DAS ZIEL: SANTIAGO DE COMPOSTELA               800 Kilometer Faszinierendes, Religiöses ...

Santiago. Westfassade der Kathedrale. 

Einstimmung                                                 Santiago de Compostela

Hauptstadt Galiciens. Im Mittelalter nur Compostela genannt. Neben Madrid und Barcelona eine der teuersten Städte Spaniens. 95.000 Einwohner. Sitz des Erzbischofs, derzeit (2006) Julian Barrio Barrio. Beliebte Universitätsstadt mit rund 30.000 Studierenden.

 

Eine erste Besiedlung ist nachweisbar für das 1. bis 4. Jahrhundert. Man geht von einem römischen Militärlager aus. 1985 wurde die Stadt seitens der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und der Camino de Santiago folgerichtig 1987 zum europäischen Kulturweg erhoben. Im Jahre 2000 erfolgte die Ernennung zur Kulturhauptstadt Europas.

Portal der Herrlichkeit

Portico de la Gloria. Portal der Herrlichkeit. Westfassade. Haupteingang.

 

Christus als Weltenherrscher inmitten der Evangelisten, Apostel, Engel und Ältesten. Ein Meisterwerk von Maestro Mateo.

Im Einzelnen. Im Tympanon des Mittelportals sitzt Christus als Erlöser; deutlich sind an seinen Händen seine Wundmale zu sehen. Er ist von den vier Evangelisten Johannes (Adler), Matthäus (Mensch), Lukas (Stier) und Markus (Löwe) umgeben, die ihre Symbolgestalten vor sich halten. Zu beiden Seiten sind je vier Engel mit Marterwerkzeugen zu sehen, über ihnen in zwei Zonen zweiundvierzig Selige. Die vierundzwanzig Ältesten aus der Offenbarung des Johannes bilden den Rahmen des Tympanons. Jakobus, nicht wie sonst üblich die Gottesmutter Maria, sitzt unterhalb von Christus auf einer reich skulpierten Säule mit dem Pilgerstab in der Hand, mit der anderen hält er eine Buchrolle. Seine Darstellung erinnert an einen Bischof. An der linken Säule erkennt man die Propheten Moses, Jesaias, Daniel und Jeremias, rechts dann die Apostel Petrus, Paulus, Jakobus der Jüngere und Johannes; vgl. auch Menüpunkt KATHEDRALEN Santiago de Compostela.

 

Bevor Meister Mateo tätig werden konnte, musste allerdings König Ferdinand II. (1157-1188) befragt werden. Er erlaubte 1168 Erzbischof Don Pedro Gudesteiz, der Kathedrale einen Narthex (griechisch für Vorhalle einer Basilika) vorzubauen. Die Inschrift am Sturz des Mittelportals besagt, dass Mateo seine Arbeiten in 1188 beendete, sehr wahrscheinlich war er von den Kirchen in Burgund, zum Beispiel von den Kirchen in Cluny (1130) und Vezelay (1132) beeinflusst gewesen.    

 

Was mag der mittelalterliche Pilger angesichts dieser Glorie gedacht haben? Zunächst einmal wird er gestaunt haben, wie wir. Über die goldfarbene, imposante Westfassade, die so unwiderstehlich wirkt, den Pilger einlädt, die Kathedrale zu betreten, das romanische Kirchenschiff, das so ganz anders ist als das barocke Außenkleid.  Er kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus ob der Ausmaße der Kathedrale. Die Gesamtlänge wird mit 93,80 Meter angegeben, die Länge des Querschiffs mit 63 Meter. Das Mittelschiff ist 24 Meter hoch, die Seitenschiffe 7 Meter und die Vierungskuppel 33 Meter. Die Orgeln entstammen dem 18. Jahrhundert von Manuel Sanz und Gregorio Gonzales. Die Vierungskuppel, in 1448 gebaut, wurde im 18. Jahrhundert umgebaut und neu dekoriert. Der heutige Botafumeiro, das Räucherfaß, das an hohen Festtagen geschwenkt wird, stammt aus dem Jahre 1851 (Stand: 1979); Franzosen hatten es in 1809 entwendet. Text teilweise Vera und Hellmut Hells Buch Die große Wallfahrt des Mittelalters, 1979 entnommen.  

Fotos

1. Reihe: Westfassade. Praza do Obradoiro.

              Hoch oben der hl. Jakobus.

2. Reihe: Portikus der Seligkeit. Portico de la Gloria.

              Rechter Bereich des Eingangs.

3. Reihe: Links. Freigegebene Heliographie aus 1889.

              Säule zu Füßen des Apostels mit der Figur des Baumeisters Mateo;

              war in 2006 noch nicht abgesperrt.

4. Reihe: Pilgergottesdienst. 

              Blick auf den Hochaltar.

5. Reihe: Zelebranten der Heiligen Messe.

              Jakobus als Matamoros, Miles Christi.             

Was bleibt

Über achthundert Kilometer durch das heutige Spanien liegen hinter dem Pilger, heute wie damals im Mittelalter. Für uns vierunddreißig Etappen Faszinierendes,  Eindrucksvolles, Meditatives, Spirituelles, Traumhaftes, Leichtes, Anstrengendes, Schmerzhaftes, Liebevolles, Unvergessliches, Religiöses, Mystisches, Kulturelles, Geschichtliches.   

 

Gemeinsam mit Einheimischen und Besuchern feiern die Pilger wie wir die Heilige Messe. Viele junge Menschen sind darunter, andächtig versammelt. Dankbar erinnern sie sich an das Geschaffte, das Erreichte, an die Ankunft in Compostela: so manche Träne kullert die Wange hinunter. Ein bemerkenswerter Abschnitt ihres, unseres Lebens steht vor dem Ende.

 

Zu Hause werden wir uns erinnern an die Worte des Erzbischofs, der in seinem Pastoralbrief zum Heiligen Compostelanischen Jahr 2010 kurz und prägnant formulierte: "Pilger des Glaubens sind Zeugen des Auferstandenen."

 

Der Sprecher einer in 2003 gezeigten TV-Dokumentation brachte es genauso richtig wie folgt auf den Punkt: "Wir sind in der Welt nur auf der Durchreise, auf der Pilgerschaft. Der Berg der Verklärung, die Kathedrale des Apostels Jakobus, steht für die Sehnsucht nach einer zukünftigen Welt, in der keiner mehr weinen muss, außer vor Freude. Was bleibt sind die Bilder eines Himmels, der sich zuweilen öffnet."