ISABELLA I. "DIE KATHOLISCHE"

Königin von Kastilien und León und Aragón. 15. Jh. Für ihre Anhänger eine Heilige.

Kloster San Juan de la Peña. Aragón. 9./11.Jh., abseits des Camino Aragonés.

Einstimmung

Isabella I. „die Katholische“ - beinahe eine Heilige

 

Papst Johannes Paul II. war drauf und dran gewesen, Königin Isabella I. die Katholische von Spanien selig zu sprechen. Tausende Dokumente waren ausgewertet. Die Seligsprechung war nur noch eine Frage der Zeit. Dann aber ergaben sich innerkirchliche Widerstände maßgeblicher Kreise, die den christlich-jüdischen Dialog nicht gefährdet sehen wollten. Der Reihe nach.

 

Isabella die Katholische, Isabel la Católica, lebte vom 22. April 1451 bis zum 26. November 1504. Durch ihre Heirat mit Ferdinand II. war sie nicht nur Königin von Kastilien und León von 1474 bis 1504, sondern ab 1479 auch Königin von Aragón. Von ihren Landsleuten wurde sie jahrhundertelang „Gran Reina de la madre patria - große Königin des Vaterlandes“ genannt. Das änderte sich später, als es die Gegner Spaniens schafften, vor allem die protestantischen, sie zu diskreditieren, zu demontieren; Stichwort: Leyenda negra / Schwarze Legende 1.. Warum? Sie einte Spanien. Sie ordnete die Ausweisung der Juden an. Sie beendete die Reconquista, indem sie als letztes Bollwerk Granada von den Mauren zurückeroberte. Sie evangelisierte die Neue Welt. Für Ihre heutigen Anhänger ändern die Vorwürfe überhaupt nichts. Sie wollen schon in Kürze, ein Wiederaufnahmeverfahren scheint nicht ausgeschlossen, beten: Sancta Isabel - ora pro nobis / Heilige Isabella - bitte für uns.

Zu den Fakten

Zunächst ist es wichtig, sich in das 15. Jahrhundert zu versetzen. Prof. Meinhard Miegel schreibt in seinem 2014 herausgekommenen Buch HYBRIS: "Die Menschen, die damals in Europa lebten, dürften sich nämlich kaum einem finsteren Zeitalter zugehörig gefühlt haben. Im Gegenteil. Sie waren davon überzeugt, dass sich der Allerhöchste gerade ihnen in nie da gewesener Weise offenbart, sie durch seinen Sohn erlöst und ihnen den Heiligen Geist gesandt hatte." Einen Satz zuvor spricht er von der ignoranten und arroganten Betrachtungsweise der Nachgeborenen, also von uns Mainstreamfollower.

 

Königin Isabella I. die Katholische lebte ihren katholischen Glauben. Heute würde man sie wohl eine Fundamentalistin schelten, mindestens dem konservativen Lager zurechnen. Ist das etwa schlimm? Der spanische Kardinal Rouco Varela nannte Isabella im Jahre 2002 im Rahmen einer Tagung beim Heiligen Stuhl eine „große Christin und Vorläuferin für die Verteidigung der Menschenrechte." So führte das Königspaar die Santa Hermandad / Heilige Bruderschaft ein. Mit diesem landesweiten Polizei- und Justizsystem wurden die Rechte der lokalen Aristokratie erheblich eingeschränkt. 1494 verlieh Papst Alexander VI. dem Königspaar den Titel reyes católicos - Katholische Könige.

 

Isabella war überzeugt, dass alles Tun und Handeln Gott, dem höchsten Willen, untergeordnet sein müsse. Sie betrachtete die christliche Religion als die absolut wahre. Sie müsse unter allen Umständen geschützt werden. Mit anderen Worten wendete Isabella sich schon damals gegen den heute wild grassierenden Relativismus und Positivismus. Bewundernswert.

 

Zu jener Zeit konvertierten viele Juden zum katholischen Glauben, um gleichwohl ihren mosaischen Riten treu zu bleiben. Infolgedessen ließ sie die Juden ausweisen; aus heutiger Sicht ein schwerer Fehler. Zu berücksichtigen ist, dass ihre Ausweisung keinen rassistischen noch einen antisemitischen Hintergrund hatte, auch die Gier nach Reichtum war kein Grund, im Gegenteil, die Maßnahme führte zu erheblichen Einnahmeverlusten.

 

DIE RECHTLICHE SITUATION DER JUDEN VON KASTILIEN

Die rechtliche Situation der damaligen Juden von Kastilien war „geduldeten Ausländern“ gleichzusetzen. Deshalb kann man eigentlich nicht von Vertreibung sprechen. Heutige Asylsuchende werden des Öfteren auch zunächst nur geduldet, dann unter Umständen ausgewiesen.

