PAPST BENEDIKTS XVI.                         VERBUNDENHEIT MIT DEM JAKOBSWEG

Einführung

Berichten zufolge soll Joseph Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., im Jahre 2000 Abschnitte des Camino Frances gepilgert sein. So soll er unter anderem in der Gemeindeherberge San Roque in Molinaseca übernachtet und der Albergue San Javier in Astorga eine eigenhändig geschriebene Postkarte geschickt haben. Besagte Karte hing 2006 an der Pinwand der Herberge; vgl. Foto. 

Das Wappen von Papst Benedikt XVI.

Im Wappen des deutschen Papstes ist unschwer das Symbol der Muschel zu erkennen. Der Vatikan schreibt dazu erklärend, ich zitiere: 

 

"(...) Der Schild Papst Benedikts XVI. enthält Symbole, die sich schon in dem Schild befinden, den er als Erzbischof von München und Freising sowie als Kurienkardinal verwendete. (...)

 

An der erhabensten Stelle des Schildes befindet sich eine große goldene Muschel, die von dreifacher Symbolik ist. Zunächst hat sie eine theologische Bedeutung: Sie soll an eine dem hl. Augustinus zugeschriebene Legende erinnern. Dieser traf am Strand ein Kind, das versuchte, mit einer Muschel das gesamte Wasser des Meeres in ein Loch im Sand zu füllen. Als ihm das Kind auf seine Frage hin seinen vergeblichen Versuch erklärte, erkannte Augustinus den Bezug auf das eitle Unterfangen, mit dem begrenzten menschlichen Verstand die Unendlichkeit Gottes erfassen zu wollen. Die Legende hat offenkundig eine geistliche Symbolik. Sie lädt ein, Gott zu erkennen, wenn auch in der demütigen Anerkennung der Unzulänglichkeit der menschlichen Fähigkeiten; wir schöpfen aus der Fülle der theologischen Lehre.

 

Darüber hinaus versinnbildlicht die Muschel seit Jahrhunderten den Pilger: Dies ist eine Symbolik, die Benedikt XVI. lebendig halten möchte. Hiermit folgt er der Tradition Johannes Pauls II., der als großer Pilger in jeden Teil der Welt gegangen ist. Das Meßgewand, das Benedikt XVI. am Sonntag, dem 24. April (2005) beim feierlichen Gottesdienst zum Beginn seines Pontifikats trug, war mit mehreren gut sichtbaren Muscheln bestickt. (...)"

Quelle: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/index_it.htm

 

In seinem 1997 herausgekommenen Buch "Aus meinem Leben - Erinnerungen", 5. Auflage 2006, beschreibt Joseph Kardinal Ratzinger sein Wappen, dem er u.a. das Symbol der Muschel beifügte, wie folgt: "Wir haben hier keine bleibende Stadt." Und weiterhin in Anlehnung an den heiligen Augustinus, der über das Geheimnis der Trinität, der Dreifaltigkeit Gottes grübelte, vgl. oben: "So wenig diese Grube die Wasser des Meeres fassen kann, so wenig kann der Verstand das Geheimnis Gottes umgreifen."

 

Sein bischöflicher Wahlspruch lautete entsprechend einem Wort aus dem dritten Johannesbrief: "Mitarbeiter der Wahrheit."

Fotos

Reihe 1: Unterschrift von Papst Benedikt XVI.

             Siegel des Heiligen Vaters: Cooperatores Veritatis - Mitarbeiter der 

             der Wahrheit; mit dem Verweis auf die Heiligen Petrus und Paulus.

Reihe 2: Foto Herberge San Javier in Astorga 2006. Die Karte soll die Unterschrift

             von Kardinal Ratzinger tragen. 

             Brasilienbesuch 10. Mai 2007. Quelle: Agencia Brasil, Author: Fabio Pozzebom/ABr          

Papst Benedikt XVI. über den Apostel Jakobus      am 21. Juni 2006

Generalaudienz am 21. Juni 2006

"Vom heiligen Jakobus können wir also vieles lernen; die Bereitschaft, den Ruf des Herrn anzunehmen, auch wenn er uns auffordert, das "Boot" unserer menschlichen Sicherheiten zu verlassen; die Begeisterung, ihm auf den Wegen zu folgen, die er uns zeigt. Jenseits all unserer illusorischen Anmaßung; die Bereitschaft, mutig für ihn Zeugnis abzulegen, wenn es sein muss, bis zum höchsten Opfer des Lebens.

