ANDERE PILGERWEGE

Rom. Petersdom.

Weitere Fotos: Camino Ignaciano. Denkmal des heiligen Franz von Assisi in Rom. Mönchsweg: Start am Bremer Rathaus/Petridom. Jesus Trail in Israel: Kafarnaum.

Einstimmung

Rom. Lateranbasilika der Päpste. Simon Petrus.

 

Matthäus 16, 18-19: Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch auch im Himmel gelöst sein. - Aus der Einheitsübersetzung der Bibel.

Von je her pilgerten Christen nach Rom zu den Apostelfürsten Petrus und Paulus, die hier - nach der Überlieferung - im 1. Jahrhundert (66 nach Christus) unter Kaiser Nero den Märtyrertod erlitten. Die mittelalterlichen Pilgerwege werden  später zu heute ausgebauten Fernstraßen, so zum Beispiel die Via francigena, der Frankenweg vom englischen Canterbury quer durch Europa (Frankreich und Schweiz) nach Rom.

 

Die Gläubigen pilgerten gleichermaßen nach Jerusalem ins Heilige Land, sie pilgerten in ihren Heimatländern zu den örtlichen Heiligtümern. Mehr dazu unter dem Punkt Was heisst Pilgern heute?

Im Nachfolgenden beschreibe ich einige zumeist europäische Pilgerwege, die für diejenigen interessant sein mögen, die sich nicht dem Hype Jakobsweg anschließen mlgen.

 

Sonstige Pilgerwege von Bedeutung

Während noch Martin Luther das Wallfahrtswesen, das Pilgern zu heiligen Orten ablehnte, wenn nicht bekämpfte, hat sich heute die Evangelische Landeskirche Hannover davon gelöst und einen eigenen Pilgerweg kreiert, den

 

PILGERWEG VON LOCCUM NACH VOLKENRODA

Im 12. Jahrhundert (1163) gründeten 12 Zisterziensermönche des Klosters Volkenroda rund 300 Kilometer nördlich in den Sümpfen rund um die Lucca-Burg ein neues Kloster. Späterhin besuchte der Abt von Volkenroda zusammen mit seinem Visitationstross alljährlich die Mönche in Loccum. Beide Klöster waren ja einander verbunden geblieben. Nach der Reformation sah es anders aus.  

 

Von Bedeutung sind weiterhin 

DER St. OLAvSWEG

von Oslo nach Trondheim.

 

DER FRANZISKUSWEG

führt den Pilger entlang den Spuren des heiligen Franziskus (13. Jahrhundert) von Florenz über Assisi nach Rom zur Laterankirche der Nachfolger des Heiligen Petrus im päpstlichen Amt.

 

DEN IGNATIUSWEG

starten die Pilger im spanischen Loyola, südlich von Bilbao gelegen. Er geht bis in die Nähe von Barcelona. Ein Weg der besonderen Spiritualität - in Erinnerung an den heiligen Ignatius aus dem 16. Jahrhundert.

 

DER ST. MARTINSWEG

führt von Ungarn, Slowenien, Italien bis zur französischen Stadt Tours und seiner Basilika des hl. Martin. 

 

DER MÖNCHSWEG

von Bremen nach Kopenhagen spricht besonders Radfahrer an.

 

DER JESUS TRAIL

im israelischen Galiäa ist nur rund 65 Kilometer lang. Er streift unter anderem die Städte Nazareth und Kapharnaum und den See Genesaret. Strecken, die Jesus gegangen haben könnte.

 

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Rom baut alte Pilgerwege zum Petersdom aus. Heiliges Jahr 2015/16

CAMMINO PAPALE - CAMMINO DEL PELLEGRINO - CAMMINO MARIAN

 

Der Papstweg (Cammino papale) folgt der Strecke, den früher die Päpste nach ihrer Wahl auf dem Weg von ihrem Sitz im Lateran zum Petersdom zurücklegten. Seit dem 16. Jahrhundert gehört die Route zudem zu den Pilgerwegen der Heiligen Jahre: Sie führt zum Kolosseum, wo Christen den Märtyrertod erlitten, vorbei am Mamertinischen Kerker, wo nach der Legende der Apostel Petrus gefangen gehalten wurde, dann Richtung Pantheon und zur Engelsbrücke über den Tiber.

 

Der Pilgerweg (Cammino del pellegrino) wendet sich hinter dem Mamertinischen Kerker der Via Giulia zu, die nahe am Tiber entlangläuft. Und der Cammino Mariano (Marienweg) schließlich beginnt an Santa Maria Maggiore und stößt kurz hinter dem Kolosseum auf die anderen Wege. 

 

Warum diese Renaissance? Warum der Ausbau der alten Pilgerwege durch den römischen Bürgermeister? Rom rechnet zum Heiligen Jahr 2015/16 mit über 33 Millionen Besuchern und Pilgern. Das von Papst Franziskus ausgerufene „Jubiläum der Barmherzigkeit“ soll vom 8. Dezember 2015 bis zum 20. November 2016 dauern. Eine Anfahrt wird dann zu den vier Patriarchalbasiliken so ohne weiteres nicht mehr möglich sein, wie zur Lateranbasilika, der eigentlichen Papstkirche, nach Santa Maria Maggiore, zum Petersdom, wie nach Sankt Paul vor den Mauern. Die Pilger sollen sich auf den oben bezeichneten alten Pilgerwegen bewegen.

