AUTONOME REGION KASTILIEN-LEON

Rastplatz Sta. Catalina de Somoza.  Auf dem Weg zwischen Astorga und Rabanal del Camino. Das Land der Maragatos.

Einstimmung                                                         Das Land der Maragatos

Das Land der Maragatos steht beileibe nicht für die gesamte autonome Region Kastilien-Leon / Castilla y León. Mit Kastilien verbindet der Pilger in erster Linie die Provinzstädte Burgos, Leon und Astorga; möglicherweise, wenn er sie denn überhaupt begeht, auch die Meseta. Für mich hingegen übte neben der Meseta die Maragateria eine besondere Anziehungskraft aus: Der Bezug zur Geschichte. Die rote Erde. Die tristen, mittelalterlichen Dörfer. Die Montes de Leon. Der Weg hoch zum Cruz de Ferro, die damit verbundenen Erlebnisse. Auch der heutige Mensch definiert sich über seine Geschichte, um das Gestern, Heute und Morgen begreifen zu können. 

 

Das Land der Maragatos, die Maragateria, ist berühmt für seine Trachten und Bräuche: Pump- oder Pluderhosen und hohe Stiefel für die Männer; die Frauen trugen weiße Röcke und Blusen, rot oder schwarz bestickte Mieder. Am Kopftuch erkannte man, ob sie noch ledig (weiß) oder verheiratet (rot) waren. Zum Fotos: Die rote Erde erinnert an Oklahoma im zentralen Süden der USA. Im Hintergrund die Montes de Leon.  

 

Erst nach dem 16. Jahrhundert setzte sich der Name Maragateria durch, bis dahin war der Name Somoza gebräuchlich; vgl. die Ortschaft Santa Catalina de Somoza, gelegen zwischen Astorga und Rabanal del Camino. Man nimmt an, dass die Vorfahren schon um 17 vor Christus zum Römischen Reich und damit zum späteren Hispania gestoßen sind. Andererseits ist nicht von der Hand zu weisen, dass sie möglicherweise Nachfahren eines Berberstamms oder des Asturierkönigs Mauregatus sind, vielleicht auch ehemalige Maurensklaven und/oder die letzten Keltiberer oder ein Mischvolk aus Mauren und Goten. Wie auch immer, sie scheinen gute Händler und Fuhrleute gewesen zu sein: Mercatores > Maragatos = Händler. Sie sorgten für gut gepflasterte Straßen und Wege, Gehöfte mit ausreichendem Platz für ihre Fuhrwerke, mit denen sie die Waren bis nach Madrid transportierten. Mit dem Bau der Eisenbahn verlor das Fuhrgewerbe an Bedeutung.

 

HINWEIS FÜR DEN PILGER. Auch wenn das Dorf Castrillo de los Polvazares nicht direkt am Camino liegt, er sollte den kleinen Umweg einplanen und zwar kurz hinter Astorga in Murias de Rechivaldo die Abbiegung nach rechts nehmen. Das erwähnte Dorf ist das bekannteste der Gegend, dort wurde nicht nur eine beliebte spanische TV-Serie gedreht, es steht stellvertretend für eben diesen Landstrich der Maragateria.

 

Kastilien-León

Kastilien um 1400 n. Chr.

 

Castilla y León. Autonome Gemeinschaft / Provinz. Sie umgreift prinzipiell das historische Königreich León im Westen und das historische Altkastilien ohne Madrid im zentralen und östlichen Teil.

 

Mit 94.000 Quadratkilometern ist es die größte autonome Gemeinschaft des Landes, vormalig Machtzentrum und Herz des alten Spaniens. Hier wird Kastilisch (Castellano) gesprochen, Ursprung der spanischen Sprache. Kastilien bedeutet übersetzt „Land der Burgen.“ Über 300 Schlösser und Burgen zeugen von einer imposanten Geschichte. Viele Denkmäler und historische Bauten werden nicht von ungefähr von der UNESCO als Weltkulturerbe gezählt.

Geschichtlicher Abriss

Die Gründung des Königreiches León ist direkt mit dem Verfall des angrenzenden Königreiches Asturien in Verbindung zu bringen. Asturien selbst (Asturorum regnum) war der erste christliche Staat auf der iberischen Halbinsel.

 

Seine Entstehung hat wiederum mit dem Sieg des dort ansässigen westgotischen Adligen Pelayo (Pelagius) gegen die Mauren in den Jahren 711-719 zu tun. Nach der Entmachtung seines Königs Alfons III. (866-910), er hatte zuvor die Hauptstadt von Oviedo nach León verlegt, wurde Asturien zunächst in drei Teilreiche wie León, Galicien und Asturien aufgesplittet, um schließlich Anno Domini 924 nur noch als Königreich León fortzubestehen.

 

Kastilien wurde eine Zeit lang mit Duldung der angrenzenden Herrscher von einheimischen Grafen geführt, bis Graf Ferdinand Gonzales in 925/930 die Grafschaft Burgos aus dem Königreich herauslöste und sie als von León unabhängig erklärte. Seine späteren - großmannsüchtigen - Versuche, zusammen mit dem muslimischen Kalifat von Cordoba! das Königreich León zu übernehmen, scheiterten 966. Einhundert Jahre später (1037) gelang diese Einvernahme Leóns dem Grafen Ferdinand I. von Kastilien. Nach der Erbteilung König Alfons VII. 1157 nach Christus brachen die Reiche auseinander, um 1230 endgültig wiedervereinigt zu werden. Seitdem führten die Könige beide Titel mit dem purpurnen Löwen im Wappen.  

