MEHR VON PAPST BENEDIKT XVI.

Joseph Kardinal Ratzinger mit Papst Johannes Paul II. Er diente ihm jahrzehnte-lang als Präfekt der Glaubenskongregagtion.

Einstimmung

"Die volle Menschwerdung des Menschen ist nur durch die Menschwerdung Gottes (Jesus Christus) möglich"

Professor Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.), viele wollen es heute nicht glauben, war der Star der damaligen (60ziger und 70ziger Jahre) Theologen-Professoren. Seine Studenten verehrten und bewunderten ihn. Seine Vorlesungen waren rappelvoll, sie saßen teils auf den Treppen und in Nachbarräumen, besonders wenn er vom Zweiten Vatikanum berichtete.

 

Ausgerechnet in 1968, dem Jahr der sog. 68er Revoluzzer, wurde sein berühmtestes Buch „Einführung in das Christentum“ editiert, ein Zusammenschnitt seiner damaligen Vorlesungen. Sogar Fidel Castro bekannte dem späteren Papst Benedikt XVI. anlässlich dessen Kubabesuches in 2012, dass er sein Buch gelesen habe. Dies wurde allerdings erst nach dem Tod des kubanischen Revolutionsführers am 25. November 2016 bekannt. Immerhin, Fidel Castro hatte sich fast ein Leben lang als Atheist bezeichnet, wenngleich, wie üblich in Latein-Amerika, katholisch sozialisiert. 

 

Zwei Kernsätze des Buches beschreiben die Theologie des nachmaligen Papstes sehr schön: 

  • Die volle Menschwerdung des Menschen ist nur durch die Menschwerdung Gottes (Jesus Christus) möglich.

  • Christliche Existenz ist Pro-Existenz: Dasein für Andere.

Papst Johannes Paul II. war gleichermaßen von Ratzingers Theologie angetan, ein Grund mehr, ihn in seiner Nähe haben zu wollen. Ebenso viele Schüler/Studenten des Professors, heute selbst Theologieprofessoren und/oder Bischöfe und Kardinäle. So bildete sich nicht von ungefähr schon früh ein Ratzinger-Schülerkreis. Allein in der Begrifflichkeit "Schüler" kommt sehr schön zum Ausdruck, wie sehr ihn seine damaligen Studenten gestern wie heute verehren und bewundern.

 

VATIKAN-WEBSEITE PAPST BENEDIKT XVI. 

Bitte http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de.html  anklicken.

Joseph Cardinal Ratzinger: Der Sieg der Wahrheit Vernunft und Glaube

Kardinal Reinhard Marx, einer der Nachfolger Joseph Ratzingers als Erzbischof von München und Freising, brachte des Papstes Auffassung von Vernunft und christlichem Glauben auf eine prägnante Formel: 

 

Das Christentum ist nicht die Fortsetzung der Religionen mit anderen Mitteln - sondern die vernunftgeleitete Aufklärung.

 

Marx bezog sich dabei auf den Vortrag des vormaligen Glaubenspräfekten des Vatikan am 27. November 1999 anläßlich eines Kolloquiums der Pariser Sorbonne zum Thema: »2000 ans après quoi?«

 

Die Christenheit, die Entmythologisierung und der Sieg der Wahrheit über die Religionen.

 

Nachzulesen unter: http://ivv7srv15.uni-muenster.de/mnkg/pfnuer/Ratzinger-Wahrheit.html

 

Nachstehend einige erklärende Auszüge seines faszinierenden und brillanten Vortrages. Den Zuhörern muss bei diesen Sätzen der Atem gestockt sein, in etwa so formulierte es Kardinal Marx in seinem Vortrag zum 90-zigsten Geburtstag des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Ende April 2017 in der Katholischen Akademie in Bayern.

 

„Das Christentum hat nach dieser Sicht seine Vorläufer und seine innere Vorbereitung in der philosophischen Aufklärung, nicht in den Religionen. Das Christentum beruht nach Augustinus und nach der für ihn maßgebenden biblischen Tradition nicht auf mythischen Bildern und Ahnungen, deren Rechtfertigung schließlich in ihrer politischen Nützlichkeit liegt, sondern es bezieht sich auf jenes Göttliche, das die vernünftige Analyse der Wirklichkeit wahrnehmen kann.