Jose Maria Zavala, ein intimer Kenner der Zeit, drückte es vor kurzem in einem Interview (Quelle: www.katholisches.info) wie folgt aus: „Um genau zu sein, in der Sprache von heute, (handelte es sich um) die Nicht-Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung in Spanien, ohne dass damit irgendeine Beleidigung verbunden war und ohne dass es, rechtlich gesehen, ein Unrecht darstellte, wie der Postulator des Seligsprechungsverfahrens, Anastasio Gutierrez, feststellte. Im Dekret der Könige ist ausschließlich vom 'großen Schaden, Nachteil und der Schande für unseren heiligen katholischen Glauben' die Rede. Es ist daran zu erinnern, dass Isabella, zum Zeitpunkt ihrer Ausrufung zur Königin, in Anwesenheit des Apostolischen Nuntius einen Eid leistete, ihre Untertanen zu regieren, 'wie Gott es ihr am besten zu verstehen gab'. Bald darauf weihte sie in der Kirche von San Miguel de Segovia ihr Reich Gott, sodass sie mit ihrem Ausweisungsdekret nichts anderes tat als die Pflicht und die Erfüllung ihres Eides.“

 

RECONQUISTA

Auf die Reconquista bin ich an anderer Stelle eingegangen. Für Isabella I. und Ehemann König Ferdinand II. war die Sache von Anfang klar gewesen, da in den sogenannten Ehekapitulationen vereinbart und gesetzlich 1480 von der Cortes (Parlament) von Toledo beschlossen: Die Wiederherstellung des christlichen Iberiens auf der Grundlage des Ideals der Renaissance von der nationalen Einheit unter der Herrschaft eines modernen Staates. Die 718 n. Chr. in Covadonga begonnene Rückeroberung / Befreiung von den maurischen Eroberern mit deren (muslimischen) teils sehr grausamen Verfolgungen hatte nun endlich - 1492 -  nach rund sieben Jahrhunderten ein Ende gefunden. Abgeschlossen wurde sie mit der Kapitulation Boabdils, dem letzten Sultan von Granada, hoch zu Ross den Schlüssel der Stadt an die katholischen Könige übergebend.

 

CHRISTANISIERUNG LATEINAMERIKAS

Ausgewerteten Dokumenten zufolge soll es der Königin ausschließlich um die Verbreitung des christlichen Glaubens gegangen sein. Sie hat dafür sogar einen Teil ihrer eigenen Juwelen als Sicherheit für ein Darlehen zwecks Finanzierung des Unterfangens zur Verfügung gestellt. Auch Christoph Kolumbus hätte ohne Isabellas  Generosität seine Vorhaben nicht umsetzen können.  Was sich allerdings ihre Soldaten dann vor Ort an Grausamkeiten haben einfallen lassen, um an das Gold der Einheimischen zu gelangen, steht auf einem anderen „unrühmlichen“ Blatt der spanischen Geschichtsschreibung. Letztlich ist die Neue Welt maßgeblich vom westlichen Kulturkreis beeinflusst worden, und die Christianisierung Amerikas ist der der Mittelmeervölker und der der germanischen Völker durchaus vergleichbar.

 

Beschützerin des Jerusalemer Zionsberges

Sicherlich wird bei ihrer Beurteilung nicht unter den Tisch fallen, dass sie auch die Franziskaner auf dem Zionsberg in Jerusalem unterstützte. Im Jahre 1479 stellte sie entsprechende Mittel aus ihrem königlichen Schatz zur Verfügung, offensichtlich keine Staatsgelder. Vor ihr hatten die franziskanische Kustodie des Heiligen Landes gefördert König Jakob II. von Aragon in 1327, Robert von Anjou (König von Neapel)und Gemahlin Sancha um 1350 und Johanna von Neapel 1363 (Königin von Neapel; Titularkönigin von Jerusalem und Ungarn) und Philipp dem Guten, Herzog von Burgund Anno Domini 1467.

Isabella Catolica. Isabellas sterblichen Reste und die ihres Ehemannes Ferdinand befinden sich in Granada, in der Krypta der Königlichen Kapelle (Capilla Real) mit der Grabinschrift (übersetzt): „Die Vernichter der Mohammedanischen Sekte und Auslöscher der ketzerischen Falschheit, Ferdinand von Aragón und Isabella von Kastilien Gemahl und Gemahlin, allerseits die Katholischen geheißen, umschließen dieses marmorne Grab.“ Es wird wieder eine Zeit geben, in der man Isabellas und Ferdinands Bedeutung neu und fair bewertet, in Analogie zum Matamoros. Von den gegenwärtigen Kritikern der Katholischen Kirche ist dies nicht zu erwarten. Sie übergehen gerne die muslimische Eroberung der iberischen Halbinsel, beginnend mit dem 8. Jahrhundert, beschönigen deren Herrschaft, die in Wahrheit eine brutale war; greifen die Katholischen Könige an.

1 Leyenda negra - Schwarze Legende. Auszug Wikipedia:Der Begriff bezeichnet ein seit dem 16. Jahrhundert verbreitetes antispanisches Geschichtsbild, das die Spanier als fanatisch, brutal, menschenverachtend, faul und rückständig darstellt und im Zusammenhang mit der spanischen Dominanz im frühneuzeitlichen Europa von politischen Gegnern im vorwiegend nord- und mitteleuropäischen Ausland in diversen Medien verbreitet wurde. 

Vgl. auch Punkt Lesenswertes. Geschichtliches neu bewertet.