PAPST CALIXTINUS II.                                Promoter des Camino de Santiago im 12. Jh.

Rom. Lateranbasilika. San Giovanni in Laterano. Die eigentliche Bischofskirche der Päpste.

Einführung in den Codex Calixtinus                   Liber Sancti Jacobi

Papst Calixtinus II.

 

Die im 12. Jahrhundert publizierte Handschrift wurde anfangs schlicht und einfach "Iakobus" genannt. Erst die spätere Forschung machte daraus den Liber Sancti Jacobi, das Buch des Heiligen Jakobus, gewöhnlicherweise aber auch als Codex Calixtinus bezeichnet, zurückgehend auf den vermuteten Autor Papst Calixtinus II.

Dieses Dokument, genauer gesagt ist es das Buch V. des Codex, der Pilgerführer, hat den entscheidenden Einfluss auf die Pilgerschaft nach Santiago de Compostela genommen. Fachleute sprechen vom ältesten in Latein verfassten touristischen Pilgerführer Europas.

 

Der Liber Sancti Jacobi wird von Historikern und Wissenschaftlern als ein Juwel der mittelalterlichen Literatur bezeichnet und behandelt. Allein dadurch, dass Papst Calixtinus II. (1119 - 1124) lange Zeit als Urheber und Verfasser des Codex` galt, führte den Camino de Santiago zur vollen Blüte. Hunderttausende pilgerten fortan gen Compostell, in manchen Jahren soll es bis zu einer Million Menschen gewesen sein. Sidestep: Heute beklagen wir uns darüber, wenn mehr als einhunderttausend Pilger auf dem Weg sind.

 

Einige Wissenschaftler vermuten, dass sein Sekretär Aymeric Picaud, ein französischer Gelehrter und Geistlicher, den Codex Mitte des 12. Jahrhunderts zusammengestellt habe. Aymericus (oder Haimerich) war päpstlicher Kanzler.

Manuel C. Diaz y Diaz kommt in dem von Paolo Caucci von Saucken 1993 herausgegeben Bildband "Santiago de Compostela - Pilgerwege" zu folgender Überlegung: Auch bedingt durch die immensen Pilgerscharen sei eine ganze Glaubenslehre zur Verherrlichung des Apostels Jakobus entstanden. Man verglich sich mit Rom. Bischof Diego Gelmirez, mit engen Beziehungen zum burgundischen Herrrscherhaus ausgestattet, 1100 zum Bischof von Compostela ernannt, ging sobald daran, das Ansehen des Bistums zu erhöhen. Es wurde dann folgerichtig 1120/24 zum Erzbistum aufgewertet.

 

Jahre später, 1130, beauftragte der Erzbischof einen kundigen Priester / Archivar mit der Zusammenstellung eines großen Buches zwecks theologischer Unterfütterung des Camino de Santiago, das alle Daten und Informationen über den heiligen Jakobus enthalten sollte. So entstanden nach und nach die einzelnen unten beschriebenen Bücher. Gelmirez legte gleichermaßen großen Wert auf die Implementierung religiöser, liturgischer Messbuchtexte, bezogen auf die beiden Festtage des Heiligen. 25. Juli: Gedenktag der römischen Kirche (Martyrium und Tod in Jerusalem) und 30. Dezember: Gedenktag der spanischen Kirche (Translation / Überführung des Leichnams von Jerusalem an die Westküste des heutigen  Spaniens). 

 

Im Verlauf des gesamten Geschehens spielten darüber hinaus mehrere überregionale Protagonisten eine wichtige Rolle: die der französischen Abtei von Cluny, die des Vatikan wie Papst Calixtinus II. und Papst Innozenz II. Letzterer garantierte mit einer um 1141 erlassenen Bulle (angeblich eine Fälschung) einen im Codex enthaltenen zusätzlichen Text und bezog sich dabei explizit auf die Gesamtausgabe des Codex Calixtinus.  Oben erwähnter Americ Picaud von Parthenay/Vezelay soll den von weiteren Persönlichkeiten des päpstlichen Hofes beglaubigten Codex Calixtinus in die Kathedrale von Compostela verbracht haben. So schließt sich also der Kreis für jene, die an der Urheberschaft dieses französischen Gelehrten und Klerikers festhalten. Im 14. Jahrhundert ließ der Generalsuperior der Erzdiözese, Don Berenguer de Landoria, eine genaue Kopie des Liber Sancti Jacobi erstellen; heute aufbewahrt in der Universität von Salamanca. Zwei weitere excellente Abschriften befinden sich im Vatikan und in London.

