SPANIENS KIRCHE IM MITTELALTER

FERDINAND III. VON LEON UND KASTILIEN, im 17. Jahrhundert heilig gesprochen.

Burgos. Kathedrale. König Ferdinand III. von León und Kastilien, ein Marienverehrer, förderte im 13. Jahrhundert den Bau der Kathedrale von Burgos.

Einführung                                                     Spaniens Kirche im Mittelalter

König Rodrigo. Eugene Delacroix, 1798 Charenton-Saint-Maurice 1863. Kunsthalle Bremen.

 

Die römisch-katholische Kirche nimmt aktuell nach wie vor eine dominierende Position im gesellschaftlichen Leben Spaniens ein. Der Grundstock wurde im frühen Mittelalter gelegt.

 

SPANISCHE HEILIGE - MÄRTYRER

Jeder Pilger, der das Städtchen Sahagun passiert, wir taten es während der 20. Etappe von Terradillos de los Templarios bis nach Bercianos de Real Camino, wird mit zwei Märtyrern konfrontiert, nämlich Facundus und Primitivus. Sie ließen ihr Leben, weil sie sich weigerten, heidnischen Götzen zu opfern. Das geschah entweder um 170 nach Christus oder um 304 im heutigen Sahagun.

 

Nicht minder berühmt und verehrt wird der heilige Vinzenz von Saragossa, geboren im heutigen Huesca in Aragonien, als Märtyrer zu Tode gekommen am 22. Januar 304 in Valencia unter Datianus, dem Statthalter von Valencia. Datianus vollzog die grausame Tötung unter der Ägide von Kaiser Diokletian, dessen Macht und damit die Christenverfolgung über Rom hinaus strahlte.  Vinzenz wird im Ambrosianischen Hochgebet I und im spanisch-mozarabischen Hochgebet bedacht. Der heilige Augustinus (gestorben 430) sagte über ihn: "Wo gibt es eine Gegend, eine Provinz des Römischen Reiches oder der Kirche, wo nicht der Jahrestag des Vinzenz freudig gefeiert wird?" Am 22. Januar eines jeden Jahres. Quelle: Schott-Meßbuch.

 

Über den hl. Johannes von Sahagun, dessen Gedenktag der 12. Juni eines jeden Jahres ist, wird im Volksmissale berichtet, dem römischen Messbuch nach der Ordnung von 1962. Johannes, um 1430 in San Facundo, dem heutige Sahagun bei Leon, geboren, wurde bereits 1443 zum Priester geweiht. 1463 trat er bei den Augustiner-Eremiten in Salamanca ein.  Sein Wirken war begleitet von zahlreichen Wundern. Er hatte ein besonderes Charisma, Feinde miteinander zu versöhnen. Johannes starb am 11. Juni 1479 zu Salamanca.

 

Am 13. April eines jeden Jahres wird des hl. Hermenegild der Gote (auch: Ermengild; althochdt.: der Heermann der Vergeltung) gedacht: gebotener Gedenktag in Sevilla. Sohn des Westgotenkönigs Leovigild, geboren in Spanien, gestorben am 13. April 585 in Tarragona. Da er sich nicht dem Willen seines arianisch geprägten Vaters beugen wollte, er hatte sich zuvor auf Wunsch seiner Frau Ingundis und Bischof Leander von Sevilla dem römisch-katholischen Glauben angeschlossen, wurde er enthauptet. Der hl. Gregor von Tours (30.11.538 - 17.11.594) wie Papst Gregor I. (der Große; 540 - 12.03.604) berichteten von seiner Bekehrung. Sein Grab befindet sich in der ihm geweihten Kirche in Sevilla. Nach der Thronbesteigung seines Bruders Reccared schloss sich das gesamte Westgotenreich rasch dem katholischen Glauben an. 

 

ISIDOR VON SEVILLA - LEON

Das Christentum hat sehr früh in Hispania Fuß fassen können. Der weltweit bekannte Erzbischof von Sevilla und letzte lateinische Kirchenlehrer und Verfasser einer heute noch beachteten Enzyklopädie, Isidor von Sevilla, ist einer jener beredten Zeugen; geboren um 560 in der Provinz Cartagena, gestorben am 4. April 636 in Sevilla. Seine letzte Ruhestätte hat er in in der Basilika Isidoro in Leon gefunden.

