DER IGNATIUSWEG / CAMINO IGNACIANO

Pilger auf den Spuren des heiligen Ignatius       von Loyola/Azkoita bis nach Manresa/Barcelona

Tal von Loyola. Sancti Ignatii Basilica. Hauptportal. Der heilige Ignatius. 

Einstimmung

Was hat der heilige Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenordens, mit dem Jakobsweg zu tun? Nicht sehr viel. Nur eine Randnotiz in der Geschichte des Baskenlandes und Pamplonas des 16. Jahrhunderts. Die 4. Etappe des REISEBERICHTs WESTWÄRTS NACH GALICIEN (bitte in der Haupt-Menüzeile anklicken) geht bei der Kurz-Beschreibung der Stadt Pamplona wie folgt darauf ein:

 

"Pamplona wurde 74 vor Chr. vom römischen Feldherrn Pompeius Magnus gegründet. (...) wurde mehrmals zerstört: Anno Domini 466 von den Westgoten, von den Franken 542, durch Karl den Großen 778, von den Mauren 924, schließlich 1521 während des französisch-spanischen Krieges. Dabei wurde der baskische Offizier Íñigo López de Loyola lebensgefährlich verletzt. Er quittierte seinen Dienst, änderte radikal sein Leben, gründete die Gesellschaft Jesu, den Jesuitenorden - 1540 n. Chr. formal von Papst Paul III. zugelassen. Berühmt sind seine Exerzitien. Ignatius, so sein späterer Name, nannte sich schlicht „der Pilger“: unterwegs sein, wachsen und lernen."

 

Der Jesuitenorden steht derzeit im Fokus des medialen Interesses: Zum ersten Mal ist mit Papst Franziskus im März 2013 ein Jesuit zum Pontifex maximus, zum Bischof Roms gewählt worden. Seit 1958 ist der jetzige Papst Jesuit, bürgerlicher Name Jorge Mario Bergoglio; von 1973 bis 1979 Provinzial (Leiter) der argentinischen Jesuiten. 

 

Sein Chef, der Ordensgründer der Gesellschaft Jesu, Ignatius von Loyola, nannte  sich Pilger und so fasste er im 16. Jahrhundert folgerichtig erst nach einer langen und beschwerlichen Pilgertour den folgenreichen Entschluss, den Jesuitenorden zu gründen, der die katholische Weltkirche nicht nur zu seiner Zeit mit Martin Luthers Reformation maßgeblich verändern sollte.

Immer wieder waren und sind die Jesuiten Anfeindungen ausgesetzt - für ihren unbedingten Gehorsam dem jeweiligen Papst gegenüber. Reichskanzler Fürst von Bismarck war der Protagonist schlechthin: Gegenspieler des Papstes und der Jesuiten.

Der Orden wurde 1773 von Papst Clemens XIV. auf innerkirchlichem und vor allem außenpolitischen Druck verboten. Dem widersetzten sich damalige Großmächte wie Preußen unter Friedrich II. und Rußland unter Zarin Katharina. Sie wollen sich das jesuitische Bildungsangebot erhalten. 1814 setzte Papst Pius VII. den Orden in alter Form wieder ein.

Íñigo López de Loyola

Loyola. Kathedrale.

 

Ignatius lebte bis zu seiner schweren Verletzung in Pamplona während des französisch-spanischen Krieges 1521 das Leben eines unbeschwerten Ritters, wenn auch den katholischen Riten verpflichtet.

 

Auf dem Krankenbett mutierte der junge Ritter zu einem nachdenklichen jungen Mann, der fortan sein Leben ganz dem Herrgott widmen wollte, dabei die großen Heiligen im Blick hatte. Er ekelte sich vor seinem bisherigen Leben, „Dinge des Fleisches“ lehnte er jetzt ab. „Gott, unserem Herrn zu dienen“, das war nun sein Credo. Noch im selben Jahr machte er sich auf einen rund 650 Kilometer langen Pilgerweg von seinem Heimatort Loyola in den baskischen Bergen südlich von Bilbao bis nach Manresa, einer Stadt nördlich von Barcelona gelegen. Der Weg tangiert einige Streckenabschnitte (in Gegenrichtung) des heutigen Jakobswegs. Später führte es ihn nach Jerusalem und Rom.

  

Íñigo López de Loyola war ein großer Marienverehrer. Im Marienwallfahrtsort Aranzazu, unweit seines Heimatortes Loyola, legte er 1521 nach Christus ein Gelübde ab, strebte schlussendlich auf einem Maultier zum Benediktinerkloster Santa Maria de Montserrat (nahe Manresa), einem bedeutenden geistlichen Zentrum und Marienwallfahrtsort.

