SAHAGUN: Facundus und Primitivus. Karl der Große. Bernadino de Sahagun. Conquista

Sahagún. Arco de San Benito (Benediktstor) - früherer Eingang zum Kloster.

Auf dem Jakobsweg von Carrion de los Condes via Calzadilla de la Cueza nach Sahagún und weiter nach Bercianos del Real Camino.

Sahagun

Sahagun Ortsausgang. Gedenkstein mit Pilgerstab, Kalebasse und Stiefeln.

 

Sahagun, römischen Ursprungs, ist die Stadt der Märtyrer Facundus und Primitivus aus dem 3. Jahrhundert; sie erlitten unter Kaiser Aurelian und Diocletian den Tod. So hieß die Stadt lange Zeit San Facundo. Und sie ist die Stadt, zumindest der Legende nach, Karls des Großen (vgl. Etappe 20 des REISEBERICHTS).

Die über dem Grab beider Märtyrer während der Gotenzeit gebaute Kirche wurde in 883 von den muslimischen Sarazenen unter Almondir zerstört.  Almansor, der bekannte muslimische Heerführer, zerstörte seinerseits den Wiederaufbau Ende des 10. Jahrhunderts wie große Teile der Stadt, auch und vor allem die bis dahin gegründeten Klöster. König Alfons VI. von Kastilien, hier erzogen und begraben, sorgte im 11. Jahrhundert für eine Blütezeit kirchlichen Lebens, indem er 1068 das Kloster Sahagun zu einer Art spanischem CLUNY machte. Von hier betrieb er seine Kirchenreform, damals waren die weltlichen Herrscher involviert, und setzte die bis dahin ungeliebte Römische Liturgie durch. Dazu anderer Stelle mehr. 

 

Ab 1085 wurden dem Marktflecken königliche Privilegien zugestanden, die heute noch genutzte Brücke über den Rio Cea gebaut. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Wiese der 40.000 Lanzen; hierüber berichtet eine gerne gelesene Legende. Sahagun mutierte zur mächtigsten Abtei am Jakobsweg mit eigener Münzprägung. König Alfonso X. verlieh 1255 der Stadt das Recht, in jedem Jahr einen 14-tägigen Jahrmarkt abzuhalten. Die Stadt vergrößerte sich. So gab es besondere Viertel für die Franken und Juden sowie für die Mauren, die als Handwerker in den christlichen Gebieten hoch geschätzt waren.

 

Von den neun im Mittelalter erwähnten Kirchen haben sich bis in die Neuzeit vier erhalten: San Lorenzo im nördlichen Stadtteil, Santiago und La Trinidad (heute allerdings eine Pilgerherberge), sowie San Tirso am Stadtausgang. Im Mittelalter gab es neben zahlreichen Herbergen vier Hospitäler, das bedeutendste war das von Alfonso VI. gegründete Benediktinerkloster, das besonders von den Franzosen und Deutschen aufgesucht worden sein soll. Auch wenn die Bedeutung Sahaguns nach der Entscheidung der Katholischen Könige Spaniens im 15./16. Jahrhundert, nunmehr das Kloster San Benito in Valladolid zu fördern, nachließ, so muss die Stadt gleichwohl noch im 17. Jahrhundert viele Pilger beherbergt haben, da sich eine Notiz über den sehr großen Brotverbrauch erhalten hat.   

 

Sahagun hat wichtige Persönlichkeiten hervorgebracht, wie: Pedro Ponce de Leon, ein Pionier der Taubstummenerziehung und Bernardino de Sahagún, Vater der der modernen Anthropologie - beides Personen des 16. Jahrhunderts.

Bernardino de Sahagún                                           Die Conquista Lateinamerikas

Sahagun ist der Geburtsort eines bedeutenden Franziskanermönches aus dem 16. Jahrhundert: Bernhardin de Sahagún. Sein Hauptaugenmerk galt der Neu-Evangelisierung beziehungsweise Katholisiererung Mexikos, auch und gerade der führenden Aztekenfamilien des Landes und der Mayas im Rahmen der Conquista, die bekanntlich maßgeblich mit dem Namen des Hernan Cortez (1485-1547) verbunden ist.