 

EIN SPRUNG INS 16. JAHRHUNDERT. Maximilian I. von Habsburg, ab 1508 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, hatte sich durch eine geschickte Heiratspolitik den kastilischen Thron sichern können. Sein späterer Nachfolger fungierte bereits ab 1516 als König Karl I. (Carlos I) von Kastilien/Spanien. Als er sodann von seinem Großvater das Königreich Aragon erbte, wurden beide Reiche, Kastilien und Aragon, politisch vereinigt. Nach dem Tod Maximilians I. ließ er sich 1519 zum römisch-deutschen König krönen; ab 1520 nannte er sich selbst erwählter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und trug fortan den Namen Karl V.

Karl V. wurde damit erster spanischer König, und das eigenständige Königreich Kastilien hörte auf zu existieren, wenngleich alle Reichsteile wie auch Aragon und Navarra zunächst ihre eigenen Rechtsordnungen und Institutionen behielten. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts wandelten die Bourbonen Spanien in einen Zentralstaat um.

 

ZURÜCK INS 15. JAHRHUNDERT, das maßgeblich von Königin Isabella I. die Katholische geprägt worden war. Zusammen mit ihrem Mann König Ferdinand beendete sie im Jahre 1492 erfolgreich die Reconquista, die Wiedereroberung Spaniens von den Mauren. Endlich kehrte Ruhe ein. Sie war es letztlich auch gewesen, die es Christoph Kolumbus überhaupt ermöglicht hatte, 1486 auf Entdeckertour einschiffen (Entdeckung Amerikas) zu können - durch großzügige Spenden aus ihrer Privatschatulle.

Informatives für den Pilger 

Der Grenzstein bei Redecilla del Camino, kurz hinter Santo Domingo de la Calzada, trennt die Regionen La Rioja und Kastilien-Leon. Bis Burgos wird der Pilger auf rund neunundsechzig Kilometern die Ortschaften Belorado, Tosantos, Villafranca Montes de Oca, San Juan de Ortega, Ages, Atapuerca und Villalval passieren.

 

Das Teilstück Burgos - León hat es in sich. Die Meseta, die im Sommer sehr heiße Hochebene, fordert alles ab; vgl. Extra-Seite Meseta / Tierra de Campos. Für mich eine der eindrucksvollsten Teilstrecken. Viele empfinden sie als langweilig, empfehlen den Mitpilgern, sie mit dem Bus zu passieren. Ja, was bedeutet denn eigentlich PILGERN? 

 

Ab León geht`s weiter über La Virgen del Camino, Villar de Mazarife, Hospital de Orbigo,Crucero de San Toribio, Astorga, Sta. Catalina de Somoza, El Ganso, Rabanal del Camino, Foncebadon, Cruz de Ferro, Manjarin, Molinaseca, Ponferrada, Cacabelos, Villafranca del Bierzo, Vega de Valcarce, La Faba nach La Laguna. In Villafranca del Bierzo steht der Pilger vor einer großen Entscheidung. Geht er den Camino duro, den harten Weg (der Hotelier hatte mich für verrückt erklärt) oder wählt er den Weg unten an der Straße. Für mich waren es jedenfalls Einhundertsechzig Kilometer.

In La Laguna beginnt die autonome Region Galicia.    

Anmerkung: Ich bedaure an sich diejenigen Pilger, die erst in Sarria starten. Wüssten sie, was ihnen auf der Meseta entgangen ist, welche Highlights sie auf der Strecke von Leon bis La Laguna erwarten, sie würden ihre Entscheidung überdenken.

Sidestep                                                              Junta - Spanischer Bürgerkrieg

Hinweisschild zwischen Fromista und Carrion de los Condes.

Im Spanischen wird mit 'Junta' die Ratsversammlung oder die Regierung einer Region bezeichnet; in diesem Fall von Kastilien-León.

 

Im deutschen Sprachgebrauch gilt 'Junta' als Synonym für die Militärherrschaft in Portugal oder in Spanien. Die unwillkürliche Assoziation mit dem Franco-Regime ist also nur bedingt korrekt.

 

Und überhaupt: Wer gedenkt der vielen Priester und Ordensleute, Mönche wie Nonnen, die während des Bürgerkriegs von den Republikanern beziehungsweise von den Roten Brigaden ermordet worden sind? Papst Franziskus hat es 2013 getan. Etappe 15 des Reiseberichts bringt mehr.

 

LESEEMPFEHLUNGEN

vgl. Menüpunkt ÜBER UNS > Lesenswertes > Spanischer Bürgerkrieg.

 

Gleichermaßen interessant und aufschlussreich der auf arte TV in 2016 gesendete Film "Vom Kämpfen und Sterben der Internationen Brigaden." Er beleuchtet nicht nur den "heroischen" Einsatz der internationalen Schriftsteller und Intellektullen.