 

In Montserrat wird seit dem 12. Jahrhundert die Marienfigur „Unsere Liebe Frau von Montserrat“ verehrt. Vor ihr hielt er eine Nacht lang vom 24. auf den 25. März 1522 die Gebetswache, verschenkte seine vornehme Kleidung, zog ein Armenkleid an, meditierte am Vorabend des Festes der Verkündigung des Herrn vor der Marienstatue die ganze Zeit kniend und stehend. In der nahe gelegenen Ortschaft Manresa, nördlich von Barcelona, verbrachte er anschließend über zehn Monate, fand in den Armenspitälern Unterschlupf, bettelte, lebte einige Zeit in einer Höhle, heute Santa Cova genannt, erweckte Aufsehen, sodass viele Menschen ihn aufsuchten, seinen Rat erbaten und dies ganz besonders von den vornehmen Damen der Umgebung.

 

Nachzulesen im Heiligenlexikon www.heiligenlexikon.de/BiographienI/Ignatius_von_Loyola.htm. Wer noch mehr lesen, wissen will, dem empfehle seine von ihm verfassten Aufzeichnungen „Bericht des Pilgers." 

Vgl. auch Menüpunkt PILGER AUF DEN SPUREN > Was heißt Pilgern heute? Pilger aus der Sicht von...Ignatius von Loyola (bitte durchscrollen).

Fotos aus 2014:

Alle von der Basilika Sancti Ignatii und dem Museum.

Der Ignatiusweg:

Das Ziel des Pilgerwegs liegt nicht nur im Abschluss der Route, sondern vor allem darin, eine neue Lebensorientierung zu finden.

So steht`s geschrieben auf der spanischen Internetseite zum Ignatiusweg. Seit einigen Jahren versucht eine spanische Projektgruppe, Laien wie Jesuiten, den Camino Ignaciano zu popularisieren, ihn mit seinen empfohlenen 28 Etappen auszuschildern.

 

Die Frage wird sein, wie lange es gelingen wird, diesen Weg vom Commerz freihalten zu können. Nicht lange, vermute ich. So wie heute bei der Masse Jakobspilger absolut nicht mehr der religiöse, spirituelle Aspekt im Vordergrund steht, Wandern und Übernachten in preiswerten Refugios sind angesagt, werden diejenigen Pilger, die eine besondere spirituelle Erfahrung auf den Spuren des heiligen Ignatius suchen, sich schon bald in der Minderheit befinden.

 

650 Kilometer 

  • Loyola/Azkoita, Arantzazu – Navarrete

  • Navarrete – Logrono - Zaragoza

  • Zaragoza - Lleida,

  • Lleida - Igualada – Kloster Montserrat – Manresa.   

Reiseberichte / Websites

Lesenswert ist der von Ronald Reng in der ZEIT (Ausgabe 20/13) veröffentlichte Reisebericht "Pilgern - Auf der Bußspur"- aktualisiert am 17. Mai 2013. 

www.zeit.de/2013/20/spanien-pilgerweg-ignatius-von-loyola;

getoppt von der spanischen Website http://caminoignaciano.org./de

in der englischen Übersetzung als The Ignatian Way bezeichnet.

 

Vermutlich wird es nicht mehr lange dauern und die spanischen Verfasser werden ihre Reisenotizen als Tourführer herausbringen. Sie sollten noch ein wenig warten. Ich möchte diesen tollen Weg in den nächsten Jahren gehen - in Ruhe, frei von lärmenden Wanderern, in Abgeschiedenheit. Gleichwohl, riskieren Sie einen Blick auf die Website. Sie gibt Ihnen alle denkbaren Informationen, die Sie benötigen, den Ignatiusweg gehen zu können. 