 

Das in der Kathedrale von Santiago de Compostela befindliche einzig noch erhaltene Manuskript des Codex Calixtinus, nicht zu verwechseln mit dem später daraus gemachten Liber Sancti Jacobi (ergänzt u. a. mit Dekorativem und weiteren Geschichten, etc.), war Anfang  Juli 2011 von einem dort beschäftigten Elektriker gestohlen worden. Ein Politikum, das hohe Wellen schlug. Zwölf Monate später entdeckte man das Buch unbeschädigt in seiner Garage.

Der Codex Calixtinus                                            Das Jakobsbuch / Liber Sancti Jacobi

Rom. Patriarchalbasilika St. Paul vor den Toren. Bildnis Papst Calixtinus II. (1119-1124); in der Reihe aller Päpste einschließlich Benedikt XVI., beginnend mit Petrus.

 

Der Codex Calixtinus beginnt mit einer langen Predigt des Papstes, der Veneranda dies (Der ehrwürdige Tag) zu Ehren des heiligen Jakobus (Teil I); er enthält weiterhin Predigten und liturgische Texte wie Stundengebete.

 

Die Predigt wurde gehalten zum 30. Dezember, dem Tag des Translationsfestes. (Einschub: Der Tag der Überführung der Gebeine wird auch heute noch gefeiert; das Hauptfest wird am 25. Juli, dem Gedenktag des Heiligen, zelebriert). 

Der Verfasser schildert die Translation des Apostels nach Galicien, verwirft seiner Meinung nach falsche Berichte hierüber; er geht auf die Pilgerscharen ein, die nach Compostell eilen, mehr als 70 Völker sollen es sein; er beschreibt die Ausstattung des Pilgers mit Stab und geweihter Pilgertasche und  die damit verbundene Bedeutung nebst Gebete und nicht zuletzt geht er auf die Symbolik der Jakobsmuschel ein. Der Apostel habe große Vorbilder in Adam, Jakob bis zu Christus selbst gehabt.

 

Einen ganz wichtigen Teil seiner Predigt nimmt das Laster ein, vor allem das derjenigen der schlechten Wirte, der Räuber, der Diebe, der Prostituierten,  der Lügenmärcherzähler über den heiligen Jakobus, der betrügerischen Geldwechsler, der hinterlistigen Händler und der gierigen Zöllner. Sie alle habe der Pilger zu fürchten. Gleichwohl schließt der Papst das Kapitel versöhnlich mit einem Lob auf den Heiligen, auf das spanische Volk, auf die Grabstätte und auf die frommen Pilger selbst.  

 

Das Buch der Wunder - Teil II. geht auf zweiundzwanzig Wunder ein, die dem Wirken des heiligen Jakobus zugeschrieben werden; überliefert unter anderem aus Galicien, Deutschland, Ungarn, Italien. Damit wurde letztlich verdeutlicht, dass schon zu diesem Zeitpunkt der Jakobuskult in großen Teilen Europas verbreitet war.

 

Teil III. - Verehrung des Heiligen - behandelt vor allem die wundersame Translation Jakobi von Jerusalem nach Spanien; vgl. dazu auch Menüpunkt JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE > Auf den Spuren des heiligen Jakobus. Für die damaligen Gläubigen Beweis genug, dass seine leiblichen Überreste sich tatsächlich in Compostela befinden. 

Ratsversammlung der Franken mit Erzbischof Turpin von Reims um 1100. Rolandslied des Pfaffen Konrad. Gemeinfreies Foto.

 

Der IV. Teil ist Karl der Großen gewidmet. Es thematisiert den Feldzug König Karls Anno Domini 778 gegen die Mauren, was laut Papst einher ging mit dem  ungehinderten Zugang der Pilger zum Grab des Apostels in Compostell. Danach hatte Karl in einer nächtlichen Vision von Jakobus eben diesen Auftrag erteilt bekommen. Karl (der Große) folgte der Vision, befreite Compostela  und gründete die Kathedrale des Heiligen. Im weiteren Verlauf wird sein erfolgreicher Kampf gegen die Mauren beschrieben. 

