HELL LEUCHTENDES MITTELALTER                 Glaube und Philosophie   

Ponferrada. Museum Templerburg. Mittelalterliche Landkarte. 

EINFÜHRUNG                                                 Dunkles Mittelalter? Absurd!

Für den heutigen, sich modern begreifenden Menschen ist die Sachlage klar: Im Mittelalter waren sie alle ungebildet, rückständig, abergläubisch, sexual- und leibfeindlich, barbarisch. Das ist gleichermaßen dumm wie unwissend, weil auch wissenschaftlich nicht haltbar, weil Nachgeplappertes aus dem 18./19. Jahrhundert. Die Protagonisten dieser verfälschenden Beschreibung des Mittelalters fühlten sich mehr dem (damaligen) romantischen Zeitgeist denn den historischen Quellen verpflichtet. "Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist" - Alfred Polgar, österreichischer Schriftsteller 1873 bis 1955.

 

Zu berücksichtigen ist ferner, dass der Katholische Glaube im Mittelalter eine Art Grundordnung darstellte, nicht irgendeine Konfession oder Religion, eine Art grundsätzliches Bekenntnis, das die gesamte damalige Gesellschaft zusammenhielt. Heute bindet uns die freiheitlich-pluralistisch-demokratische Grundordnung. Wer das bei seinen Betrachtungen der Phänomene des Mittelalters berücksichtigt, wird diese Zeit positiver beurteilen. 

 

Zur Einstimmung: Der Investiturstreit des 12. Jahrhunderts zwischen Papst Calixtinus II. und Kaiser Heinrich V. wird heute immer noch gerne ausschließlich als Machtkampf beider Protagonisten betrachtet, vor allem wird er der Kirche zu Last gelegt. Falsch. Der Papst wollte sich und der Kirche  lediglich das Recht vorbehalten, selbst die Bischöfe in ihr Amt (Investitur) einzusetzen, unabhängig vom Votum des weltlichen Herrschers. Und heute?

Die weltlichen Herrscher versuchen Gleiches. Beispiel Reichskanzler Otto von Bismarck im 19. Jahrhundert. Er scheiterte allerdings letztlich am tiefen Glauben der deutschen papsttreuen Katholiken. Im derzeitigen China gibt es papsttreue Bischöfe und eine vom Staat kontrollierte katholische Kirche. Also: alles relativiert sich.

 

Im Anno Domini 1122 beigelegten Streit - Wormser Konkordat - ist letztlich ein Element der vormodernen Gewaltentrennung begründet. Die dem englischen König im Jahr 1215 abgetrotzte Magna Charta legte die Grundlagen für den modernen Rechtsstaat.

 

Mein Diktum schon an dieser Stelle: Die mittelalterlichen Pilger lebten in einer spannenden Zeit, keinesfalls in einer dunklen. Die weiteren Begründungen werden letztlich auch Sie überzeugen.

Herrliches Mittelalter

Der galicische Erzähler und Dramatiker Gonzalo Torrente Ballester (1910-1999) beschreibt das Mittelalter in seinem köstlich zu lesenden Pilgerlesebuch „Santiago de Compostela“ 1 aus dem Jahr 1948 wie folgt:

  • "Die nicht so schönen Details sollten wir lieber aussparen. Denn das Mittelalter war herrlich; seine Menschen hatten tief in ihren Herzen einen glühenden Glauben, und von ihm entflammt errichteten sie Burgen und Klöster."

 

So widerspricht folgerichtig auch Prof. Meinhard Miegel, deutscher Sozialwissenschaftler, dem nach wie vor gerne vom veröffentlichten Mainstream tradierten Vorurteil, das Mittelalter sei dunkel. In seinem Buch HYBRIS schreibt er:

  • "Die Menschen, die damals in Europa lebten, dürften sich kaum einem finsteren Zeitalter zugehörig gefühlt haben. Im Gegenteil. Sie waren davon überzeugt, dass sich der Allerhöchste gerade ihnen in nie da gewesener Weise offenbart, sie durch seinen Sohn erlöst und ihnen den Heiligen Geist gesandt hat."

Und weiter schreibt Prof. Miegel über die heutigen Meinungsmacher und Kritiker des Mittelalters:

  • "(das sei doch) die ignorante und arrogante Betrachtungsweise der Nachgeborenen." 

