PROVINZSTADT BURGOS: El Cid. Kathedrale. Cartuja de Miraflores. Las Huelgas

Burgos. Statue El Cid. Berühmter Nationalheld während der Reconquista. 

Einstimmung zu den Provinzstädten                Burgos, León und Astorga

Jede Stadt ist unverwechselbar. Burgos, eine Industrie- und Handelsmetropole ist eng mit El Cid verbunden. León ist bekannt für seine religiösen Feste und (Karfreitags-) Prozessionen. Astorga ist völlig zu Recht stolz auf seine römisch geprägte Vergangenheit. Alle drei Städte eint indes ihr mittelalterlicher Bezug, ihre Nähe zum Jakobusweg und die Schönheit ihrer Kathedralen. Kenner zählen sie zu den imposantesten und eindrucksvollsten Spaniens. Der Reisebericht geht darauf ein. 

Etappe 14 beschreibt Burgos, die Etappen 22 und 23 gehen auf León ein und Etappe 24 konzentriert sich auf Astorga.

Zu Leon und Astorga bitte den übernächsten Menüpunkt KASTILIEN-LEON anklicken, danke.

Informatives für den Pilger

Der Grenzstein bei Redecilla del Camino, kurz hinter Santo Domingo de la Calzada, trennt die Regionen La Rioja und Kastilien-Leon. Bis Burgos wird der Pilger auf rund neunundsechzig Kilometern die Ortschaften Belorado, Montes de Oca, San Juan de Ortega und Atapuerca passieren.

 

Pilger, die nicht nur die Einsamkeit des Camino lieben, die unterschiedliche Landschaften und die mittelalterlichen Dörfer und Plätze schätzen gelernt haben, die ihren Blick erweitern und sich von schönen, geschichts- und kulturträchtigen Provinzstädten faszinieren lassen wollen, nehmen sich die Zeit, die sie brauchen, um Burgos, León und auch Astorga nicht im Vorbeigehen abzuhaken.

Burgos

Burgos. Flanierboulevard Paseo Espolon.

Hauptstadt der Provinz Burgos der autonomen Gemeinschaft Kastilien-León, rund 180.000 Einwohner.  Burgos` Entstehung ist auf den Kampf gegen die Mauren zurückzuführen, als Festung gegen die angreifenden Muslime gedacht. Diego Rodrigues Porcelos, Graf von Kastilien, folgte damit im Jahre 884 der Anweisung von Alfons III. dem Großen, König von Leon. Schon rasch mutierte die Stadt zu einer der wichtigsten Pilgerstationen, festzumachen an der Vielzahl der Herbergen und Hospitäler. Hinzu kam der Neubau der Kathedrale Santa Maria, beginnend in 1221. Der erste Gottesdienst konnte bereits in 1231 gefeiert werden. Sicherlich ein bewegender Moment sowohl für die Einheimischen wie für die Pilger. 

Grafen und Könige machten aus Burgos eine Residenzstadt, einhergehend der Ausbau zu einem wirtschaftlichen Zentrum. Die Menschen siedelten sich um das Castillo de Burgos (Kastell) herum an, das auf dem rechten Ufer des Rio Arlanzon liegt.

Nach der Vereinigung der Königreiche Galicien, Kastilien und León durch König Fernando I. im Jahre 1037 erlebte die Stadt den beschriebenen gewaltigen Aufschwung, untermauert durch die Verlegung des Bischofssitzes in 1074 von Auca (Oca) nach Burgos.

Burgos. Statue El Cid.

 

11. JAHRHUNDERT. Ein bedeutsame Zeit für die Spanier. Denn in 1026 (andere sprechen vom Zeitraum 1045 bis 1050) wird nahe Burgos El Cid geboren, man vermutet in Vivar, bürgerlicher Name Rodrigo Diaz de Vivar.

Er starb 1099, bewundert von seinen Feinden und zeitweiligen Freunden, den Mauren/Sarazenen. Sie waren es, die ihn El Cid (Herr) nannten. Letztlich entschied er sich für seine spanischen, christlich-katholischen Landsleute.

 

Seine Grablege, zusammen mit seiner Frau Jimena, befindet sich in der Kathedrale, das riesige Reiterstandbild in der Nähe der Brücke Puente San Pablo. Nicht Wohlmeinende sprechen von ihm als Söldnerführer.

 

Der Cantar de mio Cid, ein Epos eines unbekannter Verfassers, zwischen 1195 und 1207 entstanden, beschreibt das Leben dieses kastilischen Adligen, sicherlich ein wenig euphemisierend das eines vorbildlichen Ritters. Der Cantar, nahezu vollständig erhalten, ist eines der frühesten Werke der spanischen Literatur. Vorlage für den 1961 unter der Regie von Anthony Mann entstandenen Film El Cid mit den Protagonisten Charlton Heston und Sofia Loren. Ein toller Film. Schauen Sie sich ihn doch an, als DVD erhältlich. Er verdeutlicht die damalige Situation: Muslime versus christliche Spanier. Heute dürfte er der political correctness wegen wohl kaum in Europa einen Financier finden.  