 

Dieses Kapitel wird auch gerne Pseudo-Turpin genannt. Hinter ihm wird Erzbischof Turpin von Reims (748-794) vermutet. Manuel Diaz y Diaz zufolge handelt es sich dabei um eine legendäre Figur, die sich den authentischen Erzbischof Tilpinus von Reims zum Vorbild nimmt, einen Zeitgenossen und Mitstreiter von Karl dem Großen. In der Tat ist ein Buch verfasst worden mit dem Titel "Buch vom Feldzug (Karls des Großen) und von der Bekehrung Spaniens und Galiciens." Die Wissenschaftler sind sich allerdings auch in diesem Themenbereich nicht einig und streiten, diskutieren munter. Die Schlachten Karls des Großen auf der iberischen Halbinsel sind überdies im Rolandslied (La Chanson de Roland, zwischen 1075 und 1110 entstanden) überliefert. Auch wird der Zeitraum nach 1139 genannt für Turpins Historia Karoli Magni et Rotholandi.

 

Der Teil V. des Liber Sancti Jacobi wird als Anleitung für die Durchführung der Wallfahrt nach Compostela verstanden. Er beginnt mit den Worten: "INCIPIT LIBER. IIII. SCI. JACOBI. A - Hier beginnt das IV. (V.) Buch des heiligen Apostels Jakobus." Das Vorwort des seligen Papstes Calixtus schließt sich an: "Wenn der gebildete Leser in unseren Werken die Wahrheit sucht, wird er sie in diesen Blättern bedenkenlos und ohne Zögern finden, denn alles was hier geschrieben ist, bezeugen viele, die noch leben, als wahr."

 

Der Pilgerführer besteht aus elf Kapiteln, in denen es von praktischen Tipps nur so wimmelt. Er beschreibt detailliert die Hauptwege Via Turonensis, Via Lemovicensis, Via Podiensis und Via Tolosana.

 

Die in den Kapiteln 1 und 2 erwähnten Strecken über den Somportpass, Puente la Reina, Pamplona, Burgos und letztlich von León nach Compostela sollten die "Pilger, die nach Compostell aufbrechen und dies hören, (in die Lage versetzen), die nötigen Reisekosten im Voraus planen zu können."

 

Die vermerkten Tagestrecken sind bis zu sechzig Kilometer lang, also kaum vom Fußpilger schaffen, wohl mehr mit dem Pferd. Es kann durchaus sein, dass die Autoren letztlich diese Distanzen bewusst gewählt haben, um die Pilger nicht von vornherein abzuschrecken.

 

Der Pilgerführer geht gleichermaßen auf viele an diesem Weg gelegene Orte ein, auf deren Namen und Bedeutung; beschreibt in den Kapiteln 4 und 5 das Hospiz Santa Cristina vom Somportpass, es sei neben den Hospizen in Jerusalem und jenem auf dem St. Bernhard-Pass das wichtigste und bedeutendste. Im weiteren Verlauf unterlässt er es nicht, auch die Namen der berühmten Straßenbauer zu wiederholen, die den Camino erst mehr oder weniger gangbar gemacht hätten. 

 

In den Kapiteln 6 und 7 widmet sich der Pilgerführer den Gefahren wie schlechte (vergifte) und gute Wasser, den Charakterzügen der Einwohner entlang der Pilgerstraßen. Im Kap. 9 den heiligen Reliquienstätten und Kirchen, die der Pilger unbedingt besuchen sollte; der Beschaffenheit der Stadt Compostela und ausgesprochen ausführlich und detailgenau der Basilika des heiligen Jakobus wie Maße der Kirche, Anzahl der Fenster, alle Portale, Altäre, etc.

 

Die Kapitel 10 und 11 gehen auf die Opfergaben ein, die jeder Pilger dem heiligen Jakobus darbringen soll - letztlich zwecks Finanzierung der bedürftigen Rückreisepilger. Überschrift: Würdige Aufnahme der Pilger in Compostela.

 

Auszüge aus dem Codex Calixtinus

Vorwort des seligen Papstes Calixtinus

"Wenn der gebildete Leser in unseren Werken die Wahrheit sucht, wird er sie in diesen Blättern bedenkenlos und ohne Zögern finden, denn was hier geschrieben ist, bezeugen viele, die noch leben, als wahr." 3

 

BEISPIELE

"Der Fluss in Logroño heißt Ebro, sein Wasser ist gut und reich an Fischen. Alle Flüsse zwischen Estella und Logrono führen ein für Pferd und Menschen todbringendes Wasser, und vom Verzehr ihrer Fische wird abgeraten."

 

"Vom Cisapass bis nach Santiago verbleiben 13 Etappen (…) Die neunte von Leon bis Rabanal, die zehnte von Rabanal bis nach Villafranca, nachdem man den Monte Irago überquert hat. Die elfte nach Triacastela über den Cebreropass; die zwölfte reicht von Triacastela nach Palas del Rey; die dreizehnte bis nach Santiago ist kurz."