 

Über das missionarische Wirken hinaus ist Bernhardin bekannt geworden als Ethnograph, Anthropologe sowie als Herausgeber der Historia Generali, in welcher die Geschichte Neu-Spaniens beschrieben wird.

 

Winfried Henze schreibt dazu im Vatican Magazin, Ausgabe 12/2013: „Dass wir heute Kenntnisse von den vorkolumbianischen Kulturen haben, verdanken wir vor allem Bernhardin de Sahagún mit seinen heute noch vorbildlichen soziologischen, sprachkundlichen und historischen Untersuchungen, die er mit lauter eigens herangebildeten indianischen Mitarbeitern durchführte.“

 

MEINE MEINUNG

Die spanischen Eroberer haben sich bei der Landnahme Südamerikas weiß Gott nicht mit Ruhm bekleckert. Aber wie immer im Leben, jede Medaille hat zwei Seiten. Zum einen gab es zuhauf die teils grausam wütenden Goldsucher, zum anderen viele Ordensleute (Franziskaner, Jesuiten, Dominikaner, Augustiner), die regulierend, beschwichtigend eingriffen, gar die Frage stellten, mit welchem Recht eigentlich Spanien neue Länder erwerbe. So schrieb Kaiser Karl V. am 20.06.1523: „Die Rettung der Seelen der Indios darf nicht mit Gewalt erfolgen (…) Man begegne ihnen in aller Liebe und Freundschaft (...).“ Ohnehin sind die Indios heute noch den Conquistadores dankbar, wurden sie doch vom Joch der Azteken befreit, die sie grausam bekriegt, versklavt und ermordet hatten. Quelle: vatican magazin, Ausgabe 12/13.

 

BRITISCHE UND HOLLÄNDISCHE AUTOREN BEEINFLUSS(T)EN DEN MAINSTREAM GESTERN WIE HEUTE

Unser heutiges - negatives - Bild über die spanischen Eroberer verdanken wir nicht von ungefähr britischen und holländischen Autoren evangelischer Konfession, waren sie es doch, die mit ihren Legenden das katholische Spanien herabsetzen wollten, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken: Kolonialpolitik, Opium-Krieg gegen China (1842), Vertreibung der spanischen Missionare im Süden der Vereinigten Staaten und so weiter. Genauso einseitig werden auch heute noch die Kreuzzüge ausschließlich den Christen angelastet und im Gegenzug der Mythos vom (vermeintlich) toleranten maurisch-islamischen Spanien beschrieben. Dazu mehr auf den Seiten des Haupt-Menüpunktes JAKOBSWEGE. HEUTE UND GESTERN.

Fotos Sahagun:

1. Reihe: Die alte Kirche La Trinidad. Kunstepoche Mudejar, 13. Jh. Seit 1964

              werden hier keine Hl. Messen mehr gefeiert. Heute Fremdenverkehrs-

              Büro, Pilgerherberge, Kulturzentrum.

              Pilgerfigur vor der kommunalen Herberge La Trinidad.

2. Reihe: Hostal gegenüber der Herberge in der Ortsmitte.

              Maurische Kunst.

3. Reihe: Eine der Kirchen.

              Iglesia San Tirso. 1123-1126. Ehemals direkt neben dem

              Kloster SS. Facundus und Primitivus. Restaurierung 17. Jh.

              Vierungsturm nach dem Einsturz 1949 rekonstruiert.

              Geweiht um 250 dem Märtyrer Thyrsos, Kleinasien.              

4. Reihe: Iglesia San Lorenzo; von Südwesten aufgenommen. 1110

              erwähnt; mudejarer Baustil; Vierungsturm 13./14. Jh.

              Restaurant San Facundo (Ortsheiliger).

5. Reihe: Mittelalterliche Streckenkarte von Ostabat bzw. Jaca.                            Ortsausgang Sahagun. Vor der mittelalterlichen Brücke Pilgerkreuz  

              mit dem Gekreuzigten, darunter die Jungfrau mit dem Kind, darunter  

              der hl. Jakobus als Pilger.

              Hinter dem Rio Cea die Wiese der 40.00 Lanzen. Hier soll Anno 778     

              Karl der Große seine berühmte Schlacht gegen die Mauren gefochten 

              haben. Eine Legende.