Das Universalgenie der beginnenden Neuzeit Gottfried Wilhelm Leibnitz (1646 bis 1716; Philosoph, Mathematiker, Diplomat, Historiker, politischer Berater, auch mit theologischen Fragen konfrontiert ), war davon überzeugt,

  • dass Gott mit unserer Welt die beste aller möglichen erschaffen hat.

Davon war der mittelalterliche Bürger gleichermaßen überzeugt. Dem gläubigen Lutheraner Leibnitz war übrigens weiterhin klar, dass es das Böse geben müsse, damit der Mensch es besiegen könne.

Das Mittelalter:                                               Verknüpfung von Glauben und Wissen          Soziale Errungenschaften, Menschenrechte

REMIGUS - 5./6. Jahrhundert                                                       APOSTEL DER FRANKEN

Remigus von Reims. Bischof 5./6. Jahrhundert. Wegbereiter des Christentums in Europa. Apostel der Franken. Taufe des Merowinger Königs Chlodwigs 497; Phantasiedarstellung aus dem 15. Jahrhundert. Freigegebenes Foto.

 

Remigus, geboren um 436, entstammte einer wohlhabenden Familie, wurde schon mit 22 Jahren zum Bischof berufen.

Berühmt wurde er durch die Taufe des Merowingerkönigs Chlodwigs am Weihnachtsfest 497, die dieser von ihm erbeten hatte nach der letztlich erfolgreich geschlagenen Schlacht von Zülpich im Jahre 496. Bei der Taufe soll Remigus  gesprochen haben: „Beuge nun, stolzer Sicamber (alte Bezeichnung für die Franken), dein Haupt und unterwirf es dem sanften Joch Christi! Bete an, was du bisher verbrannt hast, und verbrenne, was du bisher angebetet hast!“

Mehr über ihn....

HRABANUS - 8./9. Jahrhundert                                                       EIN ABT LEHRT SEINE MÖNCHE ARITHMETIK

Der junge Rabanus Maurus (links), 

unterstützt von seinem Lehrer Alkuin, dem Abt des Stifts St. Martin zu Tours (Mitte), überreicht dem Heiligen Martin, Erzbischof von Tours, sein Werk De laudibus sanctaes crucis.

Darstellung in einem Manuskript aus Fulda um 830/40 (Wien, ÖNB cod. 652, fol. 2v; freigegebenes Foto)

 

Theologisch ragte zu jener Zeit Hrabanus Maurus (780-856) heraus. Abt Alkuin, der wichtigste und berühmteste Berater Kaiser Karls des Großen, war sein Lehrer. Selbiger gab ihm auch den Namen Maurus (übersetzt: der Seher). Hrabanus Maurus war ein Mann universaler Bildung, ein großer Förderer des Bildungswesens, daher sein Ehrenname „Lehrer Germaniens“ (Praeceptor Germaniae). 822 zum Abt des Klosters in Fulda ernannt; im hohen Alter von 67 Jahren, 847 n. Chr., als Erzbischof auf den damals wichtigsten Bischofsstuhl nach Mainz berufen.

 

MÖNCHE STUDIEREN ARITHMETIK

In Fulda hatte er seine Mönche aufgefordert, Arithmetik zu studieren, um unter anderem die Zusammenhänge der mystischen Zahlen der Bibel begreifen zu können. Von ihm, dem gelehrten Theologen und Schriftsteller, sind wichtige Schriften erhalten, zum Beispiel der Figurengedichtzyklus "De laudibus sanctae crucis" (Vom Leib des Heiligen Kreuzes), dessen wichtigste Abschrift sich in der Vatikanischen Bibliothek befindet; vgl. auch ...

ERSTE UNIVERSITÄTEN - 11./12. Jahrhundert                        GENIESSEN HEUTE NOCH WELTRUF

Die ersten in Bologna (1088) und Paris (1160) gegründeten Universitäten haben bis heute ihren Ruf erhalten, im besonderen Maße die der von Oxford und Cambridge in 1167 resp. 1209. Das spanische Palencia folgte in 1212, Salamanca in 1218. Die erste deutschsprachige Universität wurde erst im Jahr 1348 eröffent und zwar in Prag im heutigen Tschechien, gefördert von Papst Clemens VI.

Hier wurden die Sieben Freien Künste, die septem artes liberales gelehrt, ein in der Antike entstandener Kanon von sieben Studienfächern. Im Mittelalter waren es die Fächer Theologie, Medizin, Recht, Grammatik, Rhetorik, Arithmetik und die Musik.

