TEMPLERORDEN

Ponferrada. Templerburg. Ursprünglich im 12. Jahrhundert als kleines Dorf erbaut. Von den Templern im 13. Jahrhundert ergänzt und mit Steinmauern befestigt bzw. geschützt. Die Templer blieben in Ponferrada bis 1308 nach Christus.

Einstimmung                                                    Spuren des Templerordens

Ponferrada. Templerburg. Ausstellung.

 

Um den Templerordeneigentlicher Name: Arme Ritterschaft Christi vom Salomonesischen Tempel, gibt es derart viele Mythen, Geschichten, Mutmaßungen, dass einem schon fast schwindelig werden kann. So ist es nicht verwunderlich, dass die US-amerikanische Filmindustrie und namhafte Autoren sich dieser Thematik angenommen haben und nach wie vor nach dem berühmten Templerschatz suchen lassen.

 

Die Templer, gerufen von den spanischen Königen, kämpften nachweislich für die Reconquista gegen die Mauren, bauten Burgen und halfen bei der Wiederbesiedlung der von den Muslimen zurückeroberten Gebiete. In welchem Ausmaße die Ritter des Templerordens die Jakobuspilger auf ihrem Weg nach Compostell geschützt, ihnen geistliche Betreuung haben angedeihen lassen, ist letztlich unerheblich. Überall am Wegesrand stößt der Pilger auf Spuren verschiedener Ritterorden, Templer wie Johanniter (Malteser) oder des Santiago-Ordens. 

Die Templerburg zu Ponferrada

In etwa so sah das „Tau“-Kreuz de los Condes de Lemos (1480) aus. Hier handelt es sich um die Abbildung eines Schmuck-Kreuzes.

 

Die berühmteste zu besichtigende Templerburg steht in Ponferrada. Der Besuch ist ein Muß für den geschichtlich Interessierten. Der ältere, nördliche Teil der Burg (Castillo Viejo) entstammt dem 12. Jahrhundert, die neue Burg (Palacio Nuevo) wurde 1480 fertiggestellt unter der Ägide des Grafen von Lemos, Pedro Alvarez de Osorio; der restliche Teil wurde im 19./ 20. Jahrhundert ergänzt.

 

Man geht davon aus, dass es sich bei der ursprünglichen Burganlage um eine keltische Befestigungsanlage handelt. 1178 nach Christus erlaubte König Ferdinand II. von Leon den Templern den Bau der Festung – als Schutz der Pilger auf ihrem Weg nach Compostell. Nach der Auflösung des Templerordens 1307 wurde Ponferrada 1308 dem Bruder des Königs Ferdinand IV. von Kastilien und Leon übergeben. Der letzte spanische Templermeister Rodrigo Yanez wollte so die Burg vor der Konfiszierung schützen.

 

Von 1850 bis 1924 war die Burg dem Verfall preisgegeben, die Mauern verkauft, als Baumaterial benutzt, der Burghof als Weideland vermietet. Heute kann der Besucher die Burg erforschen und ergehen auf extra dafür geschaffen Burgwegen (Ronda Alta / High Wall Walk, Ronda del Sil / Sil (river) Walk, Ronda Baja / The Low Wall Walk)), die teils schon im 14./15. Jahrhundert kreiert worden sind. Ein Museum vermittelt weitere Einblicke. Wer mehr über diese sehenswerte Burg wissen will, sollte sie sich vor Ort anschauen oder im Internet recherchieren.

 

Weitere Burgen / Kirchen / Hospize / Refugios lassen sich nachweisen, mindestens aber vermuten in Puente la Reina (Iglesia del Crucifijo), Obanos (Santa Maria de Eunate), Torres del Rio (Iglesia del Santo Sepulcro), Manjarin (der Templertradition nachempfundene Herberge), Rabanal del Camino (Pfarrkirche; der Ritterorden führte zu seiner Zeit eine Pilgerherberge), Terradillos de los Templarios (Herberge), et ecetera.

 

Zielsetzung des Templerordens für Jerusalem

Ponferrada. Statue des Templerritters.

 

Die Templer, vom fränkischen Ritter Hugo de Payns Anno Domini 1119 in Jerusalem gegründet, hatten sich zum Ziel gesetzt, das Heilige Land vor den Muslimen zu schützen. Das schaffen sie bis 1291. In der Schlacht von Akkon wurden sie schließlich von den Mamelucken vernichtend besiegt. Das Heilige Land war verloren, es gab keine Pilger mehr, die es zu schützen galt. Der Niedergang der Templer nahm seinen Lauf.

