JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE.

Europäische Wege der Jakobspilger. Das spanische Wegenetz hat mittlerweile einen beachtlichen Umfang angenommen; vgl. dazu den Menüpunkt Spanische Wege in der linken Spalte. 

Weitere Fotos: Landkarte 17. Jahrhundert - abfotografiert in Los Arcos. Mittelalterliche Karte des Sant de Iago von Ostabat nach Compostela - gesehen in Sahagun.

Einstimmung                                                            El camino comienza en su casa                            Der Weg beginnt in deinem Haus

Der Jakobsweg beginnt vor der Haustür.

 

Die obige Karte verdeutlicht die Richtigkeit dieses Satzes. So haben wir nicht von ungefähr Pilger kennengelernt, die wochenlang unterwegs waren, bevor sie überhaupt die Pyrenäen erreichten; unter anderem von Würzburg, Freiburg und Norddeutschland; zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Die Mundpropaganda sprach von einem Pilger aus Weißrußland. Mehr denn je wird in den höchsten Tönen von den französischen Wegen, den Chemins de Saint-Jacques gesprochen; der Abstecher zum Marien-Wallfahrtsort Lourdes in den Pyrenäen inklusive. Die unvollständige Karte berücksichtigt nicht die Heimatorte vieler uns - nomen est omen - über den Weg gelaufenen Pilger von Übersee, beispielsweise aus den USA, aus Kanada, Süd-Korea, Japan, Mexiko, Brasilien, Australien.

 

Ein Lob ist den vielen Ehrenamtlichen und Mitgliedern der

deutschen Jakobus-Gesellschaften und Vereinigungen auszusprechen.

Mit viel Liebe und Engagement zeichnen sie das größer werdende Netz der deutschen Pilgerwege aus.  

Motive der modernen Jakobspilger

Direkt vor uns zwei Pilger, mit denen wir immer wieder Teilstücke (hier: auf dem Weg nach La Faba) zusammen gegangen sind. So unterschiedlich ihre Motive, den Camino zu gehen, so unterschiedlich ihre Vita: Er ein strenger Richter aus Bayern; sie eine Frau aus Norddeutschland, die schon viel auf der Via de la Plata erlebt hat. 

 

Freude am Wandern? Menschen kennenlernen? Sportive Betätigung? Weil es gerade en vogue ist? Just for fun? Zwecks Selbstfindung?

 

Weil die Reise auf den Spuren der Jakobswege eine faszinierende Entdeckungsreise in die europäische Kultur und Geschichte sein kann?

 

Oder aus religiösen Gründen? Als "Peregrino autenticos"? Weil man einfach dem Herrgott für sein bisheriges Leben danken will. Auf dem Weg. Auf dem Camino Frances. In Santiago in der Kathedrale. Am Grab des Apostels.

 

Die Homepage des Klosters Einsiedeln, einer der Hauptorte des Schweizer Jakobsweges, drückt es (2013) klassisch wie folgt aus, ich zitiere: 

 

"Beim Pilgern nehmen Menschen sich Zeit, hören nach Innen und spüren im Gehen dem eigenen Lebensweg nach. Die Motive für eine Pilgerreise können sehr unterschiedlich sein. Einige suchen Antwort auf die grossen Fragen nach dem Sinn, nach Gott und der Liebe, manche wollen nur ein Stück Freiheit wieder gewinnen, und oft ist der Grund für eine Pilgerreise den Menschen selbst verborgen und enthüllt sich erst auf dem Weg selbst. Auch wenn die Gründe für den Aufbruch unterschiedlich sind, in vielem sind Pilger auf der ganzen Welt einander ähnlich: Sie sind Suchende, sie vertrauen auf die Kraft und Erfahrungstiefe alter Wege und Orte, sie nehmen sich Zeit, um ihrer Beziehung zu sich selbst und zu Gott Raum zu geben."

Motive der mittelalterlichen Pilger

Bitte schlagen Sie oben links den Untermenüpunkt "Auf den Spuren des heiligen Jakobus" mit der Verzweigung "Geschichte der Jakobspilgerschaft." Dort werden Sie genügend Informationen vorfinden. Bitte durchscrollen, danke.