Anders gesagt: Augustinus identifiziert den biblischen Monotheismus mit den philosophischen Einsichten über den Grund der Welt, die sich in verschiedenen Variationen in der antiken Philosophie herausgebildet haben. Dies ist gemeint, wenn das Christentum seit der Areopag-Rede des heiligen Paulus mit dem Anspruch auftritt, die religio vera zu sein.

Das will sagen: Der christliche Glaube beruht nicht auf Poesie und Politik, diesen beiden großen Quellen der Religion; er beruht auf Erkenntnis. Er verehrt jenes Sein, das allem Existierenden zugrunde liegt, den „wirklichen Gott“.

 

Im Christentum ist Aufklärung Religion geworden und nicht mehr ihr Gegenspieler.

Weil es so ist, weil das Christentum sich als Sieg der Entmythologisierung, als Sieg der Erkenntnis und mit ihr der Wahrheit verstand, deswegen mußte es sich als universal ansehen und zu allen Völkern gebracht werden: nicht als eine spezifische Religion, die andere verdrängt, nicht aus einer Art von religiösem Imperialismus heraus, sondern als Wahrheit, die den Schein überflüssig macht.“  

Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung Ratzinger-Schülerkreis

Die Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung wurde am 21. Dezember 2007 vom Ratzinger-Schülerkreis mit Zustimmung des Papstes gegründet: www.ratzinger-papst-benedikt-stiftung.de.

Interessierte werden hier eine Fülle von Informationen zu Papst Benedikts XVI. Theologie erhalten; Schriften, Bücher, Veranstaltungen, etc.; vgl. obige Vortrag von 1999 in Paris.

 

Dem Ratzinger-Schülerkreis gehören illustre Professoren und derzeit ständig zwei Kardinäle (Christoph Schönborn aus Wien und Kurt Koch aus Basel) an. Sie diskutieren jedes Jahr, unter Heranziehung externer Theologen, ein jeweils neues Thema anhand der Theologie von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI.

 

In diesem Jahr, 31. August bis 3. September 2017, referieren der Linzer Bischof Manfred Scheuer und der deutsche Priester und Historiker Helmut Moll. Das Generalthema lautet: "Christenverfolgung und Martyrium." 

 

Der Schülerkreis wurde 1977 gegründet, nachdem Professor Joseph Ratzinger von Papst Paul VI. zum Erzbischof von München und Freising ernannt worden war. Nach seiner Emeritierung in 2013 hat Benedikt XVI. nicht mehr an der Tagung teilgenommen; dieses Jahr (2017) steht er aufgrund seines hohen Alters auch nicht mehr der gemeinsamen Messe vor.  

Joseph-Ratzinger-Preis                                          gilt als der "Nobelpreis der Theologie" 

Joseph Ratzinger ein Jahrhunderttheologe

Der Joseph-Ratzinger-Preis wird seit 2011 an Wissenschaftler und Gelehrte verliehen, die sich im Bereich der Theologie besonders ausgezeichnet haben.

Die Preisträger werden vom Papst auf Vorschlag des Wissenschaftskomitees der vatikanischen Stiftung "Joseph Ratzinger – Benedikt XVI" ausgewählt, zu dem die Kardinäle Kurt Koch, Gianfranco Ravasi, Kurienerzbischof Luis Ladaria und der Bischof von Regensburg, Rudolf Voderholzer.

 

In 2017 ist der Preis an den Dogmatiker Prof. em. Karl-Heinz Menke verliehen worden. Der Professor sei ein ausgezeichneter Kenner der Gedanken Joseph Ratzingers und habe mehrere Studien zu den Werken des mittlerweile emeritierten Papstes veröffentlicht, betonte Pater Federico Lombardi SJ bei einer Pressekonferenz im Vatikan. Quelle:

https://de.catholicnewsagency.com/story/nobelpreis-fur-theologie-fur-karl-heinz-menke-2378

Vita Joseph Aloisius Ratzinger

Joseph Aloisius Ratzinger, geboren am 16. April 1927 im bayerischen Marktl am Inn. Kurz nach dem Krieg 1948 zusammen mit seinem Bruder Georg zum Priester geweiht. 1958 Professor für Dogmatik in Freising, Fundamentaltheologe 1959 in Bonn und 1963 in Münster; 1966 auf Empfehlung von Hans Küng auf den Lehrstuhl in Tübingen berufen. 