 

Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle gelassen werden, dass die Ursprünge der Universitäten zumeist in den christlichen Klosterschulen und Domschulen zu finden sind, in welchen seit dem 6. Jahrhundert die Ordensleute, Mönche und Nonnen, den Unterrichtsstoff vermittelten. Schon recht bald wurde den Universitäten die Autonomie zugestanden; vgl. dazu die päpstliche Bulle von 1233 (Papst Gregor IX). Das in den universitas magistrorum et scholarium  vermittelte Wissen mit dem Abschluss des Magisters hatte nicht von ungefähr großen Einfluss auf die künftige Besetzung hächster Kirchenämter wie die der Äbte, Erzbischöfe und Kardinäle; seit dem 13. Jahrhundert mit über 50% Anteil. Die Lehren des Aristoteles verdrängten den Einfluss des Platonismus resp. Neuplatonimus.

Glauben und Wissen

Der heilige Bernhard von Clairvaux. Lorenzo di Bicci um 1435. 1373 - Florenz - 1452. Kunsthalle Bremen.

Kein anderer Zeitgenosse hat mehr Einfluss auf Kirche und Politik genommen als dieser große Heilige  des Mittelalters.

 

Bernhard lebte von 1090 bis zum 20. August 1153 in Clairvaux, Gründer des Klosters Clairvaux, das sich zur bedeutendsten Zistenzienserabtei entwickelte. Ihm wird auch Einfluss auf die Gründung des Templerordens zugeschrieben, ebenso auf Papst Eugen III. (Bernhard von Pisa, von 1145 bis 1153 Papst), der sich auch nicht scheute, explizit um seinen Rat zu bitten, war er doch zuvor Schüler Bernhards von Clairvaux gewesen. In Verbindung wird Bernhard auch mit dem nachher gescheiterten Zweiten Kreuzzug gebracht; Papst Innozenz II. hatte ihn um die diesbezügliche Predigt gebeten. Zu den Kreuzzügen vgl. auch Lesenswertes. Geschichtliches neu bewertet.

 

Seine Diskussionen mit Peter Abälard (über die Rechtgläubigkeit),  Johann von Salisbury und Petrus Venerabilis sind legendär. Mehr über diesen großen Kirchenlehrer unter ....

 

Die Suchenden nach dem Wissen beschreibt Bernhard, vgl. dazu Josef Piepers Taschenbuch "Philosophen und Theologen im Mittelalter", topos Taschenbücher, 1960/2015, wie folgt:

  • "Das sind viele, die suchen Wissen um des Wissens willen: Das ist Neugier.

  • Da sind andere, die wünschen Kenntnis, um selber gekannt zu werden: Das ist Eitelkeit.

  • Andere suchen Wissen, um es zu verkaufen: Das ist unehrenhaft.

  • Doch gibt es auch welche, die Wissen suchen, um aufzuerbauen: Das ist Liebe (caritas).

  • Und wiederum andere gibt es, die Wissen suchen, um auferbaut zu werden: Das ist Klugheit."

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VERKNÜPFUNG VON WISSEN UND GLAUBEN 

Protagonisten dieser Ausrichtung: 

  • Anselm von Canterbury (1033-1109), Mönch, Theologe, Erzbischof: "Ich glaube, damit ich verstehe", Begründer der Scholastik. Möglicherweise adaptierte I. Kant für seinen kategorischen Imperativ Anselms Diktum, für den das Handeln erst gut ist, wenn es ihm um die Rechtheit des Willens um der Rechtheit willen geht; hier manifestierte sich bereits die erste Idee einer autonomen Moral, wenngleich in Gott begründet.  

  • Abt Bernhard von Clairvoux (1090-1153), der große Prediger, Theologe, Marienverehrer, Mystiker und Berater von Papst Eugen III.  

  • Albertus Magnus (1193-1280), der Universalgelehrte von Paris und Köln (Aristoteles), Bischof von Regensburg, Kirchenlehrer, Heiliger.

  • Thomas von Aquin (1225-1274), einer der einflussreichsten Philosophen und Theologen (schwerlesbare Abhandlungen), Kirchenlehrer, Heiliger, Schüler von Albertus Magnus, Mönch.

  • Bonaventura (1221-1274), gleichermaßen einer der bedeutendsten Philosophen und Theologen der Scholastik, Heiliger.

  • Franziskus von Assisi (1181-1226); über diesen großen Heiligen, nicht nur bedeutsam für die katholischen Christen, muss man nichts mehr sagen.