Die Heiligen Jahre

Das Heilige Jahr als Jubeljahr wurde erstmals zur Zeit des in Avignon residierenden Papstes Klemens V.(Bertrand de Got, 1305-1314) von den Oberhäuptern der miteinander verfeindeten römischen Adelsfamilien angeregt. Sie verbanden damit den Wunsch, der Papst möge nach Rom zurückzukehren. Auch der Dichter Franceso Petrarca zählte zu den Befürwortern. Klemens` Nachfolger, Papst Klemens VI. (Piere Roger de Beaufort, 1342-1352) gab dem Wunsch statt, ohne selbst nach Rom zu pilgern, wohl aber Hunderttausende Gläubige. Sie gaben Almosen und stifteten Wertvolles, wie beispielsweise für das Schweißtuch der Veronika (vgl. Abschnitt "Volto Santo - Das Schweißtuch Jesu 'vera ikone' ") einen mit Gold besetzten Rahmen aus Bergkristall.

Die Feier dieses Glaubensfestes hat ihre Wurzeln im Alten Testament, Levitikus 25,10. Das jüdische Festjahr wurde damals durch das Jobel (Widderhorn) verkündet. Von daher entwickelte sich unser Wort für Jubiläum.

 

Die heilige Birgitta von Schweden (1302-1373) nahm eine Sonderstellung ein. Sie unterstützte besonders die Armen und Kranken. Sie beschimpfte Papst und Kardinäle wegen ihrer Sittenverderbns als Hurer und Sodomiten. Die Papstresidenz in Avignon nannte sie in ihren vielen Briefen ein Bordell. Sie pilgerte nicht nur nach Santiago, 1372 auch nach Jerusalem. Dort erreichten ihre mystischen Verlautbarungen, die in den Revelationes (Offenbarungen) gesammelt sind ihren Höhepunkt. Eine bemerkenswerte Frau.

Papst Urban VI. (Bartolomeo, 1378-1389) verkürzte die Zeit zwischen den Jubeljahren von 50 auf 33 Jahre; Paul II. (Pietro Barbo, 1464-1471) dann auf 25 Jahre. Die Feier des Jubeljahres 1575 wurde zu einem Fest der katholischen Gegenreformation.

1600 fand eine Reihe prominenter Protestanten zum katholischen Glauben zurück, unter anderem Stephane Calvin, ein Verwandter des berühmten Genfer Reformators. Fünfundsiebzig Jahre später erregte wieder eine Schwedin Aufsehen. Christina von Schweden hatte nach ihrer Konversion zum katholischen Glauben auf die schwedische Thronfolge verzichtet, ihr Vater hieß König Gustav Adolph, und sich in Rom niedergelassen. Dort bediente sie nicht nur im Heiligen Jahr 1675 die Bedürftigen und wusch den Pilgerinnen die Füße. Im Jubeljahr 1725 konnten die Pilger dreihundertsiebzig ehemalige Sklaven begrüßen, freigekauft von den Patres des Redemptoristenordens in Tunis aus muslimischer Gefangenschaft.

 

Im Jahre 1750 sollen zu Zeiten Voltaires über 600.000 Menschen nach Rom gepilgert sein.  Die Gläubigen hatten sich also nicht von der Aufklärung blenden lassen. Gerade seine Kritik an die katholische Kirche wird die Pilger veranlasst haben, nach Rom zu eilen. Ein ähnliches Phänomen ist später während des Kirchen-/Kulturkampfes von Bismarck versus Rom zu beobachten. Die deutschen Katholiken taten sich zusammen (Stichwort: Ultramontanismus), unterstützten massiv ihren Papst Pius IX.  Während der Amtszeit Papst Pius`XI. (Achille Ratti, 1922-1939) wurde zweimal das Heilige Jahr ausgerufen, 1925 und 1933.  

 

Zu Beginn eines jeden Heiligen Jahres werden die Heiligen Pforten, die ansonsten die Jahre über  verschlossen bleiben, in einer Prozession geöffnet, und zwar die der Papstbasiliken von St. Peter (Petersdom), St. Johann im  Lateran, Santa Maria Maggiore und St. Paul vor den Mauern. Geöffnet wird die Pforte mit einem symbolbehaften Hammer. Er erinnert an Mose in der Wüste, als er mit einem ehernen Stab gegen den Felsen schlug, damit Wasser hervorsprang, um den Durst den Israeliten zu stillen (Ex 17,6 und Num 20,11). Text in Teilen entnommen dem L’Osservatore Romano, Nr. 35 und 46 aus 2015.  

 

Eine ähnliche Zeremonie kennt der Jakobspilger von Santiago de Compostela. Dort wird die Heilige Pforte in jenem Jahr geöffnet, in welchem der 25. Juli, der Gedenktag des Heiligen Jakobus, auf einen Sonntag fällt.