada eines adligen Vaters und jüdischen Großvaters, gestorben am 4. Oktober 1582 und einen Tag später beerdigt. Das war der 15. Oktober 1582! Warum? Just zu dieser Zeit trat die Reform des bis dahin geltenden Julianischen Kalenders in Kraft. Papst Gregor XIII. hatte kurzerhand für den den neuen Gregorianischen Kalender zehn Tage gestrichen. Obwohl ihr Leib in der Erde begraben war, fand man ihn nach zwei Jahren noch völlig unverwest. Heute ruht er in einem Schrein in der Klosterkirche von Alba de Tormes.

1944 erhob Papst Pius XII. die Heilige zur Patronin der Schachspieler und Paul VI. verlieh ihr 1970 der Titel "Kirchenlehrerin".

Teresas Credo kann wie folgt zusammengefasst werden: "Nicht viel denken, sondern viel lieben." "Beten heißt, bei einem Freund zu verweilen." Sie suchte die Askese. Ihr berühmtestes Wort: "Solo Dios. Basta. " - Gott allein genügt. Das hinderte sie nicht, gleichwohl ihren Herrn zu kritisieren. Gelegentlich eines Unfalls auf ihren vielen Reisen soll sie zu Jesus gesagt haben:"Wieso das, Herr? Bin ich nicht Deine Freundin?" Und Christus habe geantwortet:"So geht Gott mit seinen Freunden um, damit sie das Kreuz tragen." Frech erwiderte Teresa: "Genau deswegen hast Du so wenige davon."

 

Nicht umsonst wird sie "die große Teresa von Jesus" genannt. Eine außergewöhnliche Frau und Nonne.

Selbstverständlich gäbe es noch viele bedeutende Heilige, die das Mittelalter entscheidend mitgeprägt haben. Ich nenne nur einige wenige, an erster Stelle den uns Jakobswegpilger interessierenden Isidor von Sevilla, dessen sterblichen Reste in San Isidoro in Leon liegen; gestorben 636 als Bischof von Sevilla, Nationalheiliger Spaniens, 1722 zum Kirchenlehrer ernannt, er leitete mindestens zwei Synoden in Sevilla resp. Toledo.

 

Neben den bereits Obengenannten hier weitere Heilige, die auf die Geschicke der katholischen Kirche und damit auch auf das politische Leben Einfluss genommen haben: Gertrud von Nivelles (+ 659), Bonifatius (+754), Mathilde (Gemahlin König Heinrichs I., + 968), Anselm von Canterbury (1109), Petrus Venerabilis (+1156), Thomas von Aquin (+1274), Hildegard von Bingen (+1179), Bonaventura (+1274; über ihn verfasste der spätere Papst Benedikt XVI. seine Habilitationsschrift), Albertus Magnus (+1280), Mechthild von Magdeburg (+1285), Jacobus Voragine (+1298, Verfasser der Legenda aurea), Gertrud von Helfta (+1302), Meister Eckart (+1327), Birgita von Schweden (+1373), Nikolaus von Kues (+1464), die Ordensgründer Benedikt vor Nursia (+543, Benediktiner), Dominikus (+1221, Dominikaner), Franziskus von Assisi (+1226, Franziskaner) und Ignatius von Loyola (+1556, Jesuiten) u.v.a.m.