  • Mystiker vom Range eines Meister Eckhart (1260-1328) oder einer

  • Katharina von Siena, Patronin Europas (1347-1380).

  • Nikolaus von Kues (1401-1464), Kardinal, Theologe, Philosoph, Neuplatoniker, Mathematiker und profunder Islamkenner. Cusanus (Kues) zählte zu den ersten Humanisten.

  • Teresa von Avila, die im 16. Jahrhundert (1515-1582) in Spanien u.a. mit ihrem Buch Die innere Burg ein Meisterwerk der Weltliteratur entstehen ließ. Die große Mystikerin und Neuordnerin des Karmeliterordens offenbart im Bild der Burg einen praktischen Weg zur Einheit mit dem Göttlichen. Die ideale Reiselektüre für den nachdenklichen Jakobuspilger. 

  • Francisco Suarez (1548-1617), Theologe, Philosoph, Jurist: Er gilt als Vordenker und Vater des modernen Völkerrechts; entwickelt aus der Sicht des Theologen. Mehr über ihn schrieb Thomas Schmid in seinem lesenswerten Artikel in der "Welt" vom 28. September 2017:

    www.welt.de/print/die_welt/debatte/article169112068/Ihr-Voelker-der-Welt.html

     

HELL LEUCHTENDES HOCHMITTELALTER

Sie alle stehen für ein ausgesprochen hell leuchtendes Hochmittelalter, mitnichten verscheuchten sie die düsteren Schattengestalten des Mittelalters, wie der vormalige Herausgeber der "Welt", Thomas Schmid, meinte. Wie überhaupt festzustellen ist, dass überraschenderweise auch Chefredakteure bedeutender Zeitungen nach wie vor vom "dunklen" Mittelalter überzeugt sind; sich keiner Mühe unterziehen, zu recherchieren, sich auf den neuesten Wissenstand zu bringen. Hier ist Überzeugungsarbeit vonnöten. Ich bin dran. Es ist mühsam, aber durchaus erfolgreich.

 

ISLAM UND ARISTOTELES

Averroes (geboren 1126 in Cordoba, gestorben 1198 in Marrakesch), muslimischer Gelehrter und Hofarzt der berberischen Dynastie von Marokko, erklärte die aristotelische Physik für vollständig und unfehlbar, wie den Koran. "Wenn bestimmte Beobachtungen mit der Lehre des Aristoteles unvereinbar seien, dann könne das nur auf Irrtümern oder Täuschungen beruhen." Damit beraubte er sich der Möglichkeit weiterer Forschungen.

 

CHRISTENTUM UND PLATON

Die christlichen Scholastiker hingegen, die auch Platon und Aristoteles kannten, experimentierten und forschten und betrachteten die Werke der antiken Griechen nicht als unverrückbare Wahrheiten. Die Werke Platons und Aristoteles` sind übrigens im 7. Jahrhundert vom Griechischen ins Syrische und im 9. Jahrhundert aus dem Syrischen ins Arabische übersetzt worden - zumeist von christlichen und jüdischen dhimmis, sog. Schutzbefohlenen der Moslems.   

 

MUSLIMISCHER HISTORIKER IBN KHALDUN

ÜBER DIE ARABER, 14./15. Jahrhundert 

Der große, heute noch anerkannte und bewunderte Historiker, Diplomat und Philosoph, er lebte von 1332 bis 1402, gilt als Vorläufer der modernen Soziologie, hat schon früh ein hartes Urteil über die Araber gefällt. „Die Araber sind sich nur darin einig, sich nie in etwas einig zu sein.“

So beschreibt es jedenfalls der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels von 2011 Boualem Sansal (von Geburt Algerier) in seinem Buch „Allahs Narren“, Paris 2013, 6. Auflage 2016, Merlin-Verlag.

 

In seinen Betrachtungen geht er mit den damaligen Arabern hart ins Gericht. Ich zitiere aus dem Anhang 4 des Buches „Auszug aus der Muqaddima von Ibn Khaldun“ jeweils die jeweiligen Überschriften: 

 

25. Abschnitt: Die Araber vermögen nur über flaches Land Obmacht zu erlangen.

26. Abschnitt: Länder, die von Arabern erobert wurden, ereilt alsbald der Ruin.

27. Abschnitt: Die Araber können nur dann zu königlicher Herrschaft gelangen, wenn sie von einer religiösen Aura, sei es durch Prophetentum, Heiligkeit oder eine (andere) großartige religiöse Einwirkung umfangen sind.

