Navarra. Navarrischer und Aragonesischer Weg treffen sich in Puente la Reina. Zubiri. 

AUTONOME PROVINZ NAVARRA                     

Zubiri (dt. Dorf der Brücke). Puente de la Rabia. Gotische Brücke mit Wunderheilkräften gegen die Tollwut. Die Kraft wird den im Pfeiler vergrabenen Reliquien der heiligen Quiteria zugesprochen.

Hier befand sich vermutlich ein mittelalterliches Leprosarium. Man darf davon ausgehen, dass dieses dem heiligen Lazarus geweiht war, wie viele andere Kapellen und Hospize im Mittelalter an den Jakobswegen eingangs und ausgangs der Städte auch. In der beginnenden Neuzeit besann man sich offensichtlich mehr auf sich, schloß die Leprakranken entweder weg, verbrachte sie nach Übersee, überlies sie dort mehr weniger ihrem Schicksal. 

Ritter Arnold von Harff bezeichnete Brücke und Ort im 15. Jahrhundert gar als Ponte de Paradijs (Paradiesbrücke).  Domenico Laffi hingegen nannte sie Anno Domini 1670 Bridge of Hell (Höllenbrücke). Warum? Lesen Sie mehr im REISEBERICHT WESTWÄRTS NACH GALICIEN Etappe 3.

Einstimmung                                                     Navarra (baskisch: Nafarroa)

Comunidad Foral de Navarra (baskisch: Nafarroako Foru Komunitatea). Heute eine autonome Gemeinschaft/Provinz, die kleinste Spaniens, mit der  Metropole Pamplona (baskisch: Iruña).

Sie wird gerne der "kleine Kontinent" genannt, offensichtlich finanziell von Madrid unabhängig. Die rund 640.000 Einwohner beziehen das höchste Durchschnittseinkommen Spaniens. Neben Spanisch wird Baskisch gesprochen. Die Autonomie stützt sich neben der spanischen Verfassung von 1978, die die Gründung von Autonomen Gemeinschaften regelt, auch auf historische Rechte der über Fueros verfügenden Territorien. Fueros sind im Mittelalter entstandene Rechtsordnungen verschiedener christlicher Reiche Hispanias, zivilrechtlicher, öffentlich-rechtlicher und strafrechtlicher Art.

 

Anfang des 9. Jahrhunderts eroberten die Franken das 711 n. Chr. von den Mauren unterworfene Gebiet wieder zurück - mit dem Mittelpunkt Pamplona. Fortan wurde es bis 1589 als eigenständiges und einflussreiches Königreich regiert, das bis nach Frankreich hineinreichte. Ein abgespeckter Teil Navarras konnte seine staatliche Autonomie bis ins 19. Jahrhundert (1841) retten. Das Königreich war zuvor zwischen Spanien und Frankreich aufgeteilt worden. Die Blütezeit des Königreichs Navarra begann mit der Herrschaft von Sancho I. und seinem Nachfolger Garcia I. im 10./11. Jahrhundert. Sancho III. galt in der Zeit von 1004 bis 1035 als der mächtigste Herrscher der spanischen Halbinsel; er trug neben seinem angestammten Königstitel auch den des Grafen von Kastilien. 

 

Pamplona und Estella warten mit pompösen Festen und historischen Gebäuden auf. Die Sanfermines, Stiertreibjagd, durch die engen Gassen Pamplonas, machte die Stadt berühmt; gepusht durch Ernest Hemingways`s berühmten Roman Fiesta.

In Navarra wird baskisch gesprochen

Umgangssprachlich ist vom stolzen Spanier die Rede. So falsch wie richtig. Denn, so wenig es den typischen Deutschen gibt, so wenig gibt es den typischen Spanier. Sie sind Asturier, Kastilier (ihre Sprache entspricht dem heutigen Spanisch), Katalanen, Galicier, Navarreser und eben die Basken.  Mit dem Baskenland selbst verbindet man den Sprühregen, den Apfelwein, Spezialitäten wie den Pintxos (eine Art Tapas) und gegebenenfalls noch das Matricharchat und: selbstverständlich die Freiheitsbestrebungen. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem, wie ich meinte, spanischen Restaurantbediensteten in Kopenhagen. Nein, er spielte seine Erregung nicht, er nahm es mir wirklich übel, als ich locker dahinwarf, dass er ja aus Spanien käme; nein: aus dem Baskenland.

