IBERISCHE MESETA: 12% Steigung. Hitze pur. Engländer mit Klampfe und Hut. Castrojeriz

Auf dem Weg von Burgos nach Hornillos del Camino. Gegen die Sonne aufgenommen. Links und rechts nur Getreidefelder. Keine schattenspendenden Bäume am Weg. 

Anstieg Castrojeriz-Meseta

Anstieg von Castrojeriz auf die Meseta.

 

Der Autor des Reiseführers Dumont aktiv bemerkt lakonisch, dass die Etappe Castrojeriz nach Fromista der steilen Strecke am Beginn wegen nur mittelschwer sei. Wahrscheinlich hat er alle paar Meter eine Pause eingelegt.

 

Man beachte: auf über einem Kilometer Strecke zwölf (12) Prozent Steigung mit einem zehn resp. zwölf Kilo schweren Rucksack auf dem Rücken. Oben ist die Meseta - nomen es omen - tischflach. Der ungarische Autor des 2006 vom WDR und Bibel TV produzierten 3-teiligen Filmes El Camino - Der Jakobsweg beschreibt den Anstieg folgendermaßen: Das Besteigen des Berges ist die Kunst der Langsamkeit. Hätte ich mich doch bloß daran gehalten. 

Castrojeriz

Ein Ort mit Geschichte, wie fast überall auf dem Camino. Und deshalb lohnt sich ein erhellender Blick. Hermann Künig von Vach nannte den Ort, er reiste auf dem Camino in 1495 „Castle-Fritz“ resp. die Burg „fritz“.  Die frühen französischen Pilger bezeichneten ihn Quatre Souris.

Und damit kommen wir zum Highlight des Ortes. Zur Burg. Die Burg wird auf die Westgoten zurückgeführt - Castrum Sigerici -, erbaut im 9. Jahrhundert. Vorgängerbauten soll es bereits in keltischer und römischer Zeit gegeben haben. Strategisch war der Ort ebenso wichtig wie Burgos. Die Reste der Burg, die man heute von weitem sehen kann, entstammen dem 13. Jahrhundert. Nur Ruinen sind vom starken Erdbeben von 1755 zurückgeblieben.

 

Selbstverständlich war der Flecken - aufgrund seiner Lage auf der Hochebene - nicht nur militärstrategisch wichtig, sondern auch und gerade für die Jakobspilger; umso mehr nach der Rückeroberung von den muslimischen Mauren; die hernach einsetzende Wiederbesiedlung tat ein übrigen. In seiner Hochzeit gab es hier sieben Pilgerhospize und mehrere Kirchen. Zu sehen heute u.a. noch an Santo Domingo, Santa Maria del Manzano am Ortseingang, San Juan, am Monasterio de Santa Clara außerhalb des Ortes. Leider waren auf unserem Camino de Santiago alle Gotteshäuser, teilweise gehen einzelne Bauteile auf das 9. Jahrhundert zurück, geschlossen.

So müssen wir uns mit den Beschreibungen von Bettina Marten (vgl. an anderer Stelle) zufrieden geben: Wundertätige Marienstatue und Hauptaltar vom Hofmaler König Carlos` III im 18. Jh. (Santa Maria del Manzano); zwölfteiliger Altar von Ambrosius Benson (um 1495 - 1550) mit Bildtafeln zur Messe des hl. Gregor, zur Verkündigung, Heimsuchung Kreuzigung Christi, zum Kreuzgang aus dem 15. Jahrhundert. Das Franziskanerkloster aus dem 14. Jh. (sie betrieben auch eine Schule) wurde aufgrund der Umwidmung des Areals zum Friedhofs bis zum Jahr 1889 hernach dem Verfall überlassen. Viele Adelsfamilien ließen sich gleichwohl hier nieder.

Wir erlebten ein verlassenes Castrojeriz in brütender Hitze, Kirchen geschlossen, die Geschäfte lange geschlossen, aber eben auch ein gutes Hostal mit sehr gutem Pilgeressen und: die TV-Übertragung eines Stierkampfes in der Gaststube. 

Bitte weiterblättern

Menü-Hauptpunkt REISEBERICHT WESTWÄRTS

NACH GALICIEN

Etappe 16 - Ein Hostal, das Freude macht. Eine Etappe zum Nachdenken.

Etappe 17 - Meseta pur. Eine Gerichtssäule, die das Fürchten lehrt.

 

Fotos:

1. Reihe: Auf dem Weg von Hornillos del Camino nach Hontanas.

2. Reihe: Der Engländer mit Klampfe Richtung Meseta.

              Plateau der Meseta.

3. Reihe: Rückblick vom Plateau der Meseta auf Castrojeriz.

              Vom Plateau Richtung Boadilla del Camino.

4. Reihe: Auf dem Weg von Carrion de los Condes nach Terradillos.

              Herberge in Terradillos de los Templarios.