ADOBE-BAUWEISE

Einführung

Überall auf der Meseta begegnen dem Jakobspilger einfache aus Lehm erbaute Gebäude. Die Bauart wird Adobe genannt, also aus ungebrannten Ziegeln. Weil Holz und Stein selten waren, wurden Lehm und Stroh gemischt und in der Sonne getrocknet. Die Bauweise hat sich den klimatischen Verhältnissen, der teils unerträglichen Sommerhitze angepasst. Die Hitze wird tagsüber in den Außenwänden abgespeichert und des Nachts wieder nach innen abgegeben. Jedes Jahr sollten die Gebäude neu lehmverputzt werden, sollen sie nicht verfallen.

 

Die Spanier adaptierten die Architektur der indianischen Bevölkerung des von ihnen eroberten amerikanischen Kontinents. Sie fügte sich allein schon durch die Farbe in die Landschaft harmonisch ein. Die nachstehenden Fotos belegen dies. Auch kannte diese Bauweise seinerzeit kaum rechte Winkel.  Unten mehr. 

Fotos

Reihe 1: Irgendwo am Camino von Castrojeriz nach Fromista.

Reihe 2: Taubenhaus auf dem Weg nach Carrion de los Condes.

             Ledigos. Von Calzadilla de la Cueza nach Terradillos de los Templarius.   

             Hier fallen die vielen Adobe-Mauern auf. Fast könnte man sie Textil-

             tapeten gleichsetzen.            

Rückgriff New Mexico

Dem aufmerksamen Leser meiner Homepage wird nicht entgangen sein (Menüpunkt WIR), dass die Route 66 zu meinen Reise-Highlights zählt. Mein Sohn und ich befuhren die Straße der Sehnsucht, die Mother Road, in 2005.

Zur Adobe-Architektur hat Freddy Langer, Autor des 2016 erschienenen Bildbands Route 66 - Reisen auf der berühmtesten Straße der USA - offensichtlich gründlich recherchiert. So geht er auf Seite 147 im Detail hierauf ein und schlägt auch, wie unten erwähnt, den Bogen nach Spanien, für uns nach Kastilien-Leon.

 

PUEBLO-INDIANER

Den Pueblo-Indianern New Mexicos ist die Adobe-Bauweise schon seit über 1.000 Jahren bekannt. Sie vermengen Erde (Lehm) und Wasser mit Tierhaaren und Stroh, formen den Lehm zu Ziegeln, schichten die Backsteine zu hohen Mauern auf, weil zuvor mit Mörtel bestrichen. Die Backsteine sind üblicherweise 60 cm bis 100 cm stark.

Bevor Sonne, Regen und Wind den Wänden zusetzen, werden abblätternde Schichten in kurzen Abständen ersetzt und Risse zugeschmiert. Anfangs kannten die Pueblo-Indianer keine Türen und Fenster. Sie kletterten mit Leitern übers Dach ins Haus. So schützen sie sich vor ihren Feinden, wie den Apachen. Später, ab dem 16. Jahrhundert, konnten sie sich der spanischen Übermacht nicht mehr erwehren. Ihre Kultur retteten sie trotz der Evangelisierung seitens der spanischen Franziskaner, indem sie ihre Riten mit den des Katholizismus vermischten.

 

Zurück zur Adobe-Bauweise. Die Türen sind sehr schmal, Fenster nur wenige vorhanden. Auch für die Bedachung wurde/wird ein einfaches Prinzip zugrunde gelegt: Dicke Baumstämme werden auf die Mauern gelegt, die später aus den Wänden herausragen, und schmale Stämme darüber. So entsteht ein Geflecht, das wiederum mit Lehm verschlossen wird. So verwundert es nicht, dass die Indianer schon vor fünfhundert Jahren fünf Geschosse aufeinander bauen konnten. Übrigens, diese Bauweise hatte einen weiteren enormen Vorteil, die Indianer erreichten damit tagsüber eine angenehme Haustemperatur. Der Leser wird sich die dort üblicherweise vorherrschende brütende Sommerhitze gut vorstellen können.  

 

SPANIER ÜBERNEHMEN ADOBE-ARCHITEKTUR

Die Spanier übernahmen die Architektur, die sich durch die Farbe, und weil sie kaum rechte Winkel kennt, harmonisch in die Landschaft fügt. Den Angloamerikanern erschien sie hingegen zu primitiv. Erst in unserer Zeit hat man in New Mexico ihren Wert erkannt. Heute gilt der Adobe-Stil als Zeichen des guten Geschmacks, als modern und ist sehr teuer, sodass viele Häuser aus Beton gebaut und dann erdfarben angestrichen werden. Santa-Fe (vollständiger spanischer Name: La Villa Real de la Santa Fe de San Francisco de Asis - königliche Stadt des heiligen Glaubens des heiligen Franziskus von Assisi), ist nicht nur Hauptstadt des Bundesstaates New Mexiko, sie liegt nicht nur direkt an der Route 66, sie ist auch das Zentrum der Adobe-Kultur. Dort sind viele Verwaltungsgebäude, Museen, Wohnhäuser, Läden, Banken und Hotels im traditionellen Stil gebaut.

Ich denke, Spanien hat sich, so jedenfalls meine Vermutung und Beobachtung, mit Santa Fe`s Rückgriff in die Moderne noch nicht auseinander gesetzt. 

Fotos

Reihe 1: El Burgo Ranero. Typisches kastilisches Adobe-Dorf der Meseta.

             Kurz hinter Terradillos de los Templarius.

Reihe 2: Kontrast in Bercianos del Camino: Adobe + prunkvolle Villa.

Reihe 3: Rote Erde auf der Meseta

             Vergleich Santa Catalina de Somoza auf der Strecke von Astorga 

             nach Rabanal del Camino.