 

Am 24. März 1977 wurde Prof. Joseph Ratzinger von Papst Paul VI. zum Erzbischof von München und Freising ernannt, zuvor hatte er eine Professur in Regensburg angenommen, einen Monat später erfolgte die Ernennung zum Kardinal. Papst Johannes Paul II. wollte ihn unbedingt zu sich an die Kurie holen. 1981 konnte er den Kardinal letztlich überzeugen/überreden und ernannte ihn am 25. November zum Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre.

 

Kardinal Robert Sarah aus Guinea beschreibt in seinem Buch Gott oder Nichts das Verhältnis zwischen Papst Johannes Paul II. und Kardinal Ratzinger wie folgt: "Ich meine, dass zwischen den beiden Männern eine derartige Abstimmung existierte, dass es ihnen unmöglich geworden war, sich voneinander zu trennen. Johannes Paul II. war von der intellektuellen Tiefe und dem offensichtlichen theologischen Genie Joseph Ratzingers stets begeistert. Der Kardinal seinerseits war davon fasziniert, wie sehr sich Johannes Paul II. in Gott versenken konnte." - Quelle: Robert Kardinal Sarah und Nicolas Diat, Gott oder Nichts - Ein Gespräch über den Glauben, 2015. Mit einem Vorwort von Georg Gänswein. www.fe-medien.de; 88353 Kißlegg.

 

Am 19. April 2005 wählte das Kardinalskollegium den 78jährigen zur Überraschung vieler bereits im vierten Wahlgang zum Pontifex maximus seines hoch verehrten Vorgängers. Seine Predigt als Kardinal-Dekan der Beisetzungs-feierlichkeiten ist noch heute wegweisend; sein ihm vor allem von deutschen Medien fälschlich zugeschriebenes Attribut des Panzerkardinals war wie weggewischt. Das zeigte sich dann auch in seiner ersten Predigt auf der Loggia als frischgewählter Papst: bescheiden, zurückhaltend, vertrauend auf die Gebete der Gläubigen. Die Wahl erlebte ich zusammen mit Gero, meinem Zweitgeborenen, auf einem Rastplatz im texanischen Palo Duro Canyon State Park, 2005 im Rahmen unserer Route 66-Tour. 

 

Professor Dr. Joseph Ratzinger, Erzbischof, Kardinal, Papst: Eine glänzende Karriere, ein glänzender, unerreichter katholischer Theologe. Leider hat er nach wie vor in seinem Vaterland nicht sehr viele "Fans", da half auch die BILD-Überschrift am 20. April 2005 "Wir sind Papst" nicht lange. Die Euphorie verflog spätestens nach seiner Regensburger Rede im Jahre 2006. 

 

Zwölf Jahre nach seiner Wahl hat das Bayerische Fernsehen aus Anlass seines 90. Geburtstages Sondersendungen ins TV-Programm genommen. Man ist wieder begeistert von Ratzinger/Benedikt. Gudrun Sailer von Radio Vatikan spricht von feinzisilierten Worten, die ein überzeitliches Gut des Christlichen hinterlassen hätten, von der Schönheit des Glaubens, die er zum Ausdruck gebracht habe, von der Substanz der Kirche, die sein Ziel gewesen sei. Vieles von dem, was heute seinem Nachfolger Papst Franziskus zugeschrieben werde, sei in Wahrheit durch Benedikt XVI. vorbereitet worden.    

 

ZUSAMMENFASSUNG VON KIRCHE IN NOT

Das weltweite katholische Hilfswerk päpstlichen Rechts, das sich vornehmlich für die verfolgten Christen einsetzt, gab nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. im Rahmen der Reihe Glaubens-Kompass (www.glaubenskompass.de) eine Kurzbeschreibung des emeritierten Papstes heraus. Ich zitiere im wesentlichen die Überschriften:

 

Der jüngste von drei Geschwistern: Am 16. April 1927 in Marktl am Inn. Gymnasiast in Traunstein: 1937; Doktorarbeit "Summa cum laude" in neun Monaten 1950 zum Thema "Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche".

Priesterweihe als "Höhepunkt des Lebens": am 29. Juni 1951 (Peter und Paul) zusammen mit seinem Bruder im Freisinger Dom durch Kardinal Michael von Faulhaber.