28. Abschnitt: Von allen Völkerschaften sind die Araber am wenigstens geeignet, ein Königtum zu führen.

Die mittelalterliche Erde eine Scheibe. Mitnichten. Eine Mär von heute.

Der heilige Isidor. Eingangsbereich der gleichnamigen Basilika in Leon.

 

Wer mehr über diesen letzten lateinischen Kirchenlehrer wissen will, der schlage bitte entweder im Reisebericht nach - Etappe 22  oder unter dem Hauptmenüpunkt KATHEDRALEN > Santa Maria de Regla. Leon > Basilika San Isidor. Leon.

 

MITTELALTER SPRICHT VOM GLOBUS

Der heilige Isidor von Sevilla (570-636 n. Chr.), Kirchenlehrer und Erzbischof, bezeichnet die Erde in einem Begleitschreiben zu seinem Werk "De natura rerum" direkt als Globus (Kugel).

 

Der heilige Thomas von Aquin (1225-1274) sagt in seiner Summa theologica (I, q 1 a 1 ad 2): Der Sternenkundige beweist durch Sonnen- und Mondfinsternis, dass die Erde rund ist."

 

Der im Mittelalter gebräuchliche Reichsapfel symbolisierte übrigens die Erde.

Der Verfasser des bekannten Marienhymnus "Salve Regina", Hermann der Lahme (1013-1054), setzte Globen in seinem Unterricht ein.

 

Und last but not least sei auf Papst Silvester II. (999-1003) verwiesen. Er verfasste Abhandlungen darüber, wie man Globen anfertigt und welchen Umfang die Erde hat.

Die sog. Scheibentheoretiker gab es natürlich auch, zählten aber nicht zum Hauptstrom der Wissenschaft.

 

4. JAHRHUNDERT

KATHOLISCHER BISCHOF ERKLÄRT DIE MONDFINSTERNIS

Schon der heilige Bischof Ambrosius (339-397) von Mailand, Lehrer von Augustinus von Hippo, hatte über naturwissenschaftliche Erkenntnisse fabuliert, die mit der Bibel nicht zu erklären seien: "(...) wieviel Luftraum der Erdschatten bedeckt, wenn die Sonne von uns scheidet und den Tag entführt, um die untere Hemisphäre zu beleuchten; ferner wie sich die Mondfinsternis erklärt, wenn der Mond in den Schatten dieser Welt gerät. (...)."

 

Sicherlich hat er dabei auch die ihn stützenden Schriften antiker Philosophen wie unter anderem Pythagoras (570-510 vor Chr.), Parmenides (ca. 520-ca. 460 vor Chr.), Platon (427-347 vor Chr.) und Aristoteles (384-322 vor Chr.) vor Augen gehabt.

MENSCHENRECHTE UND SOZIALES

Papst Paul III. Geboren als Alessandro Farnese 1468, gewählt als Pontifex maximus am 13. Oktoer 1534, gestorben am 10. November 1549.

Er gilt als erster Papst der katholischen Reform. Alle Übel wurden freimütig aufgelistet. Der Papst förderte mehrere neuentstandene Ordengemeinschaften wie auch den Jesuitenorden, berief letztlich das wegweisende und heute noch vielfach zitierte Konzil von Trient im Jahre 1545 ein. Der große Wissenschaftler Kopernikus widmete dem Papst sein epochemachendes Werk "Über die Umläufe der Himmelskörper", während Martin Luther ihn als Antichrist bezeichnete: "Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet." Michelangelo malte auf seinen Auftrag hin in der Sixtina das Jüngste Gericht, 1547 wurde er zudem von Paul III. mit der Bauleitung der Peterskirche beauftragt. Eben dieser Papst unterstrich die Menschenrechte. 

 

PAPST VERBIETET VERSKLAVUNG

Mit der päpstlichen Bulle „Sublimis Deus“ (benannt nach den lateinischen Anfangsworten: Der erhabene Gott), verbot Papst Paul III. am 2. Juni 1537 die Versklavung der indianischen Ureinwohner Amerikas und aller anderen Menschen. Was soll man anderes dazu sagen, als dass schon zu jenem Zeitpunkt universale Menschenrechte festgezurrt wurden - von der katholischen Kirche. Papst Paul III. verdammte die Erniedrigung der Ureinwohner und sprach ihnen das Recht auf Freiheit und Eigentum zu.