 

DAS KLOSTER HUELGAS (vgl. nächste Seite), auf der anderen Seite des Flusses, beherbergt ein von den Mauren erobertes Banner aus der Schlacht bei Las Navas de Tolosa im Jahr 1212, einer der entscheidenden Schlachten der Reconquista, siegreich geschlagen von den vereinigten Heeren von Kastilien, Aragon, Navarra und Portugal. General Francisco Franco erhob Burgos zur Basis seiner nationalen Regierung während des spanischen Bürgerkriegs 1936. Knapp zwanzig Kilometer weiter westlich auf dem Camino Frances, nämlich in der Iglesia von Hornillos del Camino, gedenken die Menschen der Ermordung eines ortsansässigen Priesters. Ermordet gleich zu Beginn des Bürgerkriegs 1936 in Madrid von den Republikanern, der Volksfront bestehend aus Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten, aus Hass auf den katholischen Glauben.

IM OSTEN DER INNENSTADT, ca. 4,2 Kilometer zu Fuß von der Kathedrale, immer entlang des Rio Arlanzon, erhebt sich das Kartäuserkloster Santa Maria de Miraflores (Cartuja de Miraflores), von Johann II. von Kastilien in 1401 gegründet, von König Heinrich III. an sich der Ruheresidenz. Absolut sehenswert ist das Mausoleum des Königs Johann II. und seiner Gattin Isabella von Portugal, das Eingangstor über das Atrium  mit dem Wappen des Stifters, das Kreuzgangstor, die Kapelle Santísimo Sacramento und das reich ornamentierte Hauptaltarretabel, incl. Pieta, Figuren der Jungfrau Maria und Johannes, Szenen der Verkündigung und Geburt Christi.  An den Seiten befinden sich neben mehreren Betenden die Wappen des Königspaars.

ZURÜCK ZUM MITTELALTERLICHEN PILGER. Er eilte über die heutige Calle de Fernan Gonzales vorbei an vielen Hospitälern zur Pilgerpforte seiner Kathedrale, der Puerta de la Coroneria. Dem Peregrino von heute steht der gleiche Weg offen, jedoch wird er das Nordportal, die ehemalige Pilgerpforte, geschlossen vorfinden. Er wird entweder die Herberge ansteuern oder via Praza Mayor den Haupteingang der Kathedrale, die Puerta del Sarmental. Die nicht minder berühmte und schöne Kirche San Nicolas liegt nur wenige Schritte von der Kathedrale entfernt, weiter nördlich die Iglesia de San Esteban.

UNSER EINDRUCK VON DER CITY IM JAHR 2006: Eine schöne, pulsierende Stadt, elegant gekleidete Menschen flanieren auf der Paseo Espolon, sitzen in ansprechenden Restaurants. Im zwanzigsten Jahrhundert erlebte Burgos eine starke Industrialisierung, untermauert von einem sich entwickelnden Dienstleistungssektor.

Die Beschreibung der monumentalen Kathedrale finden Sie unter dem Menühauptpunkt KATHEDRALEN.

Wer das elent bawen wel, 13. Jh., Strophe 13

Der künig von Hispanien der fuert ein kron, er hat gebawet drei spital gar schon in sant Jacobs eren, und welcher bruoder darin kumt, man beweist im zucht und ere.Strophe 14. Es war dem spitalmeister nit eben Vierthalbhundert bruedern hat er vergeben (vergiftet), Got lass nit ungerochen! Zu Burges (Burgos) wart er an eyn kreutz geheft, mit scharfen pfeilen durchstochen4

Fotos:

1. Reihe: Kathedrale Santa Maria. Hauptfront. 

              Kathedrale. Nordfront.

2. Reihe: Kathedrale. Innenhof

              Grablege El Cid mit Jimena.

3. Reihe: Standbild des Nationalhelden EL Cid in der Altstadt.

              Stadttor Arco de Santa Maria. Ursprgl. aus dem 14. Jh.; im 16. Jh.

              grundlegend im Renaissance-Stil erneuert. Der Triumpfbogen ist

              Karl V. gewidmet. Weiterhin sind hier mehrere Persönlichkeiten Burgos`

              verewigt, wie u.a. El Cid, alle dem Patronat der Santa Maria la Mayo

              zugeordnet, die ganz oben zu sehen ist. 

4. Reihe: Castillo de Burgos. 9. Jh. Nach dem Brand von 1739 und der

              Sprengung durch die Franzosen 1813 nur wenig übrig geblieben.

              Tor Castillo de Burgos.

5. Reihe: Vornehme Patrizierhäuser.

              Praza Mayor.

6. Reihe: Elegantes Haus am Paseo Espolon. Flanierboulevard.   

              Interessantes Gebäude nahe der Kathedrale.      

7. Reihe: Frauenfigur auf dem Flanierboulevard.

              Auch in der Stadt zu beobachten; in diesem Fall stadtauswärts auf dem

              Pilgerweg Richtung Hornillos des Camino.