So steht Jakobus der Ältere vor uns als beredtes Vorbild großherziger Treue zu Christus. Er, der anfangs durch seine Mutter die Bitte ausgesprochen hatte, zusammen mit seinem Bruder neben dem Meister in dessen Reich zu sitzen, war der erste, der den Kelch des Leidens trank, das Martyrium mit den Aposteln teilte."  Quelle: www.papstbenediktxvi.ch.

Papst Benedikt XVI. am 6. November 2010 in Santiago de Compostela

"Wer nach Santiago pilgert,                               kann nicht der gleiche bleiben!"

Papst Benedikt XVI. in der Kathedrale von Santiago.

Wer nach Santiago de Compostela pilgert, kann nicht der gleiche bleiben, erklärte Papst Benedikt XVI., der am 6. November 2010 am Grab des Apostels Santiago weilte. Mit dem Schließen der Heiligen Pforte am Jahressende konnte ein Rekordansturm von Pilgern verbucht werden. Insgesamt hatten sich 270.000 Menschen im Heiligen Compostelanischen Jahr auf den Weg nach Santiago de Compostela gemacht. Der Papst schrieb jetzt (Januar 2011) einen Brief an den Erzbischof von Santiago, Julián Barrio Barrio, in dem er auf die wichtigsten Elemente des Pilgerns einging:

Den Austausch von „Anliegen, Hoffnungen und Herausforderungen“, die Erneuerung des Glaubensbekenntnisses, der gesungene Lobpreis an Gott, das Bekenntnis der Sünden und die Begegnung mit Christus in der Eucharistie. „Diese Begegnung kann [diese Pilger] nicht unberührt lassen“. Sie „werden in ihre Heimat so zurückzukehren, wie die Jünger von Emmaus nach Jerusalem zurückgekehrt sind“. Der Vorsatz sei nötig, den „Glauben täglich zu stärken, beharrlich an den Sakramenten der Gnade, die der Kirche anvertraut sind, teilzunehmen und ein wirksames und konkretes Beispiel der Nächstenliebe zu geben“, schreibt der Papst.  Der Papst richtete eine besondere Botschaft an die Jugend und erinnerte an den kommenden Weltjugendtag in Madrid im August 2011. Der Papst versicherte, dass er in seinem Herzen den „angenehmen Aufenthalt“ in Santiago in Erinnerung behalten werde, und er betete dafür, dass die Früchte des Jubiläums dazu verhelfen mögen, dass das erlösende Wort Christi immer gegenwärtiger werde. Quelle: ZENIT.org vom 10.01.2011.

Nachstehend der Abdruck einer seiner Reden in Santiago de Compostela, die an die große Rede seines Vorgängers Papst Johannes Pauls II. in 1982 erinnert.

ANSPRACHE PAPST BENEDIKT XVI.

bei seiner Ankunft in Santiago  am 6. November 2010

"Königliche Hoheiten, sehr geehrte Vertreter der nationalen, regionalen und lokalen Behörden, Herr Erzbischof von Santiago de Compostela, Herr Kardinal, Präsident der spanischen Bischofskonferenz, meine Herren Kardinäle und Mitbrüder im Bischofsamt,
liebe Brüder und Schwestern, meine lieben Freunde!

Vielen Dank, Königliche Hoheit, für die ehrerbietigen Worte, die Sie in Ihrer aller Namen an mich gerichtet haben und die die innige Zuneigung widerspiegeln, die die Menschen dieses edlen Landes für den Nachfolger Petri hegen.

Herzlich grüße ich die hier Anwesenden wie auch alle, die über die Medien mit uns verbunden sind, und ich danke auch allen, die auf verschiedenen kirchlichen und öffentlichen Ebenen großzügig dazu beigetragen haben, daß diese kurze, aber intensive Reise nach Santiago de Compostela und Barcelona reiche Frucht bringen wird.

