RONCESVALLES - DAS ROLANDSLIED                     La Chanson de Roland

Poyo de Roldan. Rolandsberg. Kurz vor Najera. Der Kampf zwischen Roland, Heerführer Karls des Großen, und dem Riesen Ferragut von der muslimischen Seite soll der Legende zufolge an der Brücke San Juan Ortega in Najera stattgefunden haben.

Vorbemerkungen

Deutsche wie Franzosen reklamieren Kaiser Karl den Großen für sich. Die Franzosen und Engländer nennen ihn Charlemagne, die Lateiner Carolus Magnus. Geboren am 2. April 747, regierte er von 768 bis zum 28. Januar 814 (gest. in Aachen) das Fränkische Reich. Sein Vorfahre und Großvater Karl Martell (Carolus Macellus - Karl der Hammer; begraben in St. Denis) rettete das christliche Abendland mit seinem im Jahre 732 bei Tours / Poitiers errungenen Sieg über die muslimischen Sarazenen, die schon den größten Teil Spaniens (Hispania) unterworfen hatten.

 

So verwundert es nicht, dass König Karl der Große knapp fünfzig Jahre später in 778 dem Hilfeersuchen der muslimischen Statthalter von Barcelona und Girona folgt (beide hatten ihn in Paderborn aufgesucht), gemeinsam gegen Emir Ab dar-Rahman von Cordoba vorzugehen. Die abgesprochene kampflose Übergabe der Stadt Saragossas erfolgt nicht, die muslimischen Herrscher brechen ihr Versprechen. Mehrere parallele Beispiele untermauern diese muslimische Taktik wie beispielsweise an der Schlacht von Lepanto 1571 zu sehen und bei der Einnahme von Konstantinopel im Jahre 1453. In beiden Fällen hatten die muslimischen, osmanischen Herrscher den Christen freies Geleit versprochen, sie anschließend aber massakriert.

 

Wie auch immer, Karl musste seinen Spanienfeldzug abbrechen, die Sachsen revoltierten. Bei seinem Rückzug wird die Nachhut seines Heeres im Gebiet des Pyrenäenortes Roncesvalles, am Cisapass, von aufgebrachten Vaskonen, Vorfahren der heutigen Basken, überfallen.

Das Epos

Eremitage. Ibaneta-Pass. Rolandsdenkmal. Kurz vor Roncesvalles.

 

Und hier beginnt nun das monumentale Epos, die Legende, das Chanson de Roland, das Rolandslied; verfasst um das Jahr 1100 in altfranzösischer Sprache; vom Pfaffen Konrad um 1170 adaptiert und ins Mittelhochdeutsche übertragen und episch ausgeschmückt, insbesondere hinsichtlich des christlichen Grundtons.

 

Roland, auch Hrotland genannt, Karls Vasall und Heerführer, Chef der Nachhut, wird jetzt zum Lieblingsneffen König Karls und die Basken mutieren zu muslimischen Sarazenen. Rolands Stiefvater Ganelon will sich an Roland rächen, weil dieser ihn bei den Beratungen mit König Karl als Verhandlungsführer für das Gespräch mit dem König von Saragossa, Marsilius, vorgeschlagen hatte. Marsilius wiederum hatte zuvor dem fränkischen König suggeriert, sich ihm unterwerfen zu wollen und den christlichen Glauben anzunehmen. Von vornherein eine List. Ganelon tut sich mit dem Sarazenen zusammen und verrät seinen König Karl und lässt schlussendlich seinen Stiefsohn Roland stehenden Fußes in einen Hinterhalt geraten. Karl selbst war mit seinem Hauptheer, Ganelon vertrauend, gen Heimat vorangezogen. Rolands engste Getreue, namentlich Bischof Turpin (Stichwort Codex Calixtinus / Liber Sancti Jacobi) und Olivier, sowie seine gesamte Nachhut sterben auf dem Kriegsfeld durch die Hand der Sarazenen. Roland stirbt gleichermaßen, sein Schicksal sieht aber anders aus.

 

Aber lesen Sie selbst: Das altfranzösische Rolandslied in der Übersetzung von Wolf Steinsieck aus 1999/2015 und Das Rolandslied des Pfaffen Konrad (Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch) aus 1993/2011, beide Bücher erschienen im Reclam-Verlag. Ich rate jedem, dieses Epos, als das Schlüsselwerk der europäischen Literatur des Mittelalters bezeichnet, nicht mit den heutigem Verstand und Wissen zu lesen. Vertiefen Sie sich in die damalige Zeit, als Christentum und „Staatsgebilde“ eine Einheit darstellten, dann wird man die verstörenden Beschreibungen der kriegerischen Aktivitäten und des Gerichtsurteils am Königshof in Aachen besser verstehen.

 

Das Rolandslied des Pfaffen Konrad

Vorgeschichte, Zeilen 17 - 27

Karl war der Sohn Pippins.

Große Ehre und Gewinn

hat der Fürst erkämpft,

die wilden Heiden besiegt,

so dass sie das wahre Licht erkannten.

Vorher hatten sie nicht gewusst,

wer ihr Schöpfer ist.

Weiter und immer weiter

stieg der Kaiser zur Vollkommenheit auf,

von der Kindheit zur Reife,

von der Reife bis in das Alter.

 

Ansprache Rolands, Zeilen 5806 -  5828

Roland richtete sich im Sattel auf

und sagte: “Wohlan, fromme Franzosen,

ich bitte euch im Namen der Liebe des wahren Gottes,

fürchtet ihre große Stärke nicht.