 

638: MUSLIME EROBERN JERUSALEM

Im Jahre 638 war Jerusalem das erste Mal erobert worden — von Mohammeds Gefolgsmann Umar ibn al-Chattab. Die Christen durften bleiben, als dhimmis, die Juden zunächst nicht. Entgegen der Zusage des Kalifen wurden später die Christen verfolgt, schikaniert, bis hin zu Massakern und Verwüstungen. An dieser Stelle seien hilfsweise die Vorkommnisse der Jahre 796, 809, 813 und des Palmsonntags von 923 nach Christus genannt.

 

1009: KALIF AL-HAKIM ZERSTÖRT DIE AUFERSTEHUNGSKIRCHE

Das setzte sich unter dem fatimidischen Kalif al‐Hakim fort. Er beließ es 1009 nicht mehr bei der nur den Christen auferlegten Religionssteuer: Die konstantinische Auferstehungskirche wurde zerstört, das Heilige Grab geschleift, damals eine komplett erhaltene Felsenhöhle, dem Feuer ausgesetzt. In seinem Reich wurden in den Folgejahren mehr als 30.000 Kirchen enteignet, geplündert, die Christen aus den öffentlichen Ämtern gedrängt oder zur Annahme des Islam gezwungen.

 

BYZANZ BITTET DEN PAPST UM HILFE

Nachdem auch der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos um Beistand für sein bedrohtes Konstantinopel gebeten hatte, die muslimischen Seldschuken standen 150 Kilometer vor seiner Hauptstadt, rief Papst Urban II. daraufhin 1095 zum gerechten Krieg auf, der erst später als 1. Kreuzzug bezeichnet wurde.

Zerschlagung des Templerordens

Burg von Ponferrada.

 

Der ursprünglich von Bernhard von Clairvaux (Oberhaupt des Zisterzienserordens) unterstützte Orden, er hatte auch auf dem Konzil von Troyes 1128 die Templer-Ordensregeln mit 72 Artikeln verfasst, weckte Begehrlichkeiten ob seines Reichtums. Auch war der Orden dem französischen König Philipp IV. dem Schönen zu groß und zu mächtig geworden. Da kam es Philipp sehr gelegen, als ein abtrünniger Templer seinen Orden der Idolatrie (Götzendienst), der Häresie, der Sodomie und des Paktierens mit den Muslimen bezichtigte; ebenso perverser sexueller Praktiken der Templer beim Gottesdienst.

 

JAQUES DE MOLAY

Der Großmeister des Ordens, Jacques de Molay (1244-1314), bat daraufhin Papst Clemens V. um eine Untersuchung gegen sich selbst und den Orden. Er war von der Haltlosigkeit der Vorwürfe überzeugt. Philipp der Schöne und sein Berater Guillaume de Nogaret warteten die Untersuchung nicht ab, sie hatten es auf den Schatz der Templer abgesehen, und ließen an einem einzigen Freitag, dem 13. Oktober 1307 alle erreichbaren Templer verhaften, das Vermögen des Ordens beschlagnahmen (ein Geniestreich), und machten so Freitag, den 13. für immer zum Unglückstag. 

 

PHILIPP DER SCHÖNE

1312 verbot Papst Clemens V., völlig unter dem Einfluss des Königs stehend, den Orden und veranlasste dessen endgültige Auflösung. Die zwischenzeitlich erfolgten Hinrichtungen von Tempelrittern machten auch nicht vor Jaques de Molay halt, dem letzten Hoch-/Großmeister des Ordens.

Die französische Polizei ging bei ihren Verhörmethoden äußerst brutal vor, ließ sich dabei von Denunziationen leiten, erpresste die Geständnisse mit brutaler Folter. Ein päpstliches Gericht verurteilte daraufhin Jacques de Molay und drei weitere Würdenträger zu lebenslangem Kerker. Als sie dann später widerriefen, sie hatten erkannt, dass alles verloren war, ließ der König den Großmeister am 18. März 1314 auf der Ile de la Cite in Paris auf dem Scheiterhaufen qualvoll verbrennen. Dem Papst wurde keine Chance des Eingreifens gegeben. Historiker erkennen in dem von König Philipp IV. initiierten und überwachten Inquisitionsverfahren einen Vorläufer der politischen Schauprozesse des 20. Jahrhunderts.

 

Den macht– und vor allem finanzpolitischen Vorteil, den sich der König damit verschafft hatte, konnte er selbst nicht mehr lange genießen. Wie der äußerst schwache Papst starb auch er im Jahre 1314; mehr oder weniger vorhergesagt von Jaques de Molay. Molay hatte beide, König wie Papst, auf dem Scheiterhaufen verflucht und beiden vorhergesagt, dass sie innerhalb eines Jahres vor Gottes Richterstuhl gerufen werden würden. Papst Clemens V. starb an Krebs und König Philipp der Schöne bei einem Jagdunfall. Die Kinder des Königs galten als die verfluchten Könige. Seine Dynastie der Kapetinger fand  sieben Jahre später ein Ende. Der legendäre Schatz der Templer wurde nie gefunden, bis heute.