Steile wissenschaftliche Karriere: Habilitation über "Die Geschichtstheologie des heiligen Bonaventura"; sodann Professor an den Hochschulen Freising, Bonn, Münster, Tübingen, Regensburg.

"Unendlich schwieriger" Entschluss: Ernennung zum Erzbischof von München und Freising und Kardinalserhebung durch Papst Paul VI. in 1977.

Von der Isar an den Tiber: 1981 von Papst Johannes Paul II. zum Präfekt der Glaubenskongregation berufen.

Meilensteine der Ökumene: Unter seiner Federführung neue Zusammenstellung der katholischen Glaubens- und Sittenlehre (Katechismus der Katholischen Kirche); Gemeinsame Erklärung zur Rechtsfertigungslehre, Erklärung Dominus Iesus; Teilnahme am interreligiösen Weltgebetstreffen in Assisi.

Abgelehnte Ruhestandsgesuche: Papst Johannes Paul II. ließ ihn einfach nicht gehen.

"Habemus Papam": Im kürzesten Konklave nach 1939 bereis am zweiten Tag mit einer Zweidrittelmehrheit zum Papst gewählt. Als Dekan hatte er bei der Eröffnung des Konklaves auf beeindruckende Art vor der Diktatur des Relativismus (Leugnung der Existenz von absoluten Wahrheiten) gewarnt.

Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus: In 2007 Veröffentlichung von Summorum Pontificum, wonach die Alte Messe vor der Liturgiereform von 1969/1970 nie verboten war.

Verfechter der Familie nach Gottes Plan: (Heute im Jahre 2017 nach der vom deutschen Bundestag beschlossenen Ehe für alle aktueller denn je).

Ökumene mit der Orthodoxie: Unter anderem mit den Patriarchen von Moskau und Konstantinopel. (Ein Hauptanliegen des em. Papstes).

Versöhnungsangebot endete in Feindseligkeiten: Sein Zugehen auf die Pius-Bruderschaft wurde ihm sehr übel genommen, auch und gerade in der eigenen Kirche. Sein Gestus der Barmherzigkeit wurde mit Empörung beantwortet. Missverstandenes Zitat: Stichwort Vorlesung in Regensburg 2006. Es ging hier um ein Zitat aus einem Gespräch des spätmittelalterlichen byzantinischen Kaisers Manuel II. Palailogos mit einem Moslem.

Drei Auslandsreisen pro Jahr: In besonderer Erinnerung geblieben sind neben seinen Besuchen in Deuschland, Österreich, USA, Heiliges Land, Großbritanien, Afrika die Weltjugendtage in Köln 2005 und Sidney/Australien 2008.

Glaube, Hoffnung und Liebe: Neben den vielen Verlautbarungen hatte der Papst Zeit für seine Enzykliken Deus Caritas est (Gott ist die Liebe), Spe salvi (Auf Hoffnung hin gerettet) und Caritas in veritate (Die Liebe in der Wahrheit). Die von ihm vorbereitete Enzyklika-Trilogie "Lumen fidei" (Das Licht des Glaubens) wurde von seinem Nachfolger ergänzt und in 2013 herausgegeben.

Weltweiter Bestseller: "Jesus von Nazareth": Seine wichtigse Veröffentlichung gab er unter zwei Namen heraus: unter seinem Papstnamen und unter seinem bürgerlichen. Dreibändig. (Motto: "Ich vertraue den Evangelisten.") 

"Tief beschämt" über sexuellen Missbrauch: Er gab sofort eine neue Richtlinie zur Bekämpfung heraus, wie er auch insgesamt 384 Priester in den Laienstand versetzte. (Ihm Untätigkeit, gar Verschleierung vorzuwerfen, grenzt an Verleumdung. Die diesbezüglich anklingenden Vorwürfe seitens des Bundespräsidenten Wulf und Kanzlerin Merkel waren und bleiben völlig unangemessen und anmaßend.)