Es sind die erbärmlichsten Feiglinge.

Wenn sie auch mehr Ritter haben,

so verleiht uns Gott doch die allergrößte Kraft.

Noch heute werden sie zum Schemel unserer Füße.

Sie werden einen jämmerlichen Tod finden.

Wir werden sie in ihrem Blut zertreten.

Auf, tapfere Helden,

denkt daran, was euch dafür verheißen ist.

Wir wollen die Seele befreien.

Wem Gott die Gnade schenkt,

für seinen Schöpfer hier zu sterben -

das nämlich ist Christus,

der um unsertwillen gemartert wurde-,

der hat das Kreuz auf sich genommen.

Der aber ist endgültig

zu königlichen Ehren gekommen,

wer seinen Herrn

in seiner Gottheit schaut.

Dafür lohnt es, dass ihr leidet.“  

 

Das altfranzösische Rolandslied

Olivier bittet Roland, den Olifant zu blasen, Zeilen 1050 - 1058

Olivier sagte: „Die Heiden haben eine große Heeresmacht,

Und ich sehe, dass unsere Franken viel weniger zahlreich sind.

Roland, mein Gefährte, so blast doch in Euer Horn:

Karl wird es hören, und das Heer wird umkehren.“

Roland antwortete: „Ich würde wie ein Narr handeln

Und dadurch im lieblichen Frankreich mein Ansehen verlieren.

Ich werde gleich mit Durendal gewaltig zuschlagen,

Blutrot wird die Klinge sein, bis hin zum goldenen Stichblatt.

Die heidnischen Schurken sind zu ihrem Unheil zu den Pässen gekommen.

Ich schwöre Euch, sie sind alle zum Tode verurteilt.“

 

Zum Abschluss einige erklärende Worte zu den berühmten Utensilien, der italienische Reiseschriftsteller Domenico Laffi aus dem 17. Jahrhundert sprach  gleichermaßen davon, als er in Roncesvalles Rast einlegte. So nannte Roland sein berühmtes Schwert Durndart (Durendal), sein Pferd Velentich und sein Horn Olifant, das er, obwohl ihm sein Kampfgefährte und Freund Olivier händeringend darum gebeten hatte, viel zu spät blies. Einhards „Vita Karoli Magni“, Geschichtsschreiber Karls des Großen, rundet das geschichtliche Bild ab.

Roland am Jakobsweg

Der aufmerksame Pilger wird gleich an mehreren Stellen des Camino Navarra resp. des Camino Frances mit dem Rolandslied und seinen Protagonisten konfrontiert. Ich zitiere im Nachfolgenden unsere Etappen:

 

2. Etappe von Huntto über den Cisapass (1437m) nach Roncesvalles/Orreaga (22km): Eremitage, Aufzeichnungen von Domenico Laffi aus 1670, Silo de Carlomagno, Grabstätte der geschlagenen Nachhut  (Roland) der Armee Karls des Großen. Pilgerkreuz, vormals Rolandkreuz genannt.

 

3. Etappe von Roncesvalles nach Zubiri (23km): Rolandkreuz plus Bericht des Reiseschriftstellers Domenico Laffi.

 

6. Etappe von Puente la Reina nach Estella/Lizarra (22km): Königlicher Palast in Estella mit dem Kapitell von Rolands Kampf mit dem muslimischem Krieger Ferratgut.

 

10. Etappe von Navarrete nach Santo Domingo de la Calzada (38km): Rolands Kampf mit dem Riesen Ferratgut am Poyo de Roldan (Rolandsberg), kurz vor Najera.

 

The fight between Roldan and Ferragut

Near the town of Nájera, at the place of Alesón, stands the scene of one the first and most extended legends of the Road to Santiago. That is the fight between the knight Roldan and the giant Ferragut. The spot in Alesón where the event took place is still known as Poyo Roldan (Roldan`s Hill). It`s also the place where an enormous treasure is said to be hidden buried, as payment from the people of Alesón to Rodan`s French captains. Another reference to this legend is found in two chapitels in the village of Navarrete.

Der Kampf zwischen Roldan und Ferragut
In der Nähe der Stadt Nájera, in Alesón, spielte sich einer der ersten und eindrucksvollsten Legenden auf der Straße nach Santiago ab. Das ist der Kampf zwischen dem Ritter Roldan und dem Riesen Ferragut. Der Spot in Alesón, wo das ganze stattfand, ist immer noch als Poyo Roldan (Roldan`s Hill) bekannt. Es ist auch der Ort, wo ein riesiger Schatz versteckt und begraben sein soll: es soll sich um eine Zahlung der Einwohner von Alesón an Roldans französische Hauptleute (Kapitäne) handeln. Einen weiteren Hinweis auf diese Legende entdeckte man an zwei Kapitellen im dörflichen Navarrete.

Fotos:

1. Reihe: Eremitage kurz vor Roncesvalles; Ibaneta-Pass.

              Roncesvalles: Heilig-Geist-Kapelle und Silo de Carlomagno.

2. Reihe: Heilig-Geist-Kapelle.

              Pilgerkreuz / Rolandskreuz.

3. Reihe: Pilgerkreuz / Rolandskreuz

              Poyo de Roldan, kurz vor Najera.

4. Reihe: Ausschnitt Kreuz mit dem Kapitell von Rolands Kampf mit Ferratgut.

              Estella. Palast der Könige.

5. Reihe: Palast der König mit dem Kapitell von Rolands Kampf mit dem mus-

              limischen Riesen Ferratgut.