 

DIE MENSCHEN IM MITTELALTER WAREN SOZIAL,

waren für einander da, gerade in Zeiten der Not. Wir Modernisten sind doch mehrheitlich Hedonisten, Libertinisten/Libertiner, Relativisten, Positivisten und Egoisten.

 

Nachfolgende Beispiele mögen das verdeutlichen.

ALMOSEN FÜR KRANKE

Die Fürsorge von Ordensleuten. Nonnen und Mönche verschiedenster Klöster versorgten die Armen mit Nahrung und Kleidung. Sorgten so für ihr Überleben. Vgl. auch Etappe 16 des Reiseberichts von Hornillos del Camino nach Castrojeriz: Französische Mönche halfen in San Anton kranken Pilgern.

 

SOZIALVERSICHERUNG

Als frühester Beleg für eine Sozialversicherung im europäischen Raum, so schreibt es die Zeitschrift Informationen zur politischen Bildung in ihrer Ausgabe Nr. 327, wird vielfach eine bischöfliche Urkunde angesehen, die 1260 nach Christus der Bergbruderschaft des Bergwerks Rammelsberg im Harz eine Sozialfürsorge für kranke und für die Hinterbliebenen verstorbener Bergleute zusichert. 

 

LEPRAKRANKE

Im Mittelalter wurden die Leprakranken entweder von den Angehörigen gepflegt oder in Leprosenhäuser versorgt. In England beispielsweise gab es nachweislich 320 solcher Häuser, gebaut und betrieben im jeweiligen Ort oder am Ortsrand an den Ausfallstraßen mit direkter Anbindung zu den Gesunden; vgl. auch Menüpunkt CAMINO FRANCES. Navarra.

Im 19. Jahrhundert hingegen, das Jahrhundert der Säkularisation, der Abwendung von Gott und Jesus Christus, der Vergottung der Naturwissenschaften, hat man die Leprakranken vertrieben, auf Inseln verbracht, wo sie dahinsiechten, wie Verbrecher und Mörder.

 

CARITAS IM HEILIGEN LAND 

zur Zeit der mittelalterlichen Kreuzzüge. Der extra gegründete Ritterorden namens Lazarus nahm sich der Kranken an: Caritas pur.

 

Welche Epoche ist nun als finster zu benennen?

Zusammenfassung                                 Humanismus, Reformation und Aufklärung:             Ein Produkt des christlichen Mittelalters.

So sieht es der deutsche Historiker Heinrich August Winkler in seinem zwischen 2009 und 2015 herausgekommenen vierbändigen Werk „Geschichte des Westens.“ Zuvor hatte er im Jahre 2000 den Bestseller „Der lange Weg nach Westen“ publiziert. Heinrich August Winkler war am 10. Dezember 2015 der Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung zugesprochen worden.

 

Ich zitiere wortwörtlich aus einem Artikel der Kreiszeitung Syke vom 11.12.2015.

„ (…) macht Winkler deutlich, dass er den Beitrag der christlichen Kirche zur Herausprägung des westlichen Denkens für weithin unterschätzt hält. Denn es war die mittelalterliche Kirche mit ihrem Zentrum Rom, in der sich erste Formen einer Gewaltenteilung zwischen weltlicher und geistlicher Macht, Kaiser und Papst sowie zwischen fürstlicher und ständischer Gewalt herausbildeten.

'Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist'.

 

Nur hier konnten sich nach Darstellung des Historikers die Emanzipationsprozesse der Renaissance und des Humanismus, der Reformation und der Aufklärung herausbilden. (…) „Im Westen dagegen (Hinweis: im Gegensatz zur Ostkirche) entwickelte sich aus der mittelalterlichen Gewaltenteilung die Trennung von gesetzgebender, vollziehender und rechtsprechender Gewalt.“

Identität Europas

"Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom - aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die Identität Europas."

 

Wer, wenn nicht Papst Benedikt XVI., konnte diese Europa erklärenden Worte sprechen - am 22. September 2011 vor dem Deutschen Bundestag.

Mein Fazit: ohne Antike, ohne Mittelalter keine Neuzeit.

1 Gonzalo Torrente Ballester, Santiago de Compostela - Ein Pilgerlesebuch. Die Originalausgabe unter dem Titel Compostela y su angel erschien 1948; die deutsche Ausgabe in 2007, Verlag Ludwig, Kiel.