Dieb im eigenen Haus: Stichwort Vatileaks-Affäre. Ein enger Angstellter des päpstlichen Haushalts hatte vertrauliche Dokumente entwendet und der Presse zugespielt. Amtsverzicht: Am Rosenmontag, 11. Februar 2013, am Welttag der Kranken, im Rahmen einer Ansprache vor den in Rom versammelten Kardinälen - auf Latein. Viele waren schockiert, (aber auch viele froh, wie diejenigen des deutschen Episkopats, der organisierten deutschen Katholiken, der deutschen Medien.)

Leben eines Mönchs: Seitdem lebt Papst em. Benedikt XVI. im Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten, vertieft im Gebet. Gleichwohl empfängt er, wie man hört, ständig Besuch von seinen Anhängern; von seinem Nachfolger Franziskus gelegentlich.   

Rückblick Februar 2009                                       Bundeskanzlerin Merkel kritisiert den Papst

Bischof Gregor Maria Hanke aus Eichstätt zeigte Bestürzung, „wie derzeit sogar von offizieller staatlicher und politischer Seite die Integrität von Papst Benedikt XVI. in Frage gestellt wird“ - Quelle: Katholische Nachrichten-Agentur. Andere sprachen davon, Merkel solle sich nicht als Lehrmeisterin des Papstes gerieren. Sie solle lieber in ihrer Berliner Koalition verstärkt christliche Grundsätze durchsetzen, beispielsweise eine christlich orientierte Familienpolitik. Nein, das tut sie natürlich nicht, dafür öffnet sie 8 Jahre später die Ehe für Alle.

 

Was war passiert? Der Papst hatte die Exkommunikation der Bischöfe der Pius-Bruderschaft aufgehoben. Unter ihnen war auch der britische Bischof Richard Williamson, der, was dem Papst zu dem Zeitpunkt nicht bekannt war, den Völkermord der Nazis an den Juden leugnete. Die Kanzlerin unterstellte mit Ihrer Kritik, dass sich der Vatikan nicht deutlich genug von eben diesem Bischof distanziert habe. Vor allen soll der Papst eine deutliche Stellungnahme zum Umgang der Kirche mit dem Holocaust abgeben. Ein Witz. Der Vatikan hat dieses Ansinnen natürlich abgelehnt. Hatte nicht Papst Benedikt XVI. in 2006 das Konzentrationslager in Auschwitz besucht und dort auf dem Gelände eine vielbeachtete Rede gehalten?

 

Übrigens, hat Frau Merkel jemals öffentlich den Iran, die Hamas oder die Hisbollah kritisiert, die entweder in ihrer Charta (eine Art Verfassung) zu stehen haben oder es öffentlich deklamieren, dass sie den jüdischen Staat Israel liquidieren wollen? Natürlich nicht.

Hat Frau Merkel dieser Tage (2017: 500 Jahre Luther) öffentlich den Reformator Martin Luther für dessen weiland geäußerten Judenhass gerügt? Natürlich nicht.  

Marianische Vesper mit Papst Benedikt XVI.        im Eichsfeld am 24. September 2011 

Etzelsbach/Thüringen. 24. September 2011.

 

Auf unserem dem Weg zur marianischen Vesper mit Papst Benedikt XVI. und über 90.000 katholischen Christen anlässlich seines Deutschlandbesuchs 2011, der ihn unter anderem nach Berlin, Erfurt und Freiburg geführt hatte.

 

Viele junge Menschen strömten gleichermaßen zu ihrem deutschen Papst, der deshalb nicht von ungefähr sagen konnte: "Denn diese Jugend will nichts Unverbindliches, sondern das Große (auf Jesus Christus bezogen)."

2011: Papst Benedikt XVI. mahnt in Freiburg Bescheidenheit der katholischen Kirche an

"Die wahre Entweltlichung"

Was Papst Franziskus später mit, zugegebenermaßen, einprägsameren und einfacheren Worten ausgedrückt hat,  sich wieder auf die Wurzeln des Katholischsein zu besinnen: Caritas - Liebe - Einfachheit - Zuwendung zu den Menschen, das hatte Papst Benedikt XVI. schon am 25. September 2011 im Freiburger Konzerthaus wie folgt beschrieben:

 

"(...) Umso mehr ist es wieder an der Zeit, die wahre Entweltlichung zu finden, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen. Das heißt nicht, sich aus der Welt zurückzuziehen. Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial-karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens vermitteln. Der Liebesdienst ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, sondern er gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst" (Enzyklika Deus caritas est, 25).