 

Sidestep. Als erstes christianisiertes Reich gilt das Königreich Armenien, nordöstlich von der Türkei, gegründet  um 301 resp. 314/315. Das Christentum wurde zur Staatsreligion erhoben. In Mitteleuropa übernahmen vor allem iro-schottische Mönche die Christianisierung inklusive Englands, Irlands und Schottlands. Als die Hauptprotagonisten werden angesehen der Nationalheilige Irlands, Patrick von Irland (400-461 resp. 491) und Columban (540-615).

 

SUEBEN - WESTGOTEN

Die Sueben (ein Sammelbegriff für viele Stämme in der Germani magna) drangen, nachdem sie Gallien (u.a. das heutige Frankreich) ausgeplündert hatten,  im Jahre 409 nach Hispanien vor. In Braga, Galicien, errichteten sie ihre erste Residenz. 585 wurden sie  von den Westgoten endgültig besiegt.  Die Westgoten  waren hauptsächlich christliche Arianer, das heißt, sie widersetzten sich der Trinitätslehre, wonach Jesus Gottes Sohn ist, die  dann aber doch ab 589 n. Chr. in Gänze auf der iberisches Halbinsel allgemein gültiges Glaubensgut wurde und sich damit Rom anpasste. 

 

MUSLIMISCHE MAUREN ÜBERRENNEN HISPANIA

Das Westgotenreich wurde 711 von den Mauren besiegt, zur Bedeutungslosigkeit reduziert, geknechtet, unterjocht . Der sich rettende Teil der Bevölkerung emigrierte in den hohen Norden der Insel vornehmlich ins heutige Galicien wie Asturien. Auch die Konzile von Toledo, beginnend mit dem Jahr 400 n. Chr. und endend mit dem von 702 n. Chr., änderten nichts daran. Wer mehr wissen will, der schlage bitte bei Wikipedia nach. Die 11. Synode von Anno Domini 675 ging bevorzugter Weise in die Geschichte ein, äußerte sie sich doch zur schwierigsten Glaubensüberzeugung überhaupt, zur Trinität. Der weiland verabschiedete Glaubenssatz hat heute nach wie vor prinzipiell seine Gültigkeit - in der römisch-katholischen Kirche.

 

IN ASTURIEN FORMIERT SICH DER ERSTE WIDERSTAND

Heute, zumindest in der westlich orientierten Welt, ist die damals praktizierte Verwobenheit von Staat und Kirche nicht mehr denkbar. Aus der damaligen Sicht gleichwohl nachvollziehbar. Bischöfe wie Könige agierten religiös wie weltlich/profan. Es ging um Einfluss, Macht, Konsolidierung.  Von Asturien aus formierte sich der Widerstand gegenüber den Muslimen. Fürst Pelayo (gestorben um 731) gründete das Königreich Asturien. Asturien sah sich als das von Gott auserwählte christliche Volk, mit starkem Bezug zum Alten Testament. Nach seiner von ihm angestoßenen Reconquista, sein Sieg über die Mauren in der legendären Schlacht von Covadonga 722 ließ ihn zum Helden Spaniens werden, dauerte es noch über 750 Jahre, bis Spanien letztlich wieder vollumfänglich unter katholischer Königsherrschaft stand.

 

Der Jakobsweg wurde mittel- wie unmittelbar tangiert, der Pilgerstrom ließ gleichwohl nicht nach. Im Gegenteil. Am Rande des Camino de Santiago entstanden prachtvolle, wunderschöne Kathedralen wie Klosteranlagen, die zum Welterbe zählen.

 

Das katholische Spanien ließ große Heilige und Orden zur Weltgeltung kommen wie eine Theresia von Avila, Johannes von Avila, Ignatius von Loyola Der Ignatiusweg / Camino Ignaciano und Franz Xaver  (Gründer des Jesuitenordens) und in der Neuzeit Bischof Josemaria Escriva (Gründer von Opus Dei).

