FONCEBADON: Gaucelmo. Geisterdorf. Paulo Coelho. Wer das elent bawen wel                            

RIEGE DE AMBROS: Nachtigallental. Maultierweg

Foncebadon. Zwischen Rabanal del Camino und dem Cruz de Ferro gelegen. Im Frühjahr 2006 ein (fast) verlassener Ort.

Foncebadon und Riege de Ambros          Mittelalterlicher Camino

Beide Ortschaften, Foncebadon, Acebo und Riege de Ambros, exemplifizieren das Mittelalterliche des Camino de Santiago. Erste Erwähnung im 10. Jahrhundert.  Wichtig für die frühen Jakobspilger. Der Einsiedler Gaucelmo errichtete 1103 n. Chr. sowohl ein Hospital wie eine Pilgerherberge. König Alfons VI. unterstützte sein Vorhaben. Auch spricht man vom Bestehen einer Salvadorkirche (Erlöserkirche) und eines weiteren Gotteshauses, das der hl. Maria Magdalena geweiht war. Pfarrer Christoph Gunzinger aus Wiener Neustadt attestierte den oben erwähnten Orten in  seinem Reisebericht des Jahres 1654 eine gewisse Armseligkeit. El Acebo hat sich zwischenzeitlich gemausert. Foncebadon wurde von Napoleonischen Truppen zerstört, das dann infolge der Landflucht im 20. Jahrhundert zu einem Geisterdorf mutierte. 

 

Die heutigen Jakobswegpilger retteten schlußendlich den Flecken vor dem totalen Verfall, allerdings erst nach 2006, unserem ersten Jakobsweg. Paulo Coelho, der berühmte brasilianische Autor und Romancier, nutzte Foncebadon für eine düstere Episode seines Tagebuchs Auf dem Jakobsweg aus 1987; unten mehr. 

 

Ich gebe zu, als wir den Camino in 2006 gingen, habe ich noch nie so geflucht wie just auf dem Teilstück Riege de Ambros; der Herrgott möge es mir heute noch verzeihen. Bergab das Nachtigallental zu stolpern, völlig erschöpft von Sonne, Hitze und sonstigen Anstrengungen, lassen einen verzweifeln und sagen: Warum mache ich das eigentlich? Und wenn dann auch noch mehr oder weniger ausgeruhte Tageswanderer an einem vorbeieilen, munter unten im Ort in den für sie bereit stehenden Bus einsteigen, dann … aber lesen Sie selbst.

 

 

Foncebadon

Foncebadon. Im 12. Jahrhundert errichtete San Gaucelmo hier ein Hospital.

 

Paulo Coelho nutzte den dunklen Ort als Hintergrund für eine dunkle Szene seines Tagebuchs Auf dem Jakobsweg,1987:

“Ein starker Schmerz durchfuhr mein Bein, er hatte mir eine tiefe Fleischwunde gerissen. (…) Der Hund griff sofort wieder an. Da stieß meine Hand an einen Stein. Ich packte ihn und schlug verzweifelt auf den Hund ein (…).”

Viel schöner klingt es da an anderer Stelle: “Stelle dir vor, dass sich die Heiligen dir nähern, um ihre Hände auf deinen Kopf zu legen, und dir Liebe, Frieden und das Gefühl von Gemeinschaft mit der Welt wünschen.

 

Wer das elent bawen wel, 13. Jh., Strophe 12

Der vierte haist der Rabanel (von Rabanal zum Cruz de Ferro),

darüber laufen die brueder und schwester gar schnell,

der fünfe hast in Alle Fabe (O Cebreiro), da leit vol manches bidemans

kint auß teutschem lant begraben

Riege de Ambros

Nachtigallental. Riege de Ambros, kurz vor Molinaseca. Mittelalterlicher Weg.

 

Wie fast in jedem mittelalterlichen Ort am Camino gab es auch in Riege de Ambros im 12. Jahrhundert ein Pilgerhospiz. Die Pfarrkirche ist der hl. Magdalena geweiht, die Kapelle dem hl. Sebastian. Heute erfreut sich der Ort besonders der Wochenendausflügler. Wir haben es gemerkt, wie oben erwähnt: lustig singend und plaudernd an uns vorbeiziehende Tageswanderer ohne Gepäck.

 

Der Verfasser des Reiseführers spricht euphemistisch von einer alten Maultierstraße mit ausgeschwemmter

Pflasterung. Cordula Rabe schreibt in ihrem Pilgerführer, den wir damals noch nicht kannten: Hinter Riege de Ambros erwartet uns ein sehr schöner, wenn auch zuweilen steil abwärts führender Pfad. Teilweise säumen beeindruckend mächtige Esskastanienbäume den Weg.

 

John Brierley erwähnt wenigstens noch, dass der Hohlweg bei Nässe sehr glitschig sein kann. Es sollte erklärend hinzugefügt werden, dass es ab dem Cruz de Ferro nur abwärts ging: von 1528 m über El Acebo (dorthin ging es auf schmalen Wegen ganz steil nach unten), über Riege de Ambros mit 921 m schlussendlich nach Molinaseca auf 575m Höhe liegend. Von daher sollte ich für mein oben erwähntes Fluchen Verständnis finden.

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