 

Allerdings haben sich auch die karitativen Werke der Kirche immer neu dem Anspruch einer angemessenen Entweltlichung zu stellen, sollen ihr nicht angesichts der zunehmenden Entkirchlichung ihre Wurzeln vertrocknen.

Nur die tiefe Beziehung zu Gott ermöglicht eine vollwertige Zuwendung zum Mitmenschen, so wie ohne Zuwendung zum Nächsten die Gottesbeziehung verkümmert.

Offensein für die Anliegen der Welt heißt demnach für die entweltlichte Kirche, die Herrschaft der Liebe Gottes nach dem Evangelium durch Wort und Tat hier und heute zu bezeugen, und dieser Auftrag weist zudem über die gegenwärtige Welt hinaus; denn das gegenwärtige Leben schließt die Verbundenheit mit dem Ewigen Leben ein.

 

Leben wir als einzelne und als Gemeinschaft der Kirche die Einfachheit einer großen Liebe, die auf der Welt das Einfachste und Schwerste zugleich ist, weil es nicht mehr und nicht weniger verlangt, als sich selbst zu verschenken. (...)"

 

KRITIK VON DEN DEUTSCHEN BISCHÖFEN

Für diese Rede hat Benedikt XVI. viel Schelte einstecken müssen, gerade von seinen deutschen Amtsbrüdern im Bischofsamt. Schon als Erzbischof von München-Freising hatte er darauf hingewiesen, dass ihm eine arme Kirche lieber sei. Es hat nicht gefruchtet. Die deutsche Geistlichkeit mag ihn nicht.  So darf ihm Norbert Arntz, ein Priester im Bistum Münster, in der Ausgabe November/Dezember 2015 des katholischen Missio-Magazins "kontinente", unkommentiert vorwerfen, die barocke Identität der Kirche bewahren zu wollen und beschreibt das Tragen von (Mess-)Gewändern als transzendentale Lieblichkeit, während er selbst (N. Arntz) mit Jacket, Schlips und offenem Hemdkragen abgebildet ist. Der Priesterkragen, das Collar, auch römischer Kragen genannt, scheint ihm fremd zu sein. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass derzeit mehr denn je evangelische Pastoren mit eben solchen Kragen zu sehen sind. Nicht nur Priester wie Norbert Arntz schrecken nicht davor zurück, den deutschen Papst zu diffamieren. Damit treffen sie jedoch gleichermaßen Benedikts Vorgänger und heiliggesprochenen  Päpste wie Johannes XXII. und Johannes Paul II., die ebenso rote Schuhe trugen und im apostolischen Palast lebten.

2015: Papst emeritus Benedikt XVI. wird Ehrendoktor der Päpstlichen Universität Johannes Paul II. von Krakau

Die Rede, die der emeritierte Papst im Sommer 2015 in Castel Gandolfo hielt, hatte es in sich. Das vatikanische Presseamt veröffentlichte sie nicht von ungefähr im Wortlaut, was einer kleinen Sensation gleichkam.

 

Der vormalige Privatsekretär seines Vorgängers und Freundes Papst Johannes Paul II. (1978-2005), der Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz, war in die päpstliche Sommerresidenz geeilt, um Benedikt XVI. die Ehrendoktorwürde der Päpstlichen Universität Johannes Paul II. in Krakau sowie der Krakauer Musikhochschule anzutragen.

 

Benedikt XVI. würdigte in seiner Dankesrede seinen Vorgänger - „denn ohne ihn ist mein geistlicher und theologischer Weg nicht denkbar" - im Beisein seines Privatsekretärs Erzbischof Georg Gänswein und rund 80 Gästen. Aufgeräumt, entspannt und hellwach sei er gewesen, so die Stimme eines Teilnehmers.

 

Der emeritierte Papst ließ die Gelegenheit nicht verstreichen, um nicht auch an dieser Stelle auf seine ihm wichtigen theologischen Anliegen zu sprechen zu kommen: auf die richtige Deutung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und auf die Bedeutung der Musik für das Christentum.