 

"Dies sind die Namen einiger Straßenbauer, die zu Zeiten des Erzbischofs Diego von Compostela, des Kaisers Alfons von Spanien und Galicien und des Papstes Calixt den Jakobsweg von Rabanal bis zur Minobrücke aus Liebe zu Gott und zu seinem Apostel instand setzten. Dies geschah vor dem Jahr 1120 unter der Regierung des Königs Alfons von Aragonien und Ludwigs des Dicken von Frankreich: Andreas, Roger, Alvitus, Fortus, Arnold, Stephan und schließlich Petrus, der die von Königin Urraca zerstörte Minobrücke wiedererbaute. Die Seelen dieser Männer und ihrer Helfer mögen ewig in Frieden ruhen."

 

Hinweis: Weitere Auszüge des Codex Calixtinus sind den einzelnen Etappen unseres REISEBERICHTs WESTWÄRTS zu entnehmen.

 

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Es gibt gute Literatur. Hier empfehle ich unter anderem die betreffenden Bücher von Prof. Klaus Herbers und den oben beschriebenen Bildband von Paolo Caucci von Saucken.

Vita Papst Calixtinus II.

WORMSER KONKORDAT - BEENDIGUNG DES INVESTITURSTREITS 

1. LATERANKONZIL Anno Domini 1023        

 

Papst Calixtinus II., geboren als Guido von Burgund, lebte im Hochmittelalter von 1060 bis zum 13. Dezember 1124. Die letzten gut fünf Jahre amtierte er als 162. Nachfolger Petri, gewählt im französischen Cluny am 2. Februar 1119, wo sein Vorgänger Papst Gelasius II. gestorben war. Gelasius wiederum war Nachfolger von Paschalis II. Warum erwähne ich das? Papst Paschalis II. hatte mit König Heinrich V. am 9. Februar 1111 einen Vertrag schließen können, wonach der deutsche König auf das Investiturrecht verzichtete, um im Gegenzug dann vom Papst zum Kaiser gekrönt zu werden. Der Vertrag scheiterte an der fehlenden Zustimmung der weltlichen und geistlichen Fürsten. Papst Calixtinus II. sollte elf Jahre später das Werk seines Vorvorgängers vollenden. Dazu später mehr. 

 

Zurück zu Calixtinus II., auch Calixtus II., Calixt II. oder Callistus II. genannt. Erst nachdem auch die in Rom gebliebenen Kardinäle sowie das römische Volk seiner Wahl zugestimmt hatten, damaligen Gepflogenheiten entsprechend, stimmte auch er der Papstwahl zu - obwohl selbst kein Kardinal, sondern nur Erzbischof.  Offensichtlich bewahrte sich Calixtinus auch in seinem neuen Amt sein Interesse am Jakobsweg, das er schon Jahre zuvor als Abt von Cluny und Erzbischof von Vienne zum Ausdruck gebracht hatte - durch die Förderung der Wallfahrten nach Santiago. Nicht von ungefähr wird das Jakobsbuch, lateinisch Liber Sancti Jacobi, eben auch Codex Calixtinus genannt, ob zu Recht oder nicht sei dahingestellt.

 

WORMSER KONKORDAT

Berühmt geworden ist dieser Papst also durch die Beendigung des Investiturstreits am 23. September 1122. Zusammen mit dem deutschen Kaiser Heinrich V. initiierte er das Wormser Konkordat. Die Kirche konnte nunmehr ihr originäres Recht wahrnehmen und fortan Bischöfe wie Äbte selbst auswählen und ernennen (die Investitur = Einweisung in ein Amt) - allerdings nur in Anwesenheit kaiserlicher Abgeordneter. Diese Regelung gilt prinzipiell auch heute. Als Vertragspartner fungieren der Heilige Stuhl und die Bundesrepublik Deutschland.  

 

Zur Vorgeschichte. Calixtinus II. war Anhänger der Reformbewegung, die auf Papst Gregor VII. (1020 bis 25. Mai 1085) zurückgeht. Ziel der Reformer war, die Kirche wieder zum Idealzustand der Urkirche zurückzuführen. Nur so könne sie die Welt zum Christentum führen - auch als Gregorianische Reform bezeichnet. Dazu zählte die konsequente Einhaltung der priesterlichen Ehelosigkeit, die Abschaffung des Konkubinats für Priester, das Verbot der Simonie (widerrechtlicher Kauf oder Verkauf von kirchlichen Ämtern, Pfründen, Reliquien, etc.), und letztlich ging es auch um die Stellung des Papstes, seines Primats.

