DER ORDEN DES SANTIAGO

Unsere Jakobsmuschel mit dem Santiago-Kreuz.

Einstimmung                                                         Das Santiago-Ritterkreuz

Cross of Saint James. Freigegebenes Foto.

 

Das Santiago-Ritterkreuz ist nach wie vor präsent. Am Camino Frances. Nicht wenige Jakobspilger sind irritiert. Über Jakobus als Matamoros / Maurentöter sowieso (vgl. dazu Menüpunkt Mauren. Reconquista. Matamoros), und nun trägt man gar eine Jakobsmuschel am Rucksack, die mit dem Emblem des Santiago-Ordens geschmückt ist, dem in Schwertform stilisierten Ritterkreuz.

Was hat es damit auf sich?

 

Die drei oberen Enden des Kreuzes symbolisieren Lilien - als Zeichen der Liebe Jesu Christi. Wir alle sind also Träger der Liebe Gottes. Das Schwert, seinerzeit durchaus von realer Bedeutung, könnte man heute als Symbol der inneren Kraft sehen, für seinen Glauben stehen, ihn bekennen.  Der Orden ist zunächst nicht zum Schutz der Pilger gegründet worden. Er wurde vielmehr gegen die islamischen Eroberer an den oft weit entfernten Grenzen von Leon-Kastilien eingesetzt.

 

Namensgebung des Santiago-Ordens

Die Schlacht von Clavijo vor AugenJakobus soll der Legende nach auf einem weißen Pferd reitend am 23. Mai 844 das Heer der Christen zum Sieg gegen die Mauren geführt haben, nannte sich der 1170 im Jahre des Herrn von König Alfons VIII. gestiftete Ritterorden zunächst „Santiago vom Schwert.“ Papst Alexander III. bestätigte fünf Jahre später die Gründung.

 

Infolge ihrer Erfolge im Rahmen der Reconquista, der Rückeroberung der von den Mauren/Muslimen eroberten Gebiete, wurde der Orden u.a. durch Schenkungen der Fürstenhäuser immer reicher und mächtiger. Das weckte Begehrlichkeiten. Während der Templerorden geradezu in einem Geniestreich liquidiert wurde (an einem einzigen Freitag, dem 13. Oktober 1307, vgl. dazu den Unterpunkt Templerorden), schaffte es der Santiago-Orden immerhin bis ins 16. Jahrhundert. 

 

Sidestep. Der älteste Ritterorden Spaniens wurde bereits 1158 unter König Sancho III. von einem Zisterzienser Abt namens Raimundo Serrat ursprünglich gegründet zwecks Verteidigung des Schlosses Calatrava in Neukastlilien gegen die Mauren. Daher sein Name Calatravaorden. Die Mitglieder kleideten sich zunächst wie Mönche, später trugen sie einen weißen Mantel mit einem roten Lilienkreuz.

Organisation des Santiago-Ordens

Dem Orden stand ein Großmeister vor, ausgestattet mit großer Machtfülle. Ihm zur Seite, das gilt prinzipiell für alle geistlichen Ritterorden, stand das Kapitel, ein Rat der angesehensten Brüder.

Ihr Habit bestand aus einem weißen Augustinermantel mit aufgenähtem roten Kreuz und Muschel als Sinnbild der Pilgerschaft nach Santiago de Compostela. Sie lebten nach der Regel des heiligen Augustinus.

Sie verpflichteten sich auf die Gelübde der Armut und des Gehorsams, nicht jedoch auf das der Keuschheit. Als Novum kann es gelten, dass der Orden auch die Ehefrauen der Ritter als Mitglieder akzeptierte.

 

Auf die Bitte von König Ferdinand II. und Isabella I. hin, viele Skandale hatten die Reputation des Ordens erschüttert, übertrug Papst Alexander VI. im Jahre 1499, nach dem Tod des letzten Hochmeisters, die Verwaltung des Ordens auf das Königspaar. 1523 wurde die Hochmeisterwürde schlussendlich von Papst Hadrian VI., inclusive des Alcantara- und Calatravaordens, auf die spanische Krone vereinigt.

 

Das Parador von Leon. Ein Pilgerhospital?

Leon. 5 Sterne-Hotel Paradores. Plaza San Marco.

Im 12. Jahrhundert Versammlungsort der Ordensritter.

 

Der heutige Pilger wird

auf seinem Weg nach Compostela, wie oben bereits angedeutet, direkt wie indirekt an den Santiago-Orden erinnert.

 

So auch in Leon. Kurz bevor er die Stadt verlässt, die alte Pilgerbrücke über den Rio Bernesga quert, wandert sein Blick nach rechts zum Pilgerkreuz und zum 5-Sterne-Hotel Parador de Leon. Das Hotel war ursprünglich einmal ein Pilgerhospital gewesen. Das angeschlossene Kloster San Marcos, Baubeginn im 16. Jahrhundert, ergänzt ein Gebäude des 12. Jahrhunderts, das weiland als Versammlungsort des Santiago-Ordens genutzt worden war.