Im tiefsten Inneren seines Seins ist der Mensch immer auf dem Weg, ist er auf der Suche nach der Wahrheit. Die Kirche nimmt an diesem tiefen Streben des menschlichen Seins teil. Sie macht sich selbst auf den Weg und begleitet den Menschen, der sich nach der Fülle seines Seins sehnt. Zugleich legt die Kirche einen eigenen inneren Weg zurück, der sie durch den Glauben, die Hoffnung und die Liebe dazu führt, Lichtschein Christi für die Welt zu werden. Das ist ihre Sendung, und das ist ihr Weg: inmitten der Menschen immer mehr Gegenwart Christi zu sein, „den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung“ (1 Kor 1,30). Darum habe auch ich mich auf den Weg gemacht, um meine Brüder im Glauben zu stärken (vgl. Lk 22,32).

Ich komme als Pilger in diesem Heiligen Jahr von Compostela, und bringe im Herzen die gleiche Liebe mit, die den heiligen Apostel Paulus antrieb, seine Reisen zu unternehmen, wobei er den Wunsch hatte, auch Spanien zu erreichen (vgl. Röm 15,22-29). Ich möchte mich in die große Schar der Männer und Frauen einreihen, die im Lauf der Jahrhunderte von allen Winkeln der Iberischen Halbinsel, von Europa und selbst aus der ganzen Welt nach Compostela gekommen sind, um vor den heiligen Jakobus hinzutreten und sich vom Zeugnis seines Glaubens umformen zu lassen. Mit ihren Spuren und voller Hoffnung schufen sie einen Weg der Kultur, des Gebets, der Barmherzigkeit und der Umkehr, der in Kirchen und Hospitälern, in Herbergen, Brücken und Klöstern Gestalt angenommen hat. Auf diese Weise haben Spanien und Europa ein geistiges Gesicht entfaltet, das auf unauflösliche Weise vom Evangelium gekennzeichnet ist.

Gerade als Bote und Zeuge des Evangeliums werde ich auch nach Barcelona gehen, um den Glauben seiner gastfreundlichen und tatkräftigen Bewohner zu stärken. Ein Glaube, der schon in der Frühzeit des Christentums gesät worden ist und der unter dem Klima zahlloser Beispiele von Heiligen keimte und wuchs und zur Gründung sehr vieler Wohlfahrts-, Kultur- und Bildungseinrichtungen führte. Dieser Glaube inspirierte den genialen Architekten Antoni Gaudí, dort, mit dem Eifer und der Mitarbeit vieler Helfer, jenes Wunderwerk in Angriff zu nehmen, welches die Kirche der „Sacrada Familia“ darstellt. Ich werde die Freude haben, diese Kirche zu weihen, in der sich die ganze Größe des menschlichen Geistes, der sich Gott öffnet, widerspiegelt.

Ich empfinde eine tiefe Freude, erneut hier in Spanien zu sein, das der Welt eine Vielzahl großer Heiliger geschenkt hat, Ordensgründer und Schriftsteller, wie Ignatius von Loyola, Theresia von Jesus, Johannes vom Kreuz und Franz Xaver und viele andere mehr. Spanien hat im 20. Jahrhundert neue Einrichtungen, Gruppen und Gemeinschaften christlichen Lebens und des Apostolats hervorgebracht. In den vergangenen Jahrzehnten schreitet es nun in Eintracht und Gemeinsamkeit, in Freiheit und Frieden voran und blickt zuversichtlich und verantwortungsvoll in die Zukunft. Von seinem reichen Erbe an menschlichen und geistlichen Werten angespornt, sucht es auch inmitten der Schwierigkeiten weiterzukommen und seine Solidarität der internationalen Gemeinschaft anzubieten.

Diese Beiträge und Initiativen Ihrer langen Geschichte wie auch der Gegenwart, gemeinsam mit der Bedeutung dieser beiden Orte Ihres schönen Landes, die ich bei dieser Gelegenheit besuchen werde, geben mir den Anstoß, meine Gedanken auf alle Völker Spaniens und Europas auszuweiten. Wie der Diener Gottes Papst Johannes Paul II. von Compostela aus den Alten Kontinent ermahnte, seinen christlichen Wurzeln neue Kraft zu geben, so will auch ich Spanien und Europa auffordern, ihre Gegenwart aufzubauen und ihre Zukunft zu planen auf der Grundlage der echten Wahrheit des Menschen, der Freiheit, die diese Wahrheit respektiert und sie nie verletzt, wie auch der Gerechtigkeit für alle, angefangen bei den Ärmsten und den Einsamen. Ein Spanien und ein Europa, die sich nicht nur um die materiellen Bedürfnisse der Menschen Sorgen machen, sondern auch um die moralischen und sozialen Werte sowie um die spirituellen und religiösen Anliegen kümmern, weil all diese echte Ansprüche des einen und alleinigen Menschen sind und man nur so in wirksamer, umfassender und fruchtbarer Weise für sein Wohl wirkt.