 

RICHTIGE DEUTUNG DES KONZILS

Bekanntlich hatte er immer wieder davor gewarnt, das Konzil als Bruch mit der Tradition zu verstehen. Im Gegenteil: ohne Tradition sei auch und gerade das Vatikanum II. nicht denkbar und interpretierbar. So schlug er dann gekonnt den Bogen zur Kirchenmusik. Sie sei nach dem Konzil vieler Orten aus den Gottesdiensten und in die Konzertsäle verbannt worden; Stichwort: radikale Stärkung der aktiven Teilnahme der Gläubigen. Dabei gebe es doch die Musik von der Größenordnung, wie sie im Raum des christlichen Glaubens entstanden sei, in keinem anderen Kulturraum: Bach, Mozart, Händel, Beethoven, Bruckner. So deklamierte er zu Recht, die abendländische Musik sei einzigartig, ein "Wahrheitsbeweis des Christentums."

 

ABENDLÄNDISCHE MUSIK

WAHRHEITSBEWEIS DES CHRISTENTUMS

 

Die Kirchenmusik dürfe nicht aus der Liturgie verschwinden. Das habe auch das Konzil ausdrücklich abgelehnt. Wie ich an anderer Stelle schon verdeutlichen konnte, hat das aber die sogenannten Reformer nicht sonderlich interessiert, Stichwort: Lateinische Messe, Ostung des Altars, Blickrichtung des Zelebranten gen Osten, et ecetera. Keines war untersagt worden. Im Gegenteil.

 

Man darf gespannt sein, wann Benedikt XVI. sich wieder öffentlich substantiell äußern wird. Sein totales Leben als Emerit / Mönch wird er wohl ad acta gelegt haben. Recht so; vgl. auch den Artikel der „Welt“ vom 04.07.2015: Emeritierter Papst Benedikt XVI. spricht erstmals wieder öffentlich.

Wider Erwarten deutlich äußerte er sich sehr deutlich in seinem Geleitwort zu Kardinal Robert Sarahs neuestem (2017 ins Deutsche übersetzt) Buch über die Kraft der Stille. Benedikt lobte dessen Einstellung zur Liturgie (bei ihm sei sie in guten Händen), wissend darum, dass Sarah sich besonders der Missa Tridentina verpflichtet fühlt, dies zum Leidwesen der römischen Kurie und offensichtlich auch des Papstes Franziskus, die den außerordentlichen Ritus am liebsten verbannen würden.

Und eben diesen Kardinal und vatikanischen Liturgiepräfekten pfiff Papst Franziskus nun öffentlichwirksam im Oktober 2017 zurück:

Demnächst wird es, wenn der Papst richtig interpretiert wird, weltweit keine einheitlichen liturgischen Texte mehr geben. Quelle: Die Tagespost, Ausgabe 24.10.17.

Mein Fazit: Die Einheit der Katholischen Kirche ist in Gefahr, die Protestantisierung schreitet voran

Martin Mosebach                                                     zu Papst Benedikts 90zigsten Geburtstag

Der deutschlandweit bekannte, vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Martin Mosebach hat bei der Liturgischen Tagung in Herzogenrath, sie fand Ende April/Anfang Mai 2017 statt, eine bemerkenswerte Rede gehalten - zu und über Papst Benedikt XVI. und somit folgerichtig auch über das Zweite Vatikanische Konzil und den überlieferten Ritus, der Missa Tridentina.

Ich denke, die Veranstalter der Tagung werden es begrüßen, wenn ich an dieser Stelle auf seinen speziellen Geburtstagsgruß für Papst emeritus Benedikt XVI. aufmerksam mache. Bitte anklicken:

http://de.catholicnewsagency.com/article/martin-mosebach-benedikt-zum-90-geburtstag-0081

Weitere Infos

Rom, 19. Oktober 2017. Papst em. Benedikts XVI.

Sein Zustand scheint stabil zu sein. Gott sei es gedankt. Das zeigt das am 19.10.17 vom Vatikan veröffentlichte Foto mit dem Kommentar "Der emeritierte Papst, heute um 17 Uhr."

 

                                       Ich "liebe" diesen außer-gewöhnlichen Papst und Jahrhundert-Theologen. Möge er uns noch lange als Korrektiv erhalten bleiben.

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8. November 2017. Papst emeritus Benedikt nimmt Regensburger Sonntagsbibel entgegen.

https://de.catholicnewsagency.com/story/papst-emeritus-benedikt-nimmt-regensburger-sonntagsbibel-entgegen-2518