 

Die Basken haben sich, wie oben erwähnt, grenzüberschreitend in Süd-Frankreich wie in Spanien auch und gerade in Navarra angesiedelt.  Während die Katalanen ihre Unabhängigkeitsbestrebungen - jedenfalls gegenwärtig - auf friedlichem Weg durchboxen wollen, taten dies die Basken mit ihren Atlantik-Metropolen Bilbao, San Sebastian, Santander jahrzehntelang mit Gewalt, gleich Terroristen. Just zu dem Zeitpunkt der Abfassung dieser Abhandlung im März 2016 ist einer der Protagonisten der ETA (Euskadi Ta Askatasuna: baskisch für Baskenland und Freiheit) aus dem Gefängnis entlassen worden. Die ETA war 1959 als marxistisch-leninistische, sparatistische, baskisch-nationalistische Widerstandsbewegung im Untergrund gegründet worden. 

 

Der Navarreser hat sich offensichtlich von den Unabhängigkeitsbestrebungen seiner nördlichen Nachbarn nicht anstecken lassen. Er legt Wert auf seine baskische Sprache und seine zwei Ortsschilder wie Burlata - Burlada (Vorort von Pamplona), Iruna - Pamplona, Zizur Txikia - Cizur Menor, Zarikiegi - Zariquiegui, Gares - Puente la Reina, Zirauki - Cirauqui, Lorka - Lorca, Lizarra - Estella. Das trifft nicht auf jede Ortschaft zu. Villatuerta, zwischen Lorca und Estella gelegen, ist beispielsweise dem spanisch-sprachigen Teil Navarras zuzurechnen.

Informatives für den Pilger 

Viele Pilger landen in Bilbao, um von dort sogleich in den Bus nach Bayonne zu steigen mit der Weiterfahrt über die Schienen nach St. Jean.

Aber HALT. Es lohnt sich, einen Tag mehr für diese Stadt einzuplanen; vgl. auch Reisebericht > Zur Einstimmung.

Bilbao wird als die Metropole des Baskenlandes bezeichnet. Die Stadt ist voll von Sehenswürdigkeiten, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Natürlich das Guggenheim-Museum an erster Stelle zu nennen, wie die Markthalle und die historischen Kaffehäuser und eleganten Wohn- und Geschäftshauser, wie die Zubizuri-Brücke, wie die Jakobus-Kathedrale und auch und gerade wegen der Basilika Unserer Lieben Frau von Begona. Der 15. August ist der größte Festtag der Schutzpatronin der Provinz Biscaya. Jede Stunde ein hl. Messe; über 20.000 Kommunionen. Auch Abordnungen der Fußballmannschaft des Erstligaclubs Athletic Bilbao lassen sich dort sehen. Quelle: Andreas Doruve, DIE TAGESPOST vom 9. August 2018.

 

Der Navarrische Weg beginnt in St.-Jean-Pied-de-Port, auf der französischen Pyrenäenseite. Er streift die Städte/Orte Roncesvalles, Zubiri, Larrasoaina, Pamplona, Cizur Menor, Obanos bis Puente la Reina. Von dort weiter auf dem Camino Frances via Estella, Villamayor de Monjardin, Los Arcos, Torres del Rio, Viana bis er schlussendlich vor Logrono endet. Einhundertsiebzig Kilometer. 

 

Der Pilger wird von der oben erwähnten politischen Thematik und sprachlichen Besonderheit prinzipiell nicht sehr viel mitkriegen. Er wird sich auf den steilen, holprigen Abstieg von Roncesvalles in den Pyrenäen nach Zubiri einstellen, an längere Asphaltstrecken Richtung Pamplona gewöhnen müssen, an einen langen, anstrengenden An- und Abstieg zum Alto de Perdon Richtung Puente la Reina und weiter nach Maneru und Cirauqui, an erhebliche Aufs und Abs nach Viana, et ecetera.  

 

Puente la Reina wird auch für ihn ein Highlight sein. Für den mittelalterlich Interessierten allemal. Die nächstfolgenden Impressionen verdeutlichen dies.

 

ANMERKUNG

Die Beschreibungen der sehenswerten Kathedralen, Kapellen und Kirchen können dem Menü-Hauptpunkt KATHEDRALEN entnommen werden.

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