Liebe Freunde, nochmals bekunde ich Ihnen meinen Dank für Ihren herzlichen Empfang und Ihre Anwesenheit an diesem Flughafen. Erneut bringe ich den geliebten Söhnen und Töchtern Galiziens, Kataloniens und allen anderen Völkern Spaniens meine Zuneigung und Nähe zum Ausdruck. Ich empfehle meinen Aufenthalt bei Ihnen der Fürsprache des heiligen Apostels Jakobus an und bitte Gott, daß er Ihnen allen seinen Segen schenke. Vielen Dank. "

Quelle: Kath.net.

 

REDEN UND PREDIGTEN ANLÄSSLICH SEINER

APOSTOLISCHEN REISE NACH SANTIAGO UND BARCELONA AM 6./7.10.2010

Der nachstehenden Webseite des Heiligen Stuhls können Sie den gesamten Ablauf der Apostolischen Reise seiner Heiligkeit nach Santiago und Barcelona entnehmen incl. der Reden und Predigten:

http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/travels/2010/documents/trav_ben-xvi_spagna_20101106.html

Castel Gandolfo am 28. Februar 2013, 17:38h:   Von jetzt an nur noch ein einfacher Pilger

Papst Benedikt XVI. verkündete am 11. Februar 2013 zur Überraschung der gesamten Welt seinen Rücktritt zum 28. Februar 2013.

 

Ich gestehe, ich war zutiefst berührt und traurig. Er war, ist und bleibt für mich einer der großen Päpste der Neuzeit und der katholische Theologe par excellence. Drei Jahre später wird ihn Papst Franziskus mit den großen Kirchenlehrern vergleichen, namentlich mit Papst Leo dem Großen aus dem 5. Jahrhundert (400 - 10.11.461).

 

Wer mehr von Papst Benedikt XVI. wissen will, muss sich nicht wie ich in eine Vielzahl seiner Bücher vertiefen. Seine Jesus von Nazareth - Trilogie der Jahre 2007, 2010/2011 und 2012 reicht. Dazu sagte die evang.-luth. Pfarrerin von Jerusalem, Frau Prof. Dr. Petra Heldt: "Man spüre, dass der Autor von Herzen an Jesus glaube, sogar unter Einbau wissenschaftlicher Erkenntnisse. Das könne man leider nur von den allerwenigsten Theologen sagen, die über Jesus Christus schrieben."

 

Foto: Alessandro di Meo.

11. Februar 2013 - 17:56h.

 

Zufall oder ein Zeichen? Viele Gläubige sind jedenfalls davon überzeugt und bewerten den Blitzschlag als göttliches Zeichen. Was war passiert? Nur wenige Stunden nach der Rücktrittsankündigung des Papstes am 11. Februar 2013 hatte ein Blitz um 17:56h in die Kuppel des Petersdoms eingeschlagen. Sein Privatsekretär Georg Gänswein, heute Erzbischof, erklärte dazu, daß er einige Tage später Benedikt XVI., der nichts von dem Phänomen mitbekommen hatte, Fotos vom Blitzeinschlag gezeigt habe. Der Papst habe ihn gefragt: „Ist das wahr oder ist das eine Fotomontage“. Gänsweins Antwort an den Papst: Nein, die Natur hat hier gesprochen, und ziemlich deutlich.“ Quelle: EWTN.

 

Siebzehn Tage später verabschiedete sich Papst Benedikt XVI. vom Balkon seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo mit den Worten:

 

"Von jetzt an bin ich nur noch ein einfacher Pilger,

der die letzte Etappe seiner Pilgerreise auf dieser Erde beginnt!"