 

Nachdem König und Fürsten in Folge der Papstwahl von 1119 endlich ihren Reichsfrieden hatten schließen können, nahm die weltliche Seite die 1111 n. Chr. gescheiterten Friedensverhandlungen mit dem Papst wieder auf. Calixtinus II. wich mit keinem Deut vom Anspruch des Verzichts des königlichen Investiturrechts ab. König wie Fürsten widersprachen, vor allem letztere sahen sich neben dem König als rechtmäßige Repräsentanten des Reichs. Die Einigung wurde schlussendlich mit dem Wormser Konkordat von 1122 erzielt. Christian Schumacher beschreibt es in seinem Aufsatz Das Reformpapsttum 1046-1123/23 wie folgt:

Die Einigung wurde im Wormser Konkordat 1122 erzielt vor dem Hintergrund, dass nicht nur das salische Haus vor dem Abgrund stand, sondern eben auch das Reich. Die Einigung bestand darin, dass der König auf seine Investitur mit Ring und Stab verzichtete, denn Ring und Stab sind beides Symbole der geistlichen Herrschaft und in der Kirche wurde der Standpunkt vertreten, dass der König trotz seiner Salbung nur ein Laie ist und daher kein Anrecht auf diese Verleihung hat. Außerdem trennte man ab sofort die weltliche Einführung in das Bischofsamt und die damit verbundenen Würden und Besitzungen strikt von der Einführung in das geistliche Amt des Bischofs. Im Reich sowie in Reichsitalien und Burgund wurde, unter königlicher Anwesenheit, als erstes der Kandidat nach kanonischer Wahl gewählt. Im Reich kam an zweiter Stelle die Investitur in die Regalien durch die Verleihung eines Zepters seitens des Königs und an dritter Stelle die sakramentale Bischofsweihe. In Reichsitalien und Burgund kam die Weihe vor der Investitur. So wurde das königliche Investiturrecht vermindert, jedoch hatte der König im Reich noch verhältnismäßig viel Einfluss auf die Bischofswahl, denn die Weihe und damit die Erhebung ins Amt war durch die Investitur bedingt. Dennoch wertete der Papst das Wormser Konkordat als Sieg, da die meisten der päpstlichen Forderungen durchgesetzt wurden und der König mehr Zugeständnisse machen musste.“

 

1. LATERANKONZIL 1023

Die letzte wichtige Tat seines Pontifikats war die Einberufung des 1. Laterankonzils 1023 in Rom, in welchem unter anderem das Wormser Konkordat bestätigt und die Eheschließung der Geistlichen untersagt wurde im Rahmen der oben bezeichneten Gregorianischen Reform, also Entsagung der Käuflichkeit von Weihen, Verbesserung der Sitten der Kleriker. Immerhin sollen zwischen 300 und 1.000 Kleriker (Bischöfe, etc.) anwesend gewesen sein. 17 resp. 22 Kanones, das sind kirchliche Dokumente, wurden verabschiedet.

Den dort aufkommenden Widerspruch zum Konkordat seitens der Bischöfe, immerhin hatte der König noch in gewisser Weise mitzureden, bügelte der Papst mit seiner Erklärung ab, dass die Anwesenden kein Mitspracherecht besäßen, er alleine sei der Entscheider - quasi eine Vorwegnahme des 1870 während des 1. Vatikanischen Konzils von Papst Pius IX. verkündeten Dogmas der Unfehlbarkeit ex cathedra. (bitte durchscrollen)

 

DAMALIGE SITUATION

MIT HEUTE NICHT VERGLEICHBAR

Um die damalige Situation überhaupt zu verstehen, muss man wissen, dass bis 1122 das Verhältnis zwischen König und Kirche im Wesentlichen durch den sakralen Charakter des Königs bestimmt war, von seinem Selbstverständnis her. Danach änderte sich das sakrale Anrecht. Das Verhältnis zwischen König/Kaiser und den Bischöfen wie zu den Fürsten wurde auf die Basis des eidlichen Lehensrecht gestellt = leihen. Hieraus gingen im Spätmittelalter die Fürstbischöfe hervor. Papst Calixtinus` letzte Ruhestätte befindet sich in der römischen Lateranbasilika.

Quelle u.a. Christian Schumachers Aufsatz Das Reformpapsttum 1046-1122/23, erschienen auf der Webseite des Arbeitskreises katholischer Glaube, Ausgabe Dezember-Januar 2017/17, Nr. 131.