Neuer Pilgerführer von Tyrolia            

Die geistlichen Übungen haben es in sich

Mich hat der brandneue Pilgerführer des Tyrolia-Verlags aus Innsbruck sofort angesprochen. Warum? Er ermuntert den Pilger, den Weg des Pilgers Ignatius von Loyola des Jahres 1522 auch innerlich nachzuvollziehen. Der spirituell und religiös ausgerichtete Pilger wird profitieren. Die Ignatianische Spurensuche sowie die täglichen Betrachtungen und Gebete laden ein, sich abseits des Weges Zeit zu nehmen, zu meditieren, ja: zu beten. Nur zwei Beispiele von S. 92 und 191: Auf der 9. Etappe von Logrono nach Alcanadre (30,6 km) empfehlen die Autoren den Psalm 25,8-10 resp. auf der 25. Etappe von Cervera nach Igualada (38,6 km) zwei Verse aus dem Alten Testament 1 Kön 8,35-36. Die zum Schluss beschriebenen "geistlichen Übungen - Der innere Weg des Pilgers" haben es in sich. Einige Zwischenüberschriften verdeutlichen dies recht anschaulich: Den Weg atmen - Die tägliche Struktur - Der Ablauf der Meditation - Das  Vorbereitungsgebet. Dann je Tag (insgesamt sind es 40) eine tägliche Bitte formulieren, den täglichen Impuls und die vorgeschlagenen Bibeltexte lesen, verinnerlichen. Das abschließende Zwiegespräch beendet den Pilgertag. Herausfordernd, bemerkenswert.

 

Das Kartenwerk 1:75.000, die exakte Wegbeschreibung, die Hinweise auf Pilgerquartiere, die eigene Routenbeschreibung für Radfahrer, die vielen Infos und Fotos zu den Sehenswürdigkeiten am Weg runden das Bild eines an sich gut gelungenen Pilgerführers ab, so mein Eindruck. Schade nur, dass auch dieser Autor meint, sich dem veröffentlichten Mainstream anpassen zu müssen und recht einseitig die Rolle der Katholischen Kirche jener Zeit beschreibt. Es ist relativ wohlfeil, das kirchliche Überwachungssystem (Wer geht nicht zum Gottesdienst) zu thematisieren - Stichwort: dark ages -, wenn man dabei ausblendet, was unsere modernen, von der Aufklärung (Positivismus, Relativismus) geprägten Protagonisten an brutalen Verhörmethoden, Denunziantentum und Bespitzelungen produziert haben, wohlgemerkt: diesmal von staatlicher Seite durch die Gestapo während der Nazizeit, durch NKWD und GPU in Stalins Sowjetunion, in der DDR durch die Stasi, in Spanien während der Bürgerkriegs 1936 und folgende durch und innerhalb der Volksfront von Sozialisten, Anarchisten und Kommunisten. Gerade auch zur (spanischen) Inquisition gibt es Untersuchungen, die ein sehr differenzierteres Bild zeichnen, wonach sich eben nicht wenige Straffällige bewusst der Inquisition unterwarfen, weil sie dort - im Gegensatz zur staatlichen Gerichtsbarkeit - einen faireren Prozess erwarten durften. Vgl. dazu meine Ausführungen unter ÜBER UNS > Religiöses. Katholizität > Die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche (bitte durchscrollen bis INQUISITION) sowie die nachfolgenden Menüpunkte, u.a. via Geschichtliches neu bewertet: Leyenda negra, etc.

Ungeachtet dieses Einwands werde ich schon in Kürze den Pilgerführer nutzen.

In Anlehnung an den Camino de Santiago wird`s am Ende in Manresa ein Zertifikat geben. Die korrelierenden Pilgerpässe werden wir uns am Camino Ignaciano besorgen. Fünf Stempel reichen.

 

Der vom www.tyrolia-verlag.at editierte Pilgerführer aus 2016 trägt den Namen "Der Ignatiusweg - von Loyola über Saragossa nach Manresa"; und weiter ist auf dem Deckblatt zu lesen: "Auf den Spuren des Ignatius von Loyola - 676 km in 27 Etappen - Mit Sonderteil: der innere Weg des Pilgers." GPS-Daten, Online-Karten und Aktualisierungen sind via www.caminoignaciano.org./de abzurufen.

Die Autoren werden benannt mit Jose Luis Iriberri SJ (also ein Jesuit), Professor und Dozent an der Tourismusfakultät der Ramon-Llull-Universität in Barcelona und Leiter des Pilgerbüros, und Chris Lowney aus den USA.

Chiesa del Gesù, Rom                                 Impressionen von der Jesuskirche der Jesuiten

Ignatius selbst plante den Bau der Kirche. Nachdem er und sein Mitstreiter Francisco de Borja das nötige Geld aufgetrieben hatten, fand 1550/1551 in ihrer Anwesenheit die Grundsteinlegung statt. Nach vielen Unwägbarkeiten konnten die Gläubigen erst Jahre später, 1575, unter einem provisorischen Dach die erste Messe feiern. Im 17. Jahrhundert folgte schlussendlich die malerische Ausstattung der Kirche. 1773 wurde der Jesuitenorden verboten, viele Kunstschätze der Kirche daraufhin geraubt. 1814 gab man den Jesuiten die Kirche zurück.