Der Weg entsteht beim Gehen

"Ich fühle, dass ich bin.

Ich habe den Ruf des Weges gehört, verarbeitet, könnte immer so weiter gehen." - unbekannter Autor.

 

Der heilige Jakobus wird, ob man es will oder nicht, ständiger Begleiter auf dem Weg. Überall am Wegesrand stößt man auf ihn. In den Kapellen, in den Kirchen, in den wuchtigen Kathedralen. So manches an den Heiligen gerichtete Stoßgebet hilft auch heute die Strapazen des Weges überstehen.

 

Denn eines sollte dem Pilger vor Antritt des Camino de Santiago, spätestens in Saint-Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen, klar sein. Über achthundert, teils strapaziöse, Kilometer liegen vor ihm. Ist er sich dessen wirklich bewusst? Achthundert Kilometer reich an Historie, Geschichten und Heiligenlegenden. Von Navarra, durch La Rioja, via Burgos und León, den Provinzstädten von Kastilien-León, durch unendlich scheinende Getreidefelder der Meseta, der heißen spanischen Hochebene, durch das Land der Maragatos, über die Montes de León mit dem Cruz de Ferro, auf dem Camino duro, dem harten Weg, nach O Cebreiro, durch mittelalterlich anmutende, verarmte Bauerndörfer ins hügelige, grüne, bewaldete, häufig regnerische Galicien.

 

Je weiter er Compostela entgegenschreitet, je mehr wird er auf freundliche Mitpilger treffen, die nicht den sportiven Beweggrund ihres Caminos in den Focus rücken, die nachdenklich geworden sind, sich fragen, warum sie wirklich den Camino gehen, die ihm gleichwohl möglicherweise einen Herbergsschlafplatz streitig machen. Nicht selten wird er also schon um die Mittagszeit die ersten Rucksäcke vor den Herbergstüren abgestellt sehen. Dann wird er weiter gehen, im nächsten Ort ein Refugium suchen, gegebenenfalls ein günstiges Hostal ansteuern.

 

In 2006 ließen sich etwas mehr als 100.000 Pilger in Santiago registrieren, davon pilgerten über 82.000 auf dem Camino Frances; in 2015 waren es schon über 262.000 (davon auf dem CF über 172.000). Auch darüber wird er nachdenken (müssen).

 

Die Pilgermesse in der Kathedrale des Santiago de Compostela ist bewegend. Emotionaler Höhepunkt für den Peregrino autenticos wie für Nichtgläubige, Agnostiker und Atheisten. 

Was erwartet Sie auf den folgenden Seiten?

Die obigen Themen werden Sie hoffentlich schon entsprechend eingestimmt haben. Die Motive mögen sich über die Jahrhundert geändert haben, der Weg bleibt der gleiche.  Wenn Sie einen Blick nach links werfen, werden Sie feststellen, dass Sie viel Geschichtliches erwartet.

  • Pilger, wer ruft dich? Welche geheime Macht  lockt dich an?

  • Auf den Spuren des heiligen Jakobus. Translation. Eine Legende. Jakobus in Spanien. Entdeckung des Grabes. Geschichte der Jakobspilgerschaft.

  • Die Ritterorden. Calavatra. Santiago-Orden. Templer. Verfolgte Pilger.

  • Reconquista. Muslimische Eroberungen. Rückeroberung. Karl Martell. Karl der Große. Matamoros. Schlacht von Clavijo. Moses Maimonides. Muslimische Feldzüge gestern und heute.

  • Pilgerwege mittelalterlicher Zeitzeugen. Codex Calixtinus. Ritter Arnold. Hermann Künig von Vach. Domenico Laffi. Deutschsprachige Pilger. Wallfahren im Mittelalter.

  • Hell leuchtendes Mittelalter. Verknüpfung von Glauben und Wissen. Menschenrechte. Soziales. Innovative Epoche der Menschheit. Schriftreform. Dombaumeister. Erde als Globus. Bedeutende Theologen und Heilige. Franken retten antike Schriften.

  • Jakobswege. Spanien. Portugal. Frankreich. Deutschland.

  • Marien-Wallfahrtsorte Lourdes und Fatima.