Einführung                                                         König Ferdinand III., 13. Jahrhundert

Ferdinand (althochdeutsch: der friedliebende Kühne), geboren am 24. Juni 1201 im heutigen Zisterze Valparaiso bei Salamanca, gest. am 30. Mai 1252 in Sevilla, wurde 1671 nach Christus von Papst Clemens X. heilig gesprochen. Er versuchte stets, auch als König als Christ zu leben. Wie viele bedeutende heilige Männer/Gelehrte wandte auch er sich insbesondere der Muttergottes zu. Sein Gedenktag ist der 30. Mai. Die aufgeklärten, dem derzeitigen Zeitgeist folgenden Menschen werden die Stirn runzeln. Wie konnte das passieren? Zumal er ja auch noch gegen die Mauren gekämpft haben soll?

Zur Vita des Königs

König Ferdinand III. als Ferdinand el Santo auf einer Miniatur aus dem 13. Jahrhundert. Freigegebenes Foto.

 

Die Website des Heiligenlexikons 

vermerkt unter anderem:

 

Ferdinand war der Sohn von König Alfons IX. von Leon und der Königin von Kastilien. Mit siebzehn Jahren bestieg er den Thron und vereinigte zunächst die beiden Landesteile. Mit Beatrix, der Tochter Philipps von Schwaben, hatte er sieben Söhne und drei Töchter. Ferdinand starb nach seiner Lebensbeichte und wurde im Gewand der Franziskaner-Tertiare, denen er angehörte, in der Kathedrale von Sevilla bestattet.

 

Ferdinands Sinn für Gerechtigkeit wurde selbst von seinen Gegnern anerkannt; er versuchte, auch als König als Christ zu leben. So habe er die Virgin de los Roses, eine Marienfigur, die er der Überlieferung nach von seinem Vetter Ludwig IX. von Frankreich erhalten hatte, bei kriegerischen Auseinandersetzungen immer mit sich geführt; die Figur steht heute in der Kathedrale von Sevilla als Schutzpatronin der Stadt.

Mit der Macht beider Königreiche kämpfte Ferdinand gegen die Mauren und eroberte Südspanien zurück, 1235 das Königreich Córdoba und verleibte es seiner Herrschaft ein; es folgten bis 1244 das Guadalquivir-Tal, von 1244 bis 1246 die strategisch wichtigen Stützpunkte Arjona, Priego de Córdoba und Jaén und 1248 das Reich von Sevilla mit allen bedeutenden Städten der andalusischen Küste. Er ließ die von den Muslimen zurückeroberten Gebiete wieder durch Christen besiedeln und unterstützte die Verbreitung der Dominikaner und Franziskaner in seinem Reich, förderte den Kirchenbau, z. B. die Kathedrale von Burgos, und gründete die Universität von Salamanca, die eine der größten und berühmtesten des Mittelalters wurde. Quelle: www.heiligenlexikon.de/BiographienF/Ferdinand_III_von_Leon.html

 

Exkurs ins 11. Jahrhundert

Ferdinands gleichnamiger Vorgänger, Ferdinand I. von Leon, muss gleichermaßen fromm gewesen sein. So wird von ihm berichtet, dass auf seine und seiner Frau Dona Sancha Initiave hin im Jahr 1063 ein besonderes Kreuz geschnitzt worden ist mit der Inschrift: FERDINANDUS REX SANCIA REGINA - in seiner in Leon ansässigen Elfenbeinschnitzerei. Das 54,2 cm hohe Kreuz (heute im Achäologischen Nationalmuseum Madrids zu sehen) zeigt auf der Vorderseite Christus mit weit geöffneten Ausgen am Kreuz als Retter der Menschheit, die Adam, der klein zu seinen Füßen liegt, ins Verderben stürzte. Die Menschen steigen bei der Wiederkehr Christi zum Gericht aus ihren Gräbern. Die Rückseite zeigt die vier apokalyptischen Wesen, die die Dimension des Jüngsten Gerichts als Ziel der Heilsgeschichte ankündigen. Quelle: Kunibert Bering, Kunst-Epochen, Romanik, Reclam 2004.