LAS HUELGAS

Burgos. Königliches Kloster Santa Maria la Real de Las Huelgas. Freigegebenes Foto.

Nonnenkloster Las Huelgas                                 700 Jahre autark

Das königliche Kloster Santa Maria la Real de Las Huelgas, auf der anderen Seite des Flusses liegend, knapp zwei Kilometer von der Kathedrale entfernt, weist eine - heute vergessene - Besonderheit auf. Bis ins 19. Jahrhundert „herrschten“ hier Äbtissinnen quasi mit den Vollmachten eines Bischofs. Erwähnenswert ist gleichermaßen, dass das Kloster noch heute ein von den Mauren erobertes Banner beherbergt aus der Schlacht bei Las Navas de Tolosa im Jahre 1212, einer der entscheidenden Schlachten der Reconquista. Der Reihe nach.

 

Das Nonnenkloster der Zisterzienserinnen wurde 1187 vom kastilischen König Alfons VIII. (1158-1214) und seinen Ehefrau Eleonore gegründet. Ihre Grablege befindet sich nicht von ungefähr im Kloster als eine weitere Besonderheit für ein Nonnenkloster. Die erste Äbtissin war Dona  Misel von der Abtei Tuelbras in Navarra kommend. Von Anfang an wurde das Kloster reich beschenkt. Ihre Äbtissin trug teilweise den Tiel prelatus und somit Grundherrin über mehr als 70 Ortschaften, Teile von Burgos zählten dazu. Sie erließ litterae dimissioriae: bestellte also Pfarrer und ließ Männer zur Priesterweihe zu, erteilte die Beicht- und Predigtvollmacht, die sie selbst an sich nicht ausführen durfte.  Damit hatte sie quasi-bischöfliche Vollmachten inne, analog der sonst üblichen Gewaltenteilung in den Erzdiözesen mit dem Erzbischof (für das Administrative und Weltliche zuständig) und dem Weihbischof, der alle Weihehandlungen vornahm. Dagegen opponierten jahrhundertelang vor allem die Bischöfe von Burgos, die sich natürlich auch in ihrer männlichen Macht eingeschränkt sahen. Sie konnten allerdings zu Recht auf die Apostolizität verweisen, die nun einmal sich in den - männlichen - Aposteln manifestiert. Erst 1873 schaffte es der Erzbischof von Burgos, Anastatio Rodrigo Yusto, sich gegenüber der Äbtissin Maria del Pilar Ugarte durchzusetzen, sich das Kloster einzuverleiben - mit der Hilfe von Papst Pius IX. (1846-1878.) 

 

Man muss sich das einmal vorstellen, wie selbst Bischöfe und Kardinäle der jeweiligen Äbtissin huldigten, sie in ihre Mitte aufnahmen. Sehr plastisch zeigte es die ZDF-Dokumentation am 26.12.2015 mit dem Titel Die Äbtissin mit der Inthronisation der 34. Äbtissin Catalina Sarmiento in 1555; sie regierte bis 1566. Sie erhielt von den anwesenden Bischöfen aus Burgos und Santiago de Compostela nicht nur den Bischofsring aufgesteckt, die Mitra aufgesetzt, den Hirtenstab überreicht, sondern nicht zuletzt den Bruderkuss, und das alles unter den Augen der königlichen Familie. Ich hätte dabei sein wollen. Und überhaupt. Das Nonnenkloster strahlte Macht und Reichtum aus, unter anderem festzuhalten an den riesigen Wandmalereien mit Kriegsmotiven und vor allem am weithin sichtbaren Turm, der vom Ordensgründer der Zisterzienser, dem heiligen Bernhard von Clairvaux (1090-20.08.1153; Mystiker, Marienverehrer, Papstberater, Kirchenlehrer,  bereits 1174 heiliggesprochen), an sich als verboten galt. Er predigte nämlich auch gegenüber seinen Mitbrüdern und-schwestern die Demut.

 

Bei meinem nächsten Jakobsweg werde ich das Kloster Las Huelgas nicht links liegen lassen. Auch und gerade, um mir die Kapelle des Heiligen Jakobus anzuschauen, mit einer aus dem 13. Jahrhundert stammenden Decke. Übrigens, Las Huelgas Reales bedeutet in etwa königliches Freizeitdomizil. Dieses hatte weiland bei der